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The Kids Are All Right| Kritik 4/10

Kinostart
18.11.2010



Handlung

Nic und Jules (Annette Bening und Julianne Moore) leben den sonnigen Traum des klassischen Familienglücks im Süden Kaliforniens - zwei Kinder, ein hübsches Haus und höchstens ein paar völlig normale Beziehungsproblemchen. Als ihr 15-jähriger Sohn Laser (Josh Hutcherson) und seine 18-jährige Schwester Joni (Mia Wasikowska) allerdings den Kontakt zu ihrem biologischen Vater suchen, gerät das traute Heim ins Wanken. Der frühere Samenspender Paul (Mark Ruffalo) ist ein überaus charmanter und cooler Junggeselle und wird nicht nur eine Bereicherung für seine Kinder, sondern löst dazu in der Beziehung der beiden Moms einen Erdrutsch aus, als er eine Affäre mit Jules beginnt.


Filmkritik | The Kids Are All Right

Politisch korrekte linksliberale Amerikaner, wahlweise in New York oder Kalifornien lebend; immer schwer beschäftigt in interessanten Berufen; gerne umweltbewusst, gerne sozial engagiert, aber nur ein bisschen; immer mit halbwüchsigen Kids, die nerven, aber nur ein bisschen; im Zentrum des Geschehens ein tolerantes, gebildetes Paar, das sich tragikomisch an seinen Grenzen abarbeitet, aber nur ein bisschen. Von allem haben derlei Zeitgeist-Filme, wie sie amerikanischer nicht sein könnten, nur ein bisschen: ein bisschen Spaß, ein bisschen Trouble, ein bisschen Political Correctness, ein bisschen Hü, ein bisschen Hott. Das Beste an derlei Filmkomödien sind meist die spitzfindigen Dialoge. Mit der Obamisierung Amerikas wurden solche Filme auch in unsere Festivalsäle und Kinos gespült – und floppten hierzulande. "Please Give" etwa ist so ein Film. Wird es "The Kids Are Allright" ähnlich ergehen? Zu befürchten ist es.

Von der Machart her unterscheidet sich "The Kids Are All Right" in nichts von dem oben genannten Streifen, außer dass die Dramaturgier hier vielleicht noch ein wenig plumper ist und nur haarscharf am albernen Klamauk mit Pseudo-Tiefgang vorbei schrammt. Der Film ist bieder, stilistisch von der Stange und vorhersehbar inszeniert. Neu ist, dass diesmal nicht Mom und Dad in klassischer Familienkonstellation im Fokus der Filmhandlung stehen, sondern ein lesbisches Elternpaar. Aber das ist eigentlich absolute Nebensache. Wären die beiden hetero, machte es kaum einen Unterschied. Lesbische Lebenspartnerinnen, die zwei Kinder von Samenspendern austragen, sind, so die Botschaft, das Alltäglichste von der Welt. Das ist zum einen, zumal im prüden Amerika, das sensationell Neue, zum anderen das bemerkenswert Verlogene an diesem zuckersüßen Film: Mit Sicherheit ist selbst im gebietsweise toleranten Kalifornien Leben und Lieben eines lesbischen Paares mit zwei Kindern längst nicht so stressfrei und gesellschaftlich toleriert wie hier suggeriert.

All das interessiert Regisseurin Lisa Cholodenko ("Laurel Canyon"), hierzulande eine nahezu Unbekannte, nicht im geringsten. Ihre Botschaft: Auch lesbische Familien sind so banal normal wie andere auch. Punkt. Und leider auch so selbstbezogen, ließe sich hinzu fügen. Über den eigenen Komposthaufen schauen diese nur scheinbar gesellschaftlich bewegten Zeitgeistler mit der etwas anderen Familienstruktur ebensowenig hinaus wie ihre heterosexuellen Zeitgenossen mit Glucken-Syndrom. Die heilige Familie als Keimzelle der ur-amerikanischen Häuslichkeit wird hier zwar etwas unheiliger, aber nicht weniger spießig und langweilig präsentiert. Lisa Cholodenko konnte beim Drehbuchschreiben übrigens aus eigenen Erfahrungen schöpfen: Sie lebt ebenfalls in einer gleichgeschlechtlichen Beziehungen und hat mit ihrer Partnerin einen gemeinsamen Sohn.

Bei der Schauspielerführung hat die Regisseurin leider sträflich ihre Führungsrolle am Set vernachlässigt. Annette Bening ("American Beauty", "Mars Attacks!") und Julianne Moore ("Chloe", "Pippa Lee"), zwei gestandene Gestalterinnen starker Frauenrollen, geben ihrem Affen über Gebühr Zucker und machen eigentlich, was sie wollen. Der Rest des Casts wird zu Stichwortgebern degradiert. Das machen die beiden natürlich hervorragend wie gewohnt, spielen sich gekonnt die Bälle zu und wissen in den intimsten Momenten zu berühren und zu überzeugen. Da stimmte die Chemie beim Dreh, das kommt zum Pubikum rüber. Die Kollegen so alt aussehen zu lassen, ist jedoch kein feiner Zug von den beiden Prachtweibern. Mark Ruffalo ("Shutter Island") als biologischer Vater ist in seiner Rolle vollkommen überfordert, gockelt albern herum und grinst dümmlich; die in jeder Beziehung blasse Australierin Mia Wasikowska beweist nach ihrem misslungenen Auftritt in "Alice im Wunderland" wieder einmal mehr, dass sie als Schauspielerin überschätzt wird; und Josh Hutcherson ("Die Reise zum Mittelpunkt der Erde") als Sohn stolpert irgendwie desorientiert durch die Kulissen und ist eigentlich nur Staffage. Ein derart krasses Missverhältnis von Hauptdarstellern zum Rest des Casts, was die schauspielerische Leistung betrifft, war in jüngerer Zeit auf der Leinwand nicht mehr zu sehen. Eine gute Filmkomödie lebt jedoch vom geschmeidigen Ensemblespiel und Kabinettstückchen gerade in kleinen, aber feinen Nebenrollen. All das fehlt hier komplett. Ein gut gemeinter, aber letztendlich vergeigter Film.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

The Kids Are All Right

© Universal Pictures International Germany GmbH

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Steckbrief
Regie
Lisa Cholodenko

Darsteller
Annette Bening, Eddie Hassell, Joaquín Garrido, Josh Hutcherson, Julianne Moore, Kunal Sharma, Mark Ruffalo, Mia Wasikowska, Rebecca Lawrence, Sasha Spielberg, Yaya DaCosta, Zosia Mamet

Genre
Drama, Komödie
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Herstellungsland
USA




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