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Verdammnis| Kritik 5/10

Kinostart
04.02.2010



Handlung

Ein junger Journalist bietet Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) für sein Magazin "Millennium" eine hochbrisante Story an: Verdiente Amts- und Würdenträger vergehen sich seit Jahren an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land gebracht und zur Prostitution gezwungen werden. Blomkvist möchte die Geschichte groß herausbringen und beteiligt sich an den Recherchen. Genau wie Lisbeth Salander (Noomi Rapace) – ohne Blomkvists Wissen betreibt sie ihre eigenen Ermittlungen und entdeckt dabei ein besonders pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Vormund, scheint in die Machenschaften der Mädchenhändler verwickelt zu sein. Kurze Zeit später werden der Journalist und Bjurman tot aufgefunden – und die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Eine mediale und polizeiliche Hetzjagd auf sie beginnt. Doch Lisbeth taucht unter. Wie ein Racheengel stellt sie denen nach, die ihr den Mord anhängen wollen. Nur Mikael Blomkvist glaubt an ihre Unschuld und macht sich auf die Suche nach ihr und der Wahrheit. Seine Nachforschungen führen ihn in Lisbeths Vergangenheit – eine Vergangenheit, die so düster ist, dass er lieber nichts von ihr erfahren hätte.


Filmkritik | Verdammnis

Die schlechte Nachricht vorweg: Wer weder die Romanvorlage von Stig Larsson kennt noch den Vorgängerfilm "Verblendung", der wird mit "Verdammnis" zumindest im ersten Drittel wenig anfangen können: Zu sehr setzen Drehbuch und Regie auf das Vorwissen der in den Stoff  "Eingeweihten". Empfehlenswert ist es zumindest, sich vor dem Kinobesuch mit dem Inhalt des Vorgängerfilms vertraut zu machen. Vielleicht wurden die drei Kriminalfilme um die exzentrische Hackerin Lisbeth Salander (Noomi Rapace) – Teil 3 "Vergebung" kommt im Juni in die deutschen Kinos - schlichtweg zu zeitgleich abgedreht, um Eigenständigkeit aufkommen zu lassen. Hätte man bei der Produktion weniger aufs schnelle Geld an der Kinokasse geschielt und, wie ursprünglich geplant, das Ganze sofort als Dreiteiler ins Fernsehen gebracht, machte das Sinn. So fühlt sich der Rezensent ein wenig veräppelt und denkt im Stillen: Das Geld für die Kinokarte hättest du dir schenken können, läuft doch eh demnächst im ZDF: Die Mainzelmännchen-Tochter ZDF Enterprises sitzt als Koproduzentin mit im schwedischen Boot. Und das merkt man dem durchaus spannenden Film von der ersten bis zur letzten Filmminute an.

Der Stoff des Films wie der der gesamten Trilogie und auch der Stig Larsson-Bücher ist seltsam altbacken und erinnert thematisch an die feministisch inspirierten Gender-Rache-Filme der 1970er und 180er Jahre. Im neuen Jahrtausend reicht es allerdings offenbar nicht mehr, dass frau dem sexuellen Peiniger einfach das Bett unterm Hintern anzündet wie einst Farrah Fawcett (1984 in dem Kult-B-Movie des Genres "Das brennende Bett"): Der moderne Racheengel reist bis auf die Cayman Islands und trägt dabei schon mal gerne Irokese, Lederklamotten, zu viel schwarzen Kajal um die Augen, eine verkniffene Miene zum Fürchten und jede Menge Metall im Gesicht. Das wirkt ein bisschen too much over the top, weniger wäre hier sicher mehr gewesen. Insgesamt ist die weibliche Hauptfigur, an deren Gesicht die Kamera nahezu süchtig zu kleben scheint, extrem überzeichnet und in den Vordergrund gerückt. Fallen Schminke und Maske weg und muss sich Noomi Rapace auf ihre schauspielerischen Fähigkeiten verlassen, bleibt sie seltsam blass. Ihr männlicher Partner, Michael Nyqvist als Reporter Michael Blomqvist, wird zum gefügigen Wasserträger degradiert und reizt zum Lachen durch eindimensionale feministische Sprüche aus Männermund: "Lisbeth verachtet Männer, die Frauen missachten". Der Schauspieler mit dem dauerbetroffenen Dackelblick schafft es nicht ansatzweise, seine Rolle des politisch korrekten Langweilers mit Zwischentönen auszustatten.

Filmästhetisch ist der Streifen Konfektionsware und mit seinen dialoglastigen Passagen und uninspirierten Close-ups trotz aller Action überdeutlich für die anschließende Fernsehverwertung konzipiert. Regisseur Daniel Alfredson ist ein Routinier und arbeitet in Schweden viel fürs TV. Das wäre nicht weiter schlimm und kann, wenn das Drehbuch stimmt und die Schauspieler hochkarätig sind, durchaus für Sternstunden im Puschenkino sorgen: Die ebenfalls vom ZDF koproduzierten schwedischen Kultreihen um den Mankell-Kommissar Kurt Wallander und die "Kommissar Beck"-Filme beweisen das. Die Qualität dieser Larsson-Verfilmung ist davon um Lichtjahre entfernt.


Filmkritik von mkrispien

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Verdammnis

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Steckbrief
Regie
Daniel Alfredson

Darsteller
Annika Hallin, Georgi Staykov, Lena Endre, Michael Nyqvist, Micke Spreitz, Noomi Rapace, Per Oscarsson, Peter Andersson, Sofia Ledarp, Tanja Lorentzon

Genre
Mystery, Thriller

Tags
Buchverfilmung
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Deutschland, Dänemark, Schweden

Alternativ- bzw. Originaltitel
Flickan som lekte med elden


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