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Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen| Kritik 4/10

Kinostart
24.09.2009



Handlung

Seit ihrem achten Lebensjahr wächst die aus adliger Familie stammende Hildegard im Benediktinerkloster Disibodenberg auf. Im Kloster – ein Ort des Schweigens, des Gebets und des Gehorsams - hält der strenge Abt Kuno (Alexander Held) das Zepter fest in der Hand und übergibt Hildegard an ihre Mentorin Jutta von Sponheim (Mareile Blendl). Diese fördert nicht nur Hildegards musikalische Begabung, sondern gibt ihr auch das eigene Wissen weiter. Ihre immer wieder in den Alltag einbrechenden religiösen Visionen behält Hildegard (Barbara Sukowa) jahrelang für sich, aus Sorge, man würde ihr nicht glauben. Nach dem Tod ihrer Mentorin ermutigt der Benediktinermönch Volmar (Heino Ferch) sie zur Veröffentlichung ihrer Visionen und Hildegard erhält dazu schließlich die Erlaubnis der Kirche. In ihrem Kampf um ihren eigenen Weg innerhalb der Glaubensgesellschaft, gründet Hildegard von Bingen allen Widerständen zum Trotz im Jahr 1150 das Frauenkloster Rupertsberg in der Nähe von Bingen am Rhein. Sie wirkt als Äbtissin und Heilkundige, sie komponiert und schreibt ihre bis heute berühmten Bücher nieder. Mit ihrem Erfolg und ihrer Strahlkraft löst Hildegard heftigen Widerstand in der Kirche aus und gerät selbst in eine tiefe, beinahe tödliche Krise, als ihre geliebte Schülerin Richardis von Stade in ein weit entferntes Kloster berufen wird und sie verlässt. Aber Hildegard ist eine Kämpferin, die weiß, dass ihr Werk noch nicht vollendet ist - und längst reicht ihr Ruf weit über die Klostermauern hinaus.


Filmkritik | Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen

Über die Person der Hildegard von Bingen ist in den letzten Jahrzehnten wohl ausreichend geschrieben und erzählt worden, so dass Regisseurin Margarethe von Trotta vielleicht eine von Anfang an undankbare Aufgabe verfolgte, das Thema cineastisch noch einmal neu aufzuarbeiten. Die ohne Zweifel historisch interessante Figur der Nonne und ihrem wundersamen Schaffen im 12. Jahrhundert gewinnt durch den Film "Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen" leider keinen neuen Charme und dürfte weder historischen interessierten noch Unterhaltung suchenden Kinobesuchern einen echten Mehrwert schenken.

Ohne Zweifel ist von Trotta mit ihrem gesamten Team hochgradig bemüht, die Hauptdarstellerin in all ihren Handlungen, zwischen Problemen und wundersamen Wandlungen perfekt in Szene zu setzen, was vom handwerklichen Aspekt auch hervorragend gelingt. Bisweilen greifen Kamera und Ton schon zu intensiv in die Kiste der Stilmittel, um mit möglichst dramatischer Musik oder gezielten Kameraeinstellungen die Spannung und Bedeutung einzelner Szenen noch einmal zu betonen. Doch derartige Stilmittel scheinen in einen Krimi besser aufgehoben als in diesem ausschließlich geschichtlichen Werk.

Denn genau dies ist "Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen" in seinen sich teilweise sehr ziehenden zwei Stunden - ein Geschichtswerk, welches gefühlt jede Minute ihren Lebens autobiographisch nachzeichnen möchte, dabei aber vergisst, standardmäßige Elemente des modernen Kinos einzubinden. Wer sich wirklich für Geschichte und die Person Hildegard von Bingen interessiert, dürfte bereits im Kulturfernsehen entsprechende Dokumentationen gesehen haben. Auch in diesen dürften die Kostüme so perfekt abgestimmt und die Handlungen genauestens nachgespielt worden sein, so wie es die Geschichtsbücher und alten Erzählungen liefern. Doch von Trotta macht in ihrem Film nichts anderes und ist dabei bemüht, die inhaltliche Leere dadurch zu kaschieren, in Form und Gestalt möglichst pompös daherzukommen.

Manch ein Kinobesucher mag es der Regisseurin positiv auslegen, nicht unnötig Handlungen und Begebenheiten in den Film eingestreut zu haben, die nichts mit der historischen Gestalt von Bingen zu tun gehabt haben, nur um den Spannungseffekt zu erhöhen und dem Kinopublikum gewohnte Ware in gewohnten Macharten zupräsentieren. Doch wer mit diesem Anspruch an ein Werk geht, dürfte im Bereich des Dokumentarfilms besser aufgehoben sein. Wer trotzdem noch gar nicht mit der Figur Hildegard von Bingen in Berührung gekommen ist - beispielsweise als Jugendlicher - findet mit "Vision" einen Film, der historisch Wertvolles vermittelt und von jungen Leuten vielleicht eher betrachtet wird als eine Abendsendung auf Arte oder 3sat. Ein fader und bisweilen langweiliger Nachgeschmack bleibt trotz aller filmischer Perfektion aber dennoch.


Filmkritik von Gastautor

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Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen

© Concorde Filmverleih GmbH

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Steckbrief
Regie
Margarethe von Trotta

Darsteller
Alexander Held, Annemarie Düringer, Barbara Sukowa, Devid Striesow, Hannah Herzsprung, Heino Ferch, Lena Stolze, Mareile Blendl, Paula Kalenberg, Stella Holzapfel, Sunnyi Melles

Genre
Biografie, Deutscher Film, Drama

Tags
Glaube
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