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Waterworld| Kritik

Kinostart
1995



Handlung

Was die Katastrophenapostel seit langem prophezeien, ist in Waterworld Wirklichkeit geworden: Eine Klimakatastrophe hat die Polkappen zum Schmelzen gebracht, die ganze Welt steht unter Wasser und die Überlebenden vegetieren auf behelfsmäßigen Wasserfahrzeugen dahin. Und wer nun denkt, dies würde endlich Solidarität unter den Menschen schaffen, wird bitter enttäuscht, denn auch in diesen harten Zeiten gibt es böse Buben, die Smoker, die nichts anderes im Sinne haben als gutgläubige Zeitgenossen zu übervorteilen. Auch sie kennen die alte Legende, die von Dryland berichtet, dem letzten Festland, das es auf der Erde noch geben soll, das aber bisher niemand gefunden hat. Den Weg dorthin weist angeblich eine Karte, die das kleine Mädchen Enola (Tina Majorino) als Tätowierung auf dem Rücken trägt. Die Smoker setzen alles daran, um sie in ihre Gewalt zu bringen, was ihr unfreiwilliger Beschützer, der Mariner (Kevin Costner), ein mutierter halbamphibischer Mensch, verhindern will.


Filmkritik | Waterworld

Es gibt Katastrophenfilme und Filme, die eine Katastrophe sind. Waterworld gehört zur zweiten Kategorie. Als der Film in die Kinos kam, wurde schon viel Tinte über dieses Thema verspritzt, erstaunlicherweise war er in Europa trotzdem ein Kassenhit. Vielleicht gibt es hierzulande mehr Leute als in den USA, die neugierig sind zu erfahren, ob ein Film wirklich so schlecht ist wie der Ruf, der ihm vorauseilt.

Wenn man die Ausstattung betrachtet, kann man sich kaum vorstellen, daß WATERWORLD im Endeffekt kaum weniger als James Camerons Titanic gekostet haben soll. Während man bei letzterem wenigstens sieht, wo das Geld geblieben ist, stellt man sich diese Frage bei Waterworld vergeblich. Es kann doch nicht sein, daß diese Kulisse, die so aussieht, als wäre sie auf den Schrottplätzen Amerikas zusammengesammelt worden, solche Unsummen verschlungen hat? Die Kostüme der Darsteller können es auch nicht gewesen sein, es sei denn, diese abgerissenen Lumpen wurden von einem hochbezahlten Modedesigner entworfen. Wer weiß. Immerhin dürfte vom Set nach Drehschluß nicht mehr allzuviel übrig geblieben sein, da das meiste gnädigerweise in Flammen aufgegangen ist. Über die daraus resultierende Umweltverschmutzung denken wir an dieser Stelle lieber nicht nach.

Über die schauspielerischen Leistungen gibt es kaum etwas zu sagen. Man hat die ganze Zeit den Eindruck, einer Laienspielschar zuzusehen, die ein selbst verfaßtes Theaterstück aufführt. Noch nicht einmal Dennis Hopper als Bösewicht wirkt überzeugend, er hat schon bessere Leistungen abgeliefert. Wenn dies die Aufnahmeprüfung für eine Schauspielschule gewesen wäre, dann könnte man nur sagen: Der Kandidat ist leider durchgefallen.

Dasselbe gilt für Kevin Costner als Mariner. Kam es diesem Mann niemals in den Sinn, daß er für die Rolle des jugendlichen Helden definitiv zu alt geworden ist? Wohl nicht, denn sonst hätte er es nicht darauf angelegt, sich mit Gewalt vor der ganzen Welt lächerlich zu machen. Wenn man nur noch so wenig Haare hat, ist es außerdem nicht sehr vorteilhaft, dies durch deren Länge ausgleichen zu wollen, und noch weniger, wenn selbige den ganzen Film hindurch pitschnaß an der Denkerstirn kleben. Aber auf diese Art konnten die Zuschauer wenigstens des öfteren seine Kiemen bewundern. Es wird zwar nicht gesagt, wie lange die Welt schon unter Wasser steht, aber um eine solch durchgreifende Mutation hervorzubringen, sind ein paar Jahrhunderte definitiv zu kurz. Aber wenigstens sorgt die Bezeichnung "Ichthyosapiens" für einen der wenigen Lacher in diesem Film, auch wenn nicht ganz klar ist, ob dies nun positiv oder negativ zu bewerten ist.

