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The Rainbowmaker| Kritik 6/10

Kinostart
25.02.2010



Handlung

Großvater Giorgi erzählt seinen beiden Enkelkindern unermüdlich fabelhafte Geschichten über ihren Heldenvater, einem riesengroßen Mann, der einen wichtigen Auftrag als Geheimagent erfüllen muss. Die Wahrheit ist aber leider äußerst entmutigend: Ihr Vater – Dato – ist in Wirklichkeit nur ein einfacher Meteorologe, der die letzten Jahre unschuldig im Gefängnis verbracht hat. Als Dato freigelassen wird, kehrt er in sein Dorf zurück. Dort angekommen muss er feststellen, dass seine Frau einem Muskelmann aus dem Zirkus verfallen ist, und seine Kinder, die ihn seit über sechs Jahren nicht mehr gesehen haben, einfach nicht glauben wollen, dass er ihr Vater ist. Dato ist am Boden zerstört und er zweifelt daran, ob er jemals wieder glücklich werden kann. Aber plötzlich landet Lia, eine lebensfrohe, junge Pilotin, in seinem Leben, wie ein zu Hilfe kommender Engel. Obwohl sie auch nichts dagegen hätte Datos neue Frau zu werden, hilft sie ihm trotzdem dabei herauszufinden, was ihm wirklich wichtig ist: Seine Frau und Kinder. Dann, eines Tages, nach der Begegnung mit einem mysteriösen Kugelblitz, entdeckt der sorgenvolle Meteorologe, dass er mehr kann, als nur die Natur zu beobachten: Er kann den Sommer in den Winter verwandeln und wunderschöne Regenbogen erschaffen! Er hat die Gabe, die Kräfte der Natur zu beeinflussen - allerdings ziemlich unkontrolliert. Und vielleicht kann er diese Gabe auch dazu benutzen, seine Familie zurückzugewinnen?


Filmkritik | The Rainbowmaker

Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass in jüngster Zeit englische Originaltitel vermehrt nicht schief eingedeutscht, sondern in der Originalsprache stehen gelassen werden - "Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen" und "An Education" sind aktuelle Beispiele dafür. Umso befremdlicher, dass man nun bei einer europäischen Co-Produktion mit einer georgischen Regisseurin einen englischen Titel gewählt hat. Englisch oder amerikanisch ist an "The Rainbowmaker" nun so gar nichts. Ein georgischer Film ist es allerdings auch nicht, auch wenn Regisseurin Nana Djordjaze und Drehbuchautor  Irakli Kvirikadze, ein Ehepaar, aus der ehemaligen Sowjetrepublik am Schwarzen Meer stammen und dort auch ihr Handwerk gelernt haben. Die meisten der Schauspieler sind ebenfalls Georgier, produziert wurde der Film allerdings von Deutschen, Russen, Belgiern und Finnen sowie Spaniern mit Fördergeldern aus den entsprechenden Ländern. Im bitterarmen Georgien, das derzeit mühsam eine eigenständige Filmwirtschaft aufzubauen versucht, fand er keinen Verleih.

Irgendwie ist der durchaus nett anzuschauende und gelegentlich amüsante Film nicht Fisch und nicht Fleisch. Zu viele Köche aus aller Herren Länder haben hier den Brei verdorben und es vor allem am Würzen mangeln lassen. Dramaturgisch hakt die Story an allen Ecken und Kanten, ständig stehen sich Regie und Drehbuch irgendwie im Weg. Deutlich merkt man "The Rainbowmaker" das streckenweise angestrengte Bemühen an, modern zu sein und nur keine georgische Folklore abzuliefern. Dennoch tappt der Film immer wieder in die Klischeefalle: herbschön die Landschaft, urwüchsig und trinkfest die Menschen, kunstvoll die Teppiche, süß die Melonen und blumig die Erzählungen des Großvaters in Folklore-Tracht, eine Figur wie aus einem Reiseführer durch Georgien. Da nimmt im Kinosessel rasch die Langeweile Platz und verhindert ein Sichfallenlassen und Abheben, auch wenn das Fliegen in all seinen Varianten zum zentralen Thema wird und von der Kamera eifrig betrieben wird.

Ungut auch, dass die tragischkomische Hauptfigur, der magische Wetterfrosch wider Willen und Don Quichotte der Liebe, Dato, von Merab Ninize derart schlafmützig und uninspiriert interpretiert wird, dass sich keine Empathie mit dieser Figur einstellen will. Der Schauspieler ist übrigens in deutschen Fernsehserien und im internationalen Film gut beschäftigt und spielte schon neben Meryl Streep in "Jenseits von Afrika". Ähnliches gilt für die meisten der georgischen Darsteller aus dem Cast, allesamt fleißige Legionäre der weltweiten Filmindustrie. Vielleicht spielen sie deshalb in der Mehrheit so glatt und routiniert, aber ohne Charisma. Eine glatte Fehlbesetzung ist das rotgelockte Gift Anja Antonowicz in der Rolle von Datos kapriziöser Ehefrau Elene: Die polnische Schauspielerin, Fans der Soap "Lindenstraße" bekannt als Ukrainerin Nastya, ist zum einen viel zu jung für die Rolle, zum anderen viel zu schick und glamourös als Gattin eines biederen Meteorologen am Ende der georgischen Welt.

Die wenigen gelungenen Einfälle des Films, u.a. ein überaus köstlicher Tod in Gestalt einer sehr weltlich wirkenden Sensenfrau, gehen vermutlich auf das Konto der schwedischen Co-Autorin und Regisseurin Maria von Heland, die viel in Deutschland arbeitet ("Hilde", "Große Mädchen weinen nicht"). Vielleicht wäre es an der Zeit, dass die durchaus fantasiebegabte Nana Djordjaze einmal den Mut hätte, einen Film ohne das Skript ihres Ehemannes und früheren Filmprofessors zu drehen. Genügend Talent hätte sie.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

The Rainbowmaker

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Steckbrief
Regie
Nana Dzhordzhadze

Darsteller
Anja Antonowicz, Chulpan Khamatova, Helen Nelson, Iva Gogitidze, Merab Ninidze, Nino Kirtadze, Thomas Urb

Genre
Romantik
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Deutschland, Finnland, Italien, Niederlande, Russia




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