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Pippa Lee| Kritik 3/10

Kinostart
01.07.2010



Handlung

Oberflächlich betrachtet führt Pippa Lee (Robin Wright Penn) das perfekte Leben. Als leuchtendes Beispiel weiblicher Gleichmut steht sie ihrem 30 Jahre älteren Ehemann, dem erfolgreichen Verleger Herb Lee (Alan Arkin), zur Seite, ist stolze Mutter zweier Kinder und ihren Wegbegleitern eine treue Freundin und Vertraute. Doch als sie mit Herb in ein schickes Rentnerresort in Connecticut umzieht, entwickelt Pippa eine kuriose Schlafstörung – und die idyllische Fassade, die sie im Laufe ihrer Ehe für sich und ihr Leben aufgebaut hat, wird auf eine harte Probe gestellt. Tatsächlich nämlich kann die ebenso elegante wie beherrschte Familienmutter auf eine mehr als bewegte Vergangenheit zurückblicken, zu der Eskapaden der erotischen Art (Julianne Moore in einem Kurzauftritt als Domina) genauso gehören wie eine unkonventionelle Mutter (Maria Bello), die ihr Hausfrauendasein mit Pillen verschönt, und der theatralisch inszenierte Selbstmord einer exzentrischen Rivalin (Monica Bellucci). Unterstützt von Chris (Keanu Reeves), einem neuen attraktiven Bekannten aus der Nachbarschaft, muss sie sich diesen turbulenten Erinnerungen ebenso stellen wie den lange unterdrückten Bedürfnissen ihres heutigen Alltags – für Pippa eine bittersüße Suche nach ihrem wahren Selbst.


Filmkritik | Pippa Lee

Die Regisseurin Rebecca Miller ist in Deutschland eine nahezu Unbekannte. In den USA konnte die Tochter von Dramatiker Arthur Miller und Ehefrau von Oscar-Preisträger Daniel Day-Lewis mit eigenwilligen Familien- und Frauenporträts vor allem auf Independent-Filmfestivals einige Erfolge verbuchen. Immer nach eigenen Drehbüchern. Diesmal hat der Hollywood-Freundeskreis kräftig mitgeholfen, Brad Pitt wirkte als Produzent und die Besetzungsliste von „Pippa Lee“ (vollständiger Titel: „The Private Lives of Pippa Lee“) liest sich wie ein Who´s Who der Traumstadt-Elite. In den USA war der Film bei Kritik und Publikum kein Erfolg; auf der Berlinale lief der Streifen außer Konkurrenz, die Reaktionen waren verhalten. Jetzt kommt „Pippa Lee“ in die deutschen Kinos.

Vorweg: Dies ist kein Film für Männer, er ist ein klassisches, tränenreiches und von hysterischen Dialogen getragenes Chick-Flick, ein „Mädchenfilm“, diesmal für die reifere Jugend. Die Dame mit dem nervigen Namen, ihr doppelt verkorkstes Leben und Leiden stehen im Mittelpunkt dieser im gehobenen Mittelschicht-Milieu spielenden Geschichte, abgemischt mit einem sehr gelackt und amerikanisch herüber kommenden Schuss Pseudo-Bohemie. Die beiden Männer in diesem femininen Kosmos, der nur auf den ersten Blick dominierende Ehemann (respektabel: Alan Arkin, „Marley & Ich“, „Get Smart“) und ein irgendwie in den dünnen Plot hinein gezwungener Seelentröster – einen „Lover“ möchte man ihn nicht direkt nennen – (ausdruckslos wie immer und mit Jesus-Tattoo: Matrix-Star Keanu Reeves, „Street Kings“, „Der Tag an dem die Erde stillstand“), sind nichts weiter als Folien dieser  todlangweiligen Klimakteriums-Biografie. Wer hier massiv auftrumpft, das sind die Frauen, die allesamt eine gewaltige Macke haben.

Die Hollywood-Actricen, die diese Frauen verkörpern,  geben in ihren Auftritten kleine Kostproben ihres Könnens, präsentieren wortreich ihre darstellerischen Schokoladenseiten, und das sehr überzogen und rolleneitel. Winona Ryder („The Last Word“, „Star Trek“) als hysterische Poetin mit zuviel Kajal um die Augen wirkt irgendwie fertig und widerlegt den Satz „Wiedersehen macht Freude“; Julianne Moore  („A Single Man“, „Chloe“), in Hollywood mittlerweile fest einsortiert in die Schublade „Die Perverse“, darf die Lesben-Sado-Maso-Peitsche schwingen; Monica Bellucci („Brothers Grimm“, „Shoot ’Em Up“), wie immer ganz Rasseweib, legt einen der abgedrehtesten Film-Suizide der jüngsten Zeit hin; und die sonst immer so blass und unauffällig agierende Maria Bello („Das Gelbe Segel“; „Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers“) will als pillenschluckendes Mutter-Monster endlich einmal zeigen, welch schauspielerisches Potential in ihr schlummert. Das ging gründlich schief:  Die in Rückblenden abgewickelten Szenen mit ihr und dem von soviel geballter Furienenergie völlig eingeschüchterten Gossip Girl Blake Lively („Eine für 4 – Unterwegs in Sachen Liebe“, New York, I love you“) als junge Pippa sind neben den Peitschen-Peinlichkeiten mit Moore das Verlogenste und Missratenste, was der Film zu bieten hat.

Gefilmt ist das alles gar nicht mal so schlecht, und Rebecca Miller, die auch für die Romanvorlage und das daraus entwickelte Drehbuch verantwortlich zeichnet, zeigt durchaus Gespür für die fimische Umsetzung der Seelenzustände von Pippa Lee - vor allem am Anfang und am Schluss, wenn sie nur Bilder zeigt und die Akteure nicht sabbeln lässt. Vielleicht kommt ihr da ihr Kunststudium zugute. Dialoge hingegen liegen ihr so gar nicht. Unterm Strich ist der Streifen allzu selbstverliebt, eitel und von sich überzeugt. Nur die fabelhafte Robin Wright-Penn („Inside Hollywood“, „State of Play - Stand der Dinge“) als Pippa Lee, die - man spürt es in jeder ihrer zurück genommenen Gesten - um die banale Lächerlichkeit , die der Filmfigur innewohnt, zu wissen scheint, sorgt mit ihrem intelligenten, nie überziehenden Spiel dafür, den Film und seine Titelfigur doch ein bisschen zu mögen. Und wir ahnen, warum diese respektable Schauspielerin ohne Allüren in Hollywood nie zum Mega-Star werden konnte.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Pippa Lee

© Senator Film Verleih

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