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Vertraute Fremde| Kritik 4/10

Kinostart
20.05.2010



Handlung

Der Comic-Zeichner Thomas (Pascal Gréggory) steigt nach einer Geschäftsreise in den falschen Zug und landet in einem Dorf in den französischen Bergen – dem Ort seiner Kindheit. Lange war Thomas nicht mehr hier, Erinnerungen kommen hoch an die Zeit, als sein Vater die Familie ohne Ankündigung verlassen hatte. Noch ahnt er nicht, welches Abenteuer ihn nun erwartet. Wie in einem Traum findet er sich plötzlich in seiner eigenen Vergangenheit als 14-jähriger Teenager (Léo Legrand) wieder, der seinem Vater (Jonathan Zaccaï) in der Schneiderei hilft, für die Mutter (Alexandra Maria Lara) Besorgungen macht, mit Freunden herumzieht und das zarte Gefühl der ersten Liebe erlebt. Doch dann erkennt Thomas seine eigentliche Mission: Ihm bleiben nur wenige Tage, um herauszufinden, was damals wirklich geschah und seinen Vater davon abzubringen, das scheinbar harmonische Familienglück zu zerstören.


Filmkritik | Vertraute Fremde

Eines wird beim Anschauen dieses Films leider überdeutlich klar: Alexandra Maria Lara („Control“) ist wohl eine der  überschätzesten jungen deutschen Schauspielerinnen der letzten Jahre. Nach „Der Untergang“, in der sie „rehäugig“ (dieses Attribut blieb an ihr kleben wie Pech an der Marie) Hitlers Sekreträrin mimte und dadurch zur Berühmtheit und zum Star wurde, hat die Actrice keinen vergleichbaren Erfolg mehr im Kino verbuchen können. Bis heute basiert ihre Bekanntheit vorrangig auf dieser einen Rolle. Als verlassene 1960er Jahre-Mutter in „Vertraute Fremde“ ist sie schlicht überfordert und wirkt zudem viel zu jung. Hausbacken kommt sie rüber, eher teutonische Mutti als französische Maman. Da hilft es auch nicht, dass Filmpartner Jonathan Zaccai aus Belgien („Privatunterricht“) ebenfalls blass und darstellerisch nichtssagend bleibt und der französische Jungmime Léo Legrand als pubertierender Jüngling mit dem Innenleben eines 50jährigen Familienvaters mit seiner altklugen Besserwisserei derart nervt, dass man ihm vom Kinosessel aus am liebsten die Ohren lang ziehen möchte.  Auch wenn der nunmehr 15jährige durchaus begabt ist. Allein der pokerfacige Franzose Pascal Greggory („La Vie en Rose“) rettet zumindest aus darstellerischer Sicht mit ausdrucksstarkem, gleichzeitig gestisch sparsamem Spiel diesen nicht ganz misslungenen, aber todangweiligen Film. Ihm nimmt man die Midlifecrisis eines Comic-Zeichners, der erst auf der Reise in die eigene Vergangenheit zu sich findet, voll ab.

Regisseur Sam Garbarski, immerhin schon ü-60, hat mit „Vertraute Fremde“ erst seinen dritten Spielfilm vorgelegt. Mit seinem zweiten, „Irina Palm“ mit der göttlichen Marianne Faithfull,  hatte er einen Riesen-Erfolg bei Kritik und Publikum gelandet, und das zu recht: Die Geschichte um eine brave Londoner Hausfrau, die, um die klamme Haushaltskasse aufzubessern, zur „Handkönigin“ im Pornokino mutiert, war einfach zu schrill um wahr zu sein und herrlich schräg. Damit hatte der Belgier mit den deutschen Wurzeln die Meßlatte sehr hoch gelegt, die Erwartungen an sein drittes Opus waren entsprechend hoch. Erfüllen konnte er sie leider nur ansatzweise. Beim Drehbuch nach einem autobiografisch gefärbten Manga des renommierten japanischen Graphic Novel-Autors und  -Zeichners Jiro Taniguchi verließ er sich wie bislang bei allen seinen Filmen auf den Belgier Philippe Blasband – diesmal hat sich der Autor leicht verhoben. Japanische und francophone Kultur sind wohl doch zu weit auseinander, als dass man sie 1 zu 1 übertragen könnte. Vor allem die Friedhofsszene am Grab der Mutter, wenn des 50jährigen Thomas` (Pascal Greggory) Seele nach einem ohnmachtsbedingten Kopfsturz auf den Grabstein als Schmetterling in irgendwie mysteriöser Verwandlung in den wiedergekehrten 14jährigen Thomas einfährt, wirkt gequält und wie nicht von dieser Welt. Und die albernen Pubi-Spielchen und  -Scherze  im französischen Bergörtchen erinnern schmerzhaft an dumpfbackige US-Highschool-Filmchen oder an die BRAVO. Da schlägt halt bei Garbarski der langjährige Werbefilmer durch. Der Erkenntnisgewinn des Films bleibt ebenfalls dünn: Ändern kann man bei einer Zeitreise nichts – allenfalls sich selber.  Etwas zu wenig für einen Film von abendfüllender Länge.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Vertraute Fremde

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Steckbrief
Regie
sam garbarski

Darsteller
Alexandra Maria Lara, Jonathan Zaccaï, Laura Martin, Laura Moisson, Léo Legrand, Pascal Gréggory, Pierre-Louis Bellet

Genre
Drama
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg




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