Über die beiden weiblichen Hauptrollen breiten wir vorsichtshalber lieber das Mäntelchen des Schweigens. Sie als "schmückendes Beiwerk" zu bezeichnen, ist in diesem Falle noch ein Euphemismus. Selbstverständlich bietet die Hauptdarstellerin Helen (Jeanne Tripplehorn) sich sofort an, für den Mariner zu angeln und zu kochen, wenn er sie nur mitnimmt und weist darauf hin, daß auch ihre Ziehtochter Enola dasselbe tun wird. In Waterworld ist die Welt also zumindest für die Männer noch in Ordnung, so scheint es jedenfalls. Wenigstens die Emanzipation der Frauen wurde mit der Klimakatastrophe gestoppt, und ein neues steinzeitliches Idyll entstand. Daß dieses vermeintliche Idyll inzwischen sowieso nach neueren Erkenntnissen auf sehr wackligen Füßen steht, konnte man vor ein paar Jahren noch nicht wissen. Aber selbst wenn man es gewußt hätte, wäre das für Hollywood wohl kein Hinderungsgrund gewesen. Immerhin sind nur in wenigen Filmen aus der Traumfabrik Frauen zu sehen, die mehr sind als lediglich eine hübsche Kulisse oder etwas anderes als eine Bedienung/Bettgenossin für den männlichen Helden.

Da es sich bei einem Spielfilm reine Fiktion handelt, sollte man nicht immer zu sehr auf die Logik pochen, aber was Waterworld uns diesbezüglich vorsetzt, ist zum Teil doch extrem schwer verdauliche Kost. Selbst wenn alle Gletscher der Welt und die Polkappen abschmelzen würden, wären kaum sämtliche Kontinente überschwemmt, soviel Wasser gibt es auf der Erde einfach nicht. Daß dabei nur ein paar Inselchen übrigblieben, die jahrhundertelang nicht zu finden sind, ist einfach eine zu abstruse Vorstellung. Interessant ist dagegen, daß, obwohl nur die Wasserwüste bekannt ist, eine Tomatenpflanze (ebenfalls über Jahrhunderte??) überlebt haben soll. Und woher bekamen die Kettenraucher den Tabak für ihre Zigaretten? - Wahrscheinlich von einer schwimmenden Fabrik, in der ein paar aus Deep Space Nine ausgeliehene Replikatoren Dienst taten. Von der Erdölraffinerie, die benötigt wird, um die diversen motorisierten Rosteimer der Smoker mit Treibstoff zu versorgen, ganz zu schweigen. Bei genauerem Hinsehen würden dem aufmerksamen Zuschauer sicher noch wesentlich mehr Ungereimtheiten auffallen, aber diese Mühe lohnt sich definitiv nicht.

Fazit: Eine der größten Geldverschwendungen in der Filmgeschichte. Wenn es nicht so umweltschädlich wäre, sollte man sämtliche noch existierenden Kopien in einem großen Freudenfeuer in der Walpurgisnacht verbrennen und um das Feuer einen Hexentanz aufführen.


Filmkritik von Monika Hübner

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Steckbrief
Regie
Kevin Reynolds

Darsteller
Chaim Girafi, Dennis Hopper, Jeanne Tripplehorn, Kevin Costner, Kim Coates, Leonardo Cimino, Rick Aviles, Tina Majorino, Zakes Mokae

Genre
Abenteuer, Drama, Sci-Fi
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
USA

Budget
175 Mio. US-Dollar

Einspielergebnis
264 Mio. US-Dollar (weltweit)



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