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Zerrissene Umarmungen| Kritik 8/10

Kinostart
06.08.2009



Handlung

Schon beim Casting für seinen Film „Frauen und Koffer“ verliebt sich der junge Regisseur Mateo Blanco (Lluís Homar) leidenschaftlich in die wunderschöne Hauptdarstellerin Lena (Penélope Cruz). Eine gefährliche Leidenschaft, denn Lena ist mit dem wesentlich älteren Finanztycoon Ernesto Martel (José Luis Gómez) liiert, der nicht nur den Film produziert, sondern auch jeden ihrer Schritte argwöhnisch überwachen lässt. Und auch Mateos treue Produktionsleiterin Judit (Blanca Portillo) reagiert eifersüchtig. Die Lage spitzt sich bei den Dreharbeiten immer weiter zu und gipfelt in einem tragischen Autounfall. 14 Jahre später führt Mateo, der seit dem Unfall blind ist, unter neuer Identität ein ruhiges Leben als Autor – bis ihn die Vergangenheit wieder einholt und die Ereignisse erneut eine dramatische Wendung nehmen.


Filmkritik | Zerrissene Umarmungen

Warum es so unendlich schwer ist, sich „Zerrissene Umarmungen“ kritisch zu nähern, mag nicht zuletzt daran liegen, dass Almodóvar seine Geschichte in einer Weise erzählt, die Kennern seiner Filme das Gefühl gibt, zu den Eingeweihten zu gehören und das funktioniert bei vor allem bei denjenigen, die er vor ziemlich genau 20 Jahren mit seinem furiosen Kinodurchbruch namens „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ verblüffen und begeistern konnte. Zweifellos ist eine extrem verschachtelte Geschichte unter normalen Umständen meist ein wirksames Filmgift, das den durchschnittlichen Kinogänger eher abschrecken dürfte, aber so leicht ist es hier nicht. Die Idee, einen Gegenentwurf zur eigenen Biographie als Regisseur in Form eines Melodrams zu entwerfen, in das man als Gegenpol eine Komödie einflechtet, mag manchem wie unnötig schwere Kost erscheinen, aber wenn man es auf Almodóvars Weise tut, können dabei sogar geniale Momente entstehen – flüchtig zwar, aber durchaus fassbar.

Fraglos liegt die Stärke von „Zerrissene Umarmungen“ zu einem nicht geringen Teil in der Macht des Zitats und verlangt daher eindeutig eine gewisse Bereitschaft seitens des Zuschauers, kleinere und größere Codes entschlüsseln zu wollen. Macht das "Zerrissene Umarmungen" damit auch gleich zu einem schwierigen oder gar verkopften Streifen? Nein, denn betrachtet man es genauer, haben wir es hier mit nicht mehr oder weniger als der Schnittmenge von Almodóvars bisherigem filmischem Schaffen zu tun. Und auch wenn sich die internationale Kritik an diesem Werk deutlich scheiden dürfte, ist Almodóvar immer noch meilenweit davon entfernt, mit dem Mainstream auch nur Augenkontakt herzustellen oder sich dem klassischen Geschichtenerzählen anzunähern – dies jedoch keinesfalls notorisch trotzig, sondern auf seine ihm eigene, sanft beharrende Art, an der immer noch keine Spur des Verbrauchten haftet.

Unter dem Strich bleibt nur eine einzige mögliche Empfehlung: Wer über „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ nicht lachen konnte, wird sich von „Zerrissene Umarmungen“ weder berühren, noch mitreißen lassen. Das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass es sich hier eindeutig um einen Film für Fans handelt. Dennoch: „Versteher“ von Almodóvars Faible für die Zwiespältigkeit seiner Geschichten, werden es gewiss sehr viel leichter haben, „Zerrissene Umarmungen“ als lohnenswerten Film zu betrachten. Wer mit einer Geschichte in der Geschichte leben kann und sich dazu von einer Vielzahl an Reflektionen nicht bange machen lässt, könnte auch Almodóvars zehntes Werk lieben und wird dafür mit einer wirklich unglaublichen Penélope Cruz belohnt, die durch Almodóvars Bilder fast neu erfunden wird.


Filmkritik von Gastautor

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Bilder / Fotos

Zerrissene Umarmungen

© Tobis Film

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Steckbrief
Regie
Pedro Almodóvar

Darsteller
Ángela Molina, Blanca Portillo, Carmen Machi, Chus Lampreave, José Luis Gómez, Kira Miró, Kiti Manver, Lluís Homar, Lola Dueñas, Mariola Fuentes, Penélope Cruz, Rubén Ochandiano, Tamar Novas

Genre
Drama, Thriller

Tags
Spanien
Gastkritiken
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Herstellungsland
Spanien

Alternativ- bzw. Originaltitel
Los abrazos rotos




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