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Tandoori Love| Kritik 4/10

Kinostart
27.05.2010



Handlung

In einem Dorf im Berner Oberland gerät alles durcheinander, als sich der Koch eines indischen Filmteams in die Kellnerin des Gasthofs "Hirschen" verliebt. In Bollywood-Manier fällt Rajah vor Sonja auf die Knie – und beginnt zu singen. Die Lage spitzt sich zu, als Sonjas Verlobter Markus – Besitzer des «Hirschen» – Rajah als Chefkoch einstellt. Von den Gefühlen des Inders, der Sonjas Herz mit seiner Kochkunst zu gewinnen hofft, ahnt Markus nichts. Sonja weiß bald nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Und im Dorf ist auch nichts mehr wie es war: Tintenfische wiegen sich im Takte von Musik, die Stammgäste genießen anstelle der gewohnten Hausmannskost Tandoori Chicken, Bauern tanzen den Kuhreigen. Auf dem Filmset, wo Rajah kochen sollte, ist inzwischen die Hölle los. Denn der Bollywood- Diva wird Rösti statt scharfes Curry serviert. Sonja aber muss sich entscheiden – zwischen Sicherheit im Chalet oder Leidenschaft, Abenteuer und Exotik in Indien.


Filmkritik | Tandoori Love

Wer indische Küche liebt, kennt die himmlischen Freuden, die ein mit Tandoori gewürztes Kaschmir-Huhn bereiten kann. Das indische Nationalgewürz (Stichwort: Ingwer, Safran, Koriander) steht für die kulinarischen Verführungskünste des Subkontinents schlechthin. Rösti hingegen stehen für Schweizer Bodenständig- und Geradlinigkeit und sind auch nicht zu verachten. Alles hat seine Zeit, heißt es nicht nur in der Bibel. Doch der Schweizer Regisseur Oliver Paulus ("Wir werden uns Wiederseh´n") wollte beides zur selben Zeit und brachte Bollywood ins Berner Oberland. Heraus gekommen ist dabei ein rechter Schmarrn, der allenfalls ein Bäