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The Fighter| Kritik 9/10

Kinostart
07.04.2011



Handlung

Micky Ward (Mark Wahlberg) scheint nicht gerade auf der Überholspur des Lebens zu sein: Er lebt in dem wenig glamourösen Städtchen Lowell als Sohn einer großen Arbeiterfamilie, die Beziehung zur Mutter seiner Tochter ist nicht die beste und seiner neuen Freundin Charlene (Amy Adams) wird von den sieben Schwestern ein eher herber Empfang im Schoße der Großfamilie bereitet. Selbst im Boxring, dem noch wahrscheinlichsten Ort, an dem Micky auf den ganz großen Erfolg hoffen kann, läuft es trotz harter Arbeit und vollem Körpereinsatz nicht rund. Sein Trainer, Halbbruder Dicky (Christian Bale), muss aufgrund seiner Drogensucht ins Kittchen und auch seine Mutter Alice (Melissa Leo), die sich derweil als Managerin versucht, ist weniger erfolgreich. Freundin Charlene sieht in seiner Familie nicht den Garant für Mickys Aufstieg und kann ihn überzeugen, von Grund auf neu anzufangen. Schon bald feiert Micky erste Erfolge. Doch dann wird sein Bruder entlassen und will ihn trainieren, ihn gemeinsam und in bester Familientradition mit Mutter Alice zum Weltmeister machen: Micky gerät in eine wahre Zwickmühle. Er muss sein Leben endlich selbst in die Hand nehmen und schon bald einsehen, dass man im Leben nur gemeinsam unschlagbar ist.


Filmkritik | The Fighter

Mit „The Fighter“ kommt nach „The King's Speech“ und „Winter's Bone“ der letzte, der im Februar hoch gerühmten Oscarfilme zu uns ins Kino, womit sich auch die letzten beiden Oscarpreisträger dem Urteil des deutschen Publikums stellen müssen. Christian Bale und Melissa Leo wurden jeweils als beste Nebendarsteller mit der goldenen Trophäe gekürt. Auch wenn beide Schauspieler jeweils eine beeindruckende Performance ablieferten, gebührt der eigentliche Applaus einer wesentlich unspektakuläreren Zunft der Filmbranche.

The Fighter“ ist kein klassisches Sportlerdrama. Anders als Rocky Balboa oder  Randy „The Ram“ Robinson - Sylvester Stallone und Mickey Rourke repräsentierten vielschichtige Charaktere, folgten aber einem verhältnismäßig geradlinigen und psychologisch simplen Aufbau - ist Mark Wahlberg als Micky Ward nicht der alleinige Mittelpunkt des Films, sondern gewinnt erst durch sein Umfeld an Profil. Wahlberg mimt den klassischen Underdog souverän, auch wenn er im Grunde nur sein unbedarftes „Boogie Nights“ Gesicht wieder aufsetzte und erneut jemand darstellte, der mit seinem schlichten Gemüt selbst Rocky in den Schatten stellen könnte. Es ist diese Umkehrung der Verhältnisse, die „The Fighter“ auszeichnet. Es ist nicht bloß ein Sportler oder eine Sportdisziplin, die hier im Mittelpunkt stehen, sondern das Umfeld: Das Mädchen von der Bar, in das sich Micky verliebt und die ihm neuen Lebensmut verleiht, seine zerrüttete Großfamilie, die vor lauter Nächstenliebe den eigenen Egoismus nicht erkennt und insbesondere Christian Bale als Bruder Dicky, ein abgehalfterter Ex-Boxer, der seinen wenigen glanzvollen Sportlerzeiten nachtrauert und sein Frust im Crackrauch erstickt. Dickys Schicksal überschattet alles andere und droht seine ganze Umwelt bis hin zu Mickys wackligen Sportlerkarriere mit in den Abgrund zu reissen. Diese Nebenhandlung, die sich als der rote Faden durch den emotional anspruchsvollen Film zieht, ähnelt sehr der Struktur von Darren AronofskysThe Wrestler“. Doch die Autoren verstanden es, diese komplexe Leidensgeschichte eines abgehalfterten, drogensüchtigen Mannes als eine von vielen anderen Nebenhandlungen einzuflechten, ohne dass sie sich gegenseitig erdrücken. Dieses Kunststück, alle Nebenhandlungen fließend ineinander greifen zu lassen, so dass daraus ein funktionierender, einfühlsamer Film werden kann, ist der eigentliche preisträchtige Aspekt des Films. Er schafft aus verschiedensten Subgenres des Sportlerfilms eine neue Mischform, die überzeugt.

Die finale Einblendung der echten Brüder, die mit Bale und Wahlberg nicht nur optisch, sondern auch charakterlich sehr gut getroffen wurden, stellt der emotional und formal krönende Abschluss einer beeindruckenden Familienodyssee dar. Christan Bale beeindruckt damit, dem gezeichneten und stets übermütigen Dicky so nahe gekommen zu sein, wie es sich ein Regisseur nur erhoffen kann. Der Schauspieler hungerte sich wieder zu Höchstleistungen, als ob sein schauspielerische Leistung nur von seinem Gewicht abhinge. Die diesjährige Oscarverleihung war wie üblich von einigen streitbaren Entscheidungen geprägt. Doch die Krönung von Christian Bale in der silbernen Schauspieldisziplin gehörte definitiv nicht dazu. Lediglich, dass „The King's Speech“ dem Kämpfer den Oscar für das beste originale Drehbuch streitig machte, gilt es zu bedauern. Doch wenn wir eines von „The Fighter“ lernen können, dann dass wir nicht in der Vergangenheit leben und verpassten Chancen nachtrauern sollen.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

The Fighter

© Senator Film Verleih

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Steckbrief
Regie
David O. Russell

Darsteller
Amy Adams, Bianca Hunter, Christian Bale, Dendrie Taylor, Jack Mcgee, Mark Wahlberg, Melissa Leo, Melissa McMeekin, Mickey O'Keefe

Genre
Biografie, Drama

Tags
Boxen, Sport
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Herstellungsland
USA




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