Up in the Air - Filmkritik | kulthit.de 
Die Filmkritik Community!

Suche
Start » Filmarchiv » Filmkritik

Up in the Air| Kritik 9/10

Kinostart
04.02.2010



Handlung

Über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos für Ryan Bingham (George Clooney). 322 Tage im Jahr ist der passionierte Vielflieger in der Luft oder in Airport-Hotels, ununterbrochen unterwegs zu Firmen irgendwo in den USA. Dort übernimmt er die unliebsame Aufgabe, Mitarbeiter möglichst schmerzfrei über ihre Entlassung zu informieren. Ryan selbst hat nur ein Ziel: Er will der siebte Mensch werden, der als Frequent Flyer die sagenumwobene 10.000.000-Meilen-Schallmauer durchbricht. Doch dann lernt er auf einer seiner Reisen am Flughafen eine verwandte Seele kennen, die Geschäftsfrau Alex (Vera Farmiga), die eine menschliche Seite in ihm weckt, die er längst vergessen glaubte. Gleichzeitig droht sein Berufsleben aus den perfekt organisierten Bahnen zu geraten, als die ehrgeizige junge Harvard Absolventin Natalie (Anna Kendrick) seinen Chef Craig (Jason Bateman) davon überzeugen kann, in der Firma Modernisierungen durchzusetzen, die Ryan künftig an den Schreibtisch fesseln würden. Sein erfülltes Nomadenleben, in dem Statussymbole den Platz traditioneller Werte eingenommen haben, scheint komplett außer Kontrolle zu geraten: Wo soll ein Mann hin, der kein Zuhause hat?


Filmkritik | Up in the Air

In Zeiten der Wirtschaftskrise boomt das Geschäft des Outplacements, in dem Firmen Hochkonjunktur haben, die für andere Firmen die Leute entlassen. So wundert es nicht, das in dieser Zeit der Berater Ryan Bingham von einem Auftrag zum Nächsten reisen muss und beinahe mehr Zeit im Flieger zu verbringen scheint als auf der Erde. Bingham reist durch Amerika und die Kamera übernimmt vielfach seine Position ein und lässt den Zuschauer live erleben, wie er den Menschen kündigt und wie deren emotionalen Reaktionen darauf sind. Dadurch wirken diese Momente im Film genauso beklemmend wie authentisch und zwischenzeitlich erlangt man den Eindruck, das Werk könnte zu einem Drama werden. Doch die Thematik der Entlassungen und der Krise sind nur ein Motiv des Filmes und als Gegengewicht zu dem Glamour der Businesswelt eines Vielfliegers zu sehen. Während sich ein normaler Mensch in Warteschlangen auf Flughäfen und in der Sicherheitskontrolle lieber woanders hin wünscht, fühlt sich Bingham gerade hier erst richtig zu Hause und weiß seine Zeit dahingehend zu nutzen mit anderen Vielfliegern über Vor- und Nachteile von Mietwagenfirmen, Problemen beim Umsteigen und über Loyality-Programme zu diskutieren, während er der Auffassung ist, dass er nur unterwegs daheim ist. Auch hält er nicht viel von Bindungen und findet so in Alex eine Seelenverwandte, die wie er lieber zwischen zwei Flügen schlichten Sex sucht als eine feste Partnerschaft einzugehen.

Clooney weiß den charmanten, wenn auch oftmals zynischen Vielflieger wunderbar zu spielen und es gelingt ihm hervorragend die Gradwanderung des professionellen, eher kaltherzigen Massenentlassers mit sympathischen und warmen Zügen zu verknüpfen. Als sein Ziel die zehn Millionen Meilengrenze zu erreichen in Gefahr gerät, weil seine Firma zukünftig die Outplacement-Gespräche nicht mehr vor Ort, sondern per Videokonferenz durchführen will, bekommt man sogar beinahe Mitleid mit dem Charmeur. Auch seine Flirts mit Alex werden von Clooney und Farminga angenehm und harmonisch herüber gebracht ohne dabei in Kitsch abzudriften – und wenn es doch einmal ins Kitschige abschweift, wird dies sofort als eben solches von diesen enttarnt.

Der Film weist erstaunlich wenige Schwächen auf. Dazu zählen muss man sicherlich die schwache Rolle der Natalie, die als junge und unerfahrene Kollegin von Bingham zu naiv herüber kommt. Dies liegt wohl vor Allem am Drehbuch und es wäre sicher nicht schlecht gewesen, wenn hier Clooney eine souveränere Filmpartnerin zugeschrieben bekommen hätte. Allerdings weiß der Film diese Schwäche weitestgehend mit der starken Alex auszugleichen, deren Charakter ohne Frage hervorragend mit dem von Bingham zu harmonieren weiß. Auch neigt der Film ab der Mitte in vorhersehbare Szenen abzudriften, die mit einem zu großen Hauch an Kitsch und Klischee behaftet sind, wenn Clooney im Zusammenhang mit der Hochzeit seiner Schwester sein eigenes Leben zu hinterfragen beginnt. Doch zur allgemeinen und äußerst positiven Überraschung gelingt es dem Regisseur Jason Reitman ein sehr intelligentes Ende – ohne die Vorhersehbarkeit zu inszenieren, dass die vorherigen Schwächen wieder größtenteils aufzuheben weiß.

Alles in Allem ist "Up in the air" eine intelligente Komödie, die neben dem Glamour der Business-Welt auch das schwere Thema der Massenentlassungen in einer schweren Zeit mit unterzubringen weiß, ohne das die Dramatik damit übertrieben würde oder einen zu starken Einfluss auf die eigentliche Intention des Filmes hätte. Sicher keine anspruchsvolle Literaturverfilmung aber gut gemachte Unterhaltung.


Filmkritik von Gastautor

Sag es weiter



Bilder / Fotos

Up in the Air

© Paramount Pictures Germany GmbH

Kommentare

Derzeit sind keine Kommentare vorhanden!

Einen Kommentar schreiben

Bitte beim Kommentieren auf Rechtschreibung und Grammatik achten!

Name
eMail (wird nicht veröffentlicht)
What is 64 - 38 =  
Bitte Sicherheitscode in das rechte Feld eintippen.



Trailer abspielen
Trailer zu Up in the Air abspielen

Steckbrief
Gastkritiken
Anzeige

Filmfacts
Herstellungsland
USA




Benutzername

Passwort

Anzeige