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Von Menschen und Göttern| Kritik 9/10

Kinostart
16.12.2010



Handlung

In einem Kloster in den Bergen Algeriens leben neun französische Mönche ein friedliches, asketisches Leben, ihrem Glauben und der Hilfe anderer verpflichtet. Aus den unwegsamen Berghängen vor den Klostermauern haben sie blühende Gärten geschaffen, die Menschen aus den umliegenden Dörfern finden bei ihnen immer Unterstützung, ob bei medizinischen Fragen oder anderen Nöten.
Als in der Nähe des Klosters eine Gruppe von Gastarbeitern von islamistischen Rebellen getötet wird, wird den Mönchen jedoch klar, dass der schon lange schwelende Konflikt zwischen algerischen Regierungstruppen und den Rebellen immer näher an sie herankommt. Ihr christlicher Glaube kann sie in große Gefahr bringen und die Mönche müssen eine Entscheidung fällen. Verlassen sie ihr Kloster oder bleiben sie um weiterhin im zu helfen...


Filmkritik | Von Menschen und Göttern

„Von Menschen und Göttern“ wirft mehr als nur gewöhnliche Fragen auf, die sich mit der Grenze zwischen offensichtlicher Sterblichkeit und augenscheinlicher Unsterblichkeit befassen. Damit wirft Xavier Beauvois (unter anderem bekannt durch „Eine fatale Entscheidung“ und „Villa Amalia“) fünftes Filmwerk nicht nur tiefgründige, religiöse Fragen auf, sondern schafft auch ein ganz neues Kinogefühl. Eines das Angst, Verzweiflung und Hoffnung besser von der Leinwand in den Saal zu transportieren scheint, als jeder noch so sündhaft teure Blockbuster.

Eines muss man direkt zu Beginn gestehen: „Von Menschen und Göttern“ bewegt nicht nur, das französische Drama wirft einen auch – wenigstens kurzzeitig – komplett aus der emotionalen Bahn. Und das nicht überwiegend seiner religiösen Einflüsse wegen, die zwischen den kühlen und nüchternen Filmzeilen durchaus und immer wieder durchkommen, sondern schlichtweg seiner rücksichtslosen Realität wegen. Die Darsteller wirken ausnahmslos menschlich, pur und echt, die Handlung unzensiert, unverschönigt und manchmal sogar etwas banal und die Kulisse trügerisch schön. Somit will man die Tragik und das Drama, welche sich letztendlich in „Von Menschen und Göttern“ abspielen, selbst dann nicht wahrhaben, wenn sie bereits passieren.

Dass das „nur“ auf der Leinwand vonstatten geht, spielt hierbei keine Rolle. Beauvois und sein Team setzen nicht eine Filmminute auf reißerische und blutige Schockmomente, knifflige und teure Special-Effects oder emotional stark beeinflussende Filmmusik. Das Drama spielt sich vielmehr so vor dem Auge des Zuschauers ab, dass die Leinwand nur eine Art hauchdünne Trennung zum Geschehen darstellt. Man ist gefühlsmäßig mittendrin und emotional voll und ganz dabei. Das Kameraspiel wirkt wie ein Fenster in das Kloster und wenn die Stimmung im Filmgeschehen kippt oder zum Zerreißen gespannt ist, hält auch das Publikum angespannt den Atem an – aus Angst entdeckt zu werden oder die Situation zu verschlimmern.

Nichts ist grausamer als das Leben, sagt man bekanntlich. Die Geschichte, der „Von Menschen und Göttern“ zugrunde liegt, beweist das. Dabei ist dieser Film jedoch soviel mehr, als nur eine vage und mutmaßliche Wiedergabe von dem, was in dieser tragischen Zeit in dem christlichen Kloster in den Bergen des algerischen und islamistischen Maghreb passiert ist. Dieser Film ist voll von Widersprüchen, die uns im Grunde auch immer wieder im Alltag begegnen. Denn hier treffen echte Menschen und vermeintliche Götter, Spiritualität und Alltag, Islam und Christentum, Glaube und Verzweiflung, Gewalt und Fürsorge sowie Angst und Mut ebenso aufeinander, wie der Zwiespalt zwischen einfach weglaufen... oder zu bleiben und sich den drohenden Gefahren zu stellen.


Filmkritik von Gastautor

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Von Menschen und Göttern

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Steckbrief
Regie
Xavier Beauvois

Darsteller
Farid Larbi, Jacques Herlin, Lambert Wilson, Loïc Pichon, Michael Lonsdale, Olivier Rabourdin, Philippe Laudenbach, Sabrina Ouazani, Xavier Maly

Genre
Drama

Tags
Religion
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Frankreich

Alternativ- bzw. Originaltitel
Des hommes et des dieux




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