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Troubled Water| Kritik 5/10

Kinostart
18.03.2010



Handlung

Vor acht Jahren soll er als Halbwüchsiger den Tod eines Kindes verschuldet haben. Jetzt spielt Thomas (Pål Sverre Valheim Hagen) unter neuem Namen aufwühlend Orgel in einer Kirche und verliebt sich in die Pastorin Anna (Ellen Dorrit Petersen). Ein Leben nach dem Gefängnis bahnt sich an - da entdeckt ihn durch Zufall Agnes (Trine Dyrholm), die Mutter des Kindes...


Filmkritik | Troubled Water

Filme aus Norwegen haben den Ruf, gerne etwas schräg und depressiv, aber auch mit einer gehörigen Portion Selbstironie über den vergrübelten Nationalcharakter daher zu kommen. Die auch bei uns überaus erfolgreichen "Elling"-Filme und der jüngst gezeigte Film "Nord" sind Beispiele dafür. Erlösung für den schwer geprüften Helden gibt es am Ende meist, wenn auch eine schwer erarbeitete. So ist es auch mit der Hauptfigur des Jan Thomas (arg exaltiert: Pal Sverre Valheim Hagen) in Erik Poppes Streifen "Troubled Water": Der Held ist schräg und depressiv und wird nach schwerer Prüfungsfahrt erlöst. Nur die Selbstironie, die fehlt hier völlig. Dem Regisseur ist es todernst. Kein Scherz, nirgends. Und über allem wabert bedrohlich die Kirchenorgel. Irgendwie ist das alles einen Hauch zu viel. Eher Hollywood als Norwegen.

Man traut sich ja gar nicht, über diesen Film irgendetwas Negatives zu schreiben, so überschwenglich sind auf beiden Seiten des Ozeans die Komplimente: In Norwegen gab´s mit dem Amanda Award den einheimischen Oscar, in Amerika lobte Michael Moore den Filme als "einen der besten, den er seit langem gesehen habe", Alec Baldwin meldete sich ebenfalls lobend zu Wort und Hollywood soll für eine US-Version angeklopft haben. Große Bühne für einen Regisseur ("Hawaii, Oslo"), der zwar an Preise gewohnt ist, ansonsten aber international nur auf Filmfestivals für Furore sorgte. Das wird sich jetzt ändern.

Der Film ist extrem künstlich. Der Plot ist derart konstruiert und an den Haaren herbeigezogen, dass sich keine Empathie mit den Figuren einstellen will, noch nicht einmal mit der Mutter des getöteten Jungen, eindringlich, aber mimisch ein bisschen zu sehr überziehend gegeben von Trine Dyrholm ("In deinen Händen", "Little Soldier"). Jede Geste bedeutungsschwer, jeder Blick einer in Abgründe und jeder Satz - wenn überhaupt einer fällt - wie aus Stein gemeißelt. Die Bibel und ihre Symbolik wird dabei unablässig bemüht, angefangen von den Namen der drei Hauptfiguren Thomas (der Ungläubige), Agnes (das Opferlamm) und Anna, die Mütterliche (angenehm zurückhaltend: Ellen Dorrit Petersen). Die Psychotherapie im Stil einer "Fragen Sie Frau Irene"-Kolumne muss ebenso herhalten wie das Wasser als Element der Erneuerung, der Taufe und der Geburt sowie der tausendfach bemühte Topos von der Frau als Erlöserin des Mannes. Merke: Ein Swimmingpool ist nie nur ein Swimmingpool und das Leben ist (k)ein langer ruhiger Fluss. Der einzig Normale in diesem zeitweise an einen Boris Karloff-Film erinnernden Horrorstreifen, der sich als Seeldendrama gibt und am Ende als billige Psycho-Klamotte entpuppt: Agnes´ gut vererdeter Ehemann Jon (erleichternd locker: Trond Espen Seim).

Ähnlich wie das sehr engagiert beginnende und am Ende Geschichte und Figuren sträflich aus dem Ruder laufen lassende Drehbuch, erlaubt sich auch der Regisseur gemeinsam mit seinen Spießgesellen hinter der Kamera und im Schneideraum derart viele Mätzchen, dass  er den Film damit tot schlägt. Das Übermaß der Rückblenden ermüdet ebenso wie der überstrapazierte Einsatz der Farbe Blau und der Wassersymbolik. Die Fugentechnik, mit der Teil 1 (Jan Thomas) und Teil 2 (Anna) miteinander verknüpft werden, ist zwar stilistisch durchaus interessant, wird aber leider an den banalen Schluss verschenkt. Der Film verpufft am Ende. Der vom Regisseur so sehr bemühte Johann Sebastian Bach ("O Haupt voll Blut und Wunden") hätte als Meister der Fuge sicher nicht sein OK gegeben. Aber zum nahenden Karfreitag und zum Osterfest ist dieser Film für Freunde christlicher Erlösungsmythologie sicher genau das Richtige.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Troubled Water

© Kool Filmdistribution

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Steckbrief
Regie
Erik Poppe

Darsteller
Angelou Garcia, Ellen Dorrit Petersen, Fredrik Grøndahl, Henriette Garcia, Pål Sverre Valheim Hagen, Stig Henrik Hoff, Trine Dyrholm, Trond Espen Seim

Genre
Drama
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Deutschland, Norwegen, Schweden

Alternativ- bzw. Originaltitel
DeUsynlige




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