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Ich sehe den Mann deiner Träume| Kritik 7/10

Kinostart
02.12.2010



Handlung

Alles nur Klang und Wut – am Ende bedeuten sie nichts: Alfie (Anthony Hopkins) verlässt nach langen Jahren seine Frau Helena (Gemma Jones), um mit dem kessen Callgirl Charmaine (Lucy Punch) sein neues Glück und seine verlorene Jugend zu suchen, während Helena sich in die billigen Ratschläge einer Wahrsagerin flüchtet. Ihre Tochter Sally (Naomi Watts) ist in ihrer Ehe kein bisschen glücklicher: Ihr Mann Roy (Josh Brolin) ist ein mittelloser vom Glück verlassener Schriftsteller, der Fantasien über das bildschöne Mädchen von nebenan (Freida Pinto) nachhängt. Sally wiederum hat sich in ihren Chef, den erfolgreichen Galeriebesitzer Greg (Antonio Banderas) verliebt – der allerdings lässt sich auf eine Affäre mit ihrer Freundin ein. So hängen alle ihren Träumen und Wünschen nach und machen sich etwas vor – bis sie von der Realität eingeholt werden, die sie mit der Wucht einer geballten Faust trifft.


Filmkritik | Ich sehe den Mann deiner Träume

„Leben ist nichts mehr als eine Fabel..., erzählt von einem Idioten, voller Schall und Wahn.“ Dieses Shakespeare-Zitat aus Macbeth steht als Motto über Woody Allens neuestem Films und es ist das Leitmotiv aller Werke des New Yorker Filmemachers. Mit 75 ist der Märchenerzähler aus Manhattan vielleicht noch ein wenig müder und melancholischer, aber auch nachsichtiger und sich-erbarmender mit den wie Marionetten an ihren Fäden zappelnden Menschlein auf der großen Weltbühne geworden. „Tall Dark Stranger“ (den törichten deutschen Blöd-Titel vergessen wir mal ganz schnell) ist ein Woody Allen-Film, wie ihn die treue Fangemeinde alle Jahre wieder zuverlässig ins Haus geliefert bekommt. Und von den Nicht-Fans des ewigen Stadtneurotikers ebenso regelmäßig in der Luft zerrissen oder bestenfalls ignoriert wird.

So richtige Kinokassen-Schlager sind Allen-Filme seit den Tagen von „Manhattan“ und anderen Geniestreichen schon länger nicht mehr. Dennoch wird „der neue Allen“ alljährlich wie das Allerheiligste erwartet. Hochbezahlte Filmstars von internationalem Rang – in diesem Fall Naomi Watts, Anthony Hopkins und Antonio Banderas – reißen sich gegen geringe Gage um Rollen in seinen Filmen. Ein Engagement beim Beziehungsdramen-Guru gilt nach wie vor als Ritterschlag.

Allen ist ein begnadeter Schauspielerführer, der den Kern aus seinen Darstellern heraus schält, damit sie zeigen können, was in ihnen steckt. Oder auch nicht. Starruhm zählt da wenig, blenden ist nicht drin, Kunst und Können sind gefragt. Das kann dann schon mal wie in diesem Fall zu erstaunlichen Ergebnissen führen: Der hochgerühmte Anthony Hopkins als altersnotgeiler Viagra-Liebestölpel bleibt blass und enttäuscht durch sein banales und irgendwie verdruckstes Spiel, während der optisch ungeschlacht und wie ein Aspirant auf eine Frankenstein-Verfilmung wirkende Josh Brolin („True Grit“, „Wall Street: Geld schläft nicht“) wider Erwarten sehr glaubhaft eine höchst komplexe und feinsinnige Männerstudie hinlegt. Der spanische Beau Antonio Banderas („Der Andere“, „Sin City 2“), der allmählich ins Charakterfach hinein altert, gefällt wie ein reifer Barrique. Hier hatte der alte Film-Fuchs Wood Allen mal wieder die richtige Nase. Das sind so Gründe, warum der Filmfreund trotz Alles-schon-mal-gesehen-bitte-mach´s-nicht-noch-mal-Woody-Gedanken bei so mancher peinlich nervenden und leicht abgeschmackten Altersbinse hellwach bleibt und nicht vor Langeweile weg dämmert. So ein Schnarcher  wie sein humorfreier, ebenfalls in London spielender Vorgänger „Cassandras Traum“ ist dieser Film bei weitem nicht.

Wie immer bei Filmen aus Allens Altersphase ist auch „Dark Tall Stranger“ ein Fest der Frauen. Und wie fabelhaft sie diesmal sind! Naomi Watts („Fair Game“), die derzeit auf der Leinwand einen guten Lauf hat und sich längst vom Doofchen-Image aus King-Kong-Zeiten frei gespielt hat, gibt wieder einmal mehr eine Probe ihres schauspielerischen Könnens. Wie sie mit sparsamsten Gesten, etwa durch das Zurückstreichen einer Haarsträhne, in einer einzigen kleinen Szene den Charakter ihrer Figur präzise und unaufgeregt auf den Punkt bringt, das macht ihr in Hollywood derzeit so schnell keine nach. In prächtiger Spiellaune zeigt sich die britische Comédienne Lucy Punch („Dinner für Spinner“), vor allem bekannt aus der Comedy-Serie „Doc Martin“: Wie sie als vulgäres blondes Gift und fleischgewordene Beflügerin von Altmännerfantasien frischen, mit einer gehörigen Portion gesunden Menschenverstandes befeuerten Wind in die abgedrehten Sinnkrisenfantastereien Londoner Mittelschichtler bringt, das hat was. Den Vogel als Publikumsliebling schießt allerdings die göttliche Gemma Jones ab, die als ältliche betrogene Ehefrau auf esoterischen Abwegen very British und herrlich verschroben sein darf, ohne dabei zu überziehen oder ihre Rolle an billige Effekte zu verraten. Zu Recht wird die Schauspielerin für diese komödiantische Glanzleistung  für eine Oscar-Nominierung gehandelt. Einzig die derzeit im Kino allgegenwärtige Freida Pinto („Slumdog Millionär“, „Miral“) ist weiter nichts als nett und attraktiv und legt den Verdacht nahe, das internationale Kino benötigte mal wieder eine unverbrauchte hübsche Larve mit Exotik-Touch.

Wenn man die Leistungen der Schauspieler einmal abzieht, bleibt  nicht viel übrig von diesem Woody Allen-Film. Schlecht ist er nicht und auch nicht gut, halt das übliche Lamentieren wie gehabt. Ganz geklärt ist die Frage, was es denn nun mit dem großen schwarzen Fremden auf sich hat, am Ende auch nicht. Doch etwa Antonio Banderas? Vermutlich leider nicht.  Wir tippen mal auf Joe Black. Ist aber sowieso alles nur ein Traum, sagt Shakespeare.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Tall Dark Stranger - Ich sehe den Mann deiner Träume

© Concorde Filmverleih GmbH

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USA, Spanien

Alternativ- bzw. Originaltitel
You Will Meet A Tall Dark Stranger




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