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Willkommen bei den Sch´tis| Kritik 8/10

Kinostart
30.10.2008



Handlung

Der aus der Provence exkommunizierte Postfilialleiter Philippe Abrams (Kad Merad) wird in die von Landsleuten so ungeliebte nordfranzösische Region von Nord-Pas-de-Calais strafversetzt, weil er seine geplante Beförderung an die sonnige Côte d’Azur mittels einer vermeintlichen Körperbehinderung durchzusetzen versuchte.
Das unwirtliche und von alptraumhaften Vorurteilen behaftete Arbeiterdorf Bergues soll nun zukünftige Heimat des Postbeamten und seiner Familie sein, der die graue Tristesse eines desillusionierten Arbeitervolks mit Alkoholproblemen vorauseilt.
Kaum am Ziel angelangt, läuft der Familie der Dorfinsasse und Postangestellte Antoine Bailleul (Dany Boon) vor das Auto, dessen verheerender Sprachfehler zunächst eine ernst zunehmende Kieferverletzung diagnostiziert wird. Dass es sich hierbei allerdings um die gängige Mundart des Nordens handelt, wird von nun an zum charmantesten Merkmal der eigentlich warmherzigen und gastfreundlichen Welt der Sch’tis.


Filmkritik | Willkommen bei den Sch´tis

Derartige Süffisanz war man bisher eher von den Skandinavischen Filmemachern gewohnt, was doppelt überrascht, wenn man von den Sch’tis willkommen geheißen wird.
Mutmaßlich ist es der nordromanischen Mundart des Chtimi zu verdanken, dass es Hauptdarsteller, Comedian und Regisseur Dany Boons in nur sechs Wochen gelang, Frankreich die erfolgreichste Kinokomödie seit vierzig Jahren zu liefern. Die Filmsensation brach den bislang ungebrochenen Erfolg von ‚Die große Sause’ mit Louis de Funès von 1966 und befindet sich auf bestem Weg, selbst James Camerons Oscarträchtiger "Titanic" Rang und Ruhm abzulaufen. Erstmalig erfährt das amüsierte Kinopublikum Frankreichs, wie es sich anfühlt, wenn ein von intellektueller Nouvelle Vague oder interaktionistischem Cinémà Vérité verwöhntes Land über sich selbst lacht. Und dabei scheint es ihnen nichts auszumachen.
Dany Boon hatte dabei gute Gründe mit den der Allgemeinheit geläufigen Klischees aufzuräumen, da er mit diesem Film eine Hommage an seine Heimat an der Grenze zu Belgien schuf. Der von staatlicher Seite unautorisierte Dialekt des nordfranzösischen Chtimi, der ebenfalls als Picardisch bezeichnet wird, zeichnet sich dadurch aus, dass alle s-Laute zu koronal-alveolaren sch-Lauten umgebaut werden. In der deutschen Synchronisation musste daher eine vollkommen neuartige Kunstsprache entworfen werden, deren humoristische Brillianz unter anderem von Antoines Sprecher und Stromberg-Seele Christoph Maria Herbst hinreichend gewürdigt wird. So hatte selbst das an akademisch-intellektuelles Film-Französisch gewöhnte Publikum einige Schwierigkeiten, sich an den aus dem Flämischen stammenden Jargon zu gewöhnen.
Auch deutsche Kinokonsumenten werden überrascht sein, nicht auf einen in derartigen Fällen angewandten typisch alemann’schen Dialekte zu stoßen und dennoch keine Fremdscham ob der Louis de Funès zu verschuldenden französischen Albernheit empfinden zu müssen. Endlich hat ein französischer Filmemacher bewiesen, dass es auch in Zeiten wirtschaftlicher Krise und bourgeoiser Schönrederei manchmal lohnt, einen verschmitzt-belustigten Blick auf sich selbst zuzulassen, wenn regionale Unikat-Identitäten mit zarter Ironie die Herzen ihres wie auch unseres Landes gewinnen.


Filmkritik von Gastautor

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Willkommen bei den Sch`tis

© PROKINO Filmverleih GmbH

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Steckbrief
Regie
Dany Boon

Darsteller
Alexandre Carrière, Anne Marivin, Guy Lecluyse, Kad Merad, Line Renaud, Lorenzo Ausilia-Foret, Patrick Bosso, Philippe Duquesne, Zoé Félix

Genre
Komödie

Tags
Frankreich, Polizei
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Frankreich

Alternativ- bzw. Originaltitel
Bienvenue chez les Ch`tis

Budget
11 Mio. US-Dollar




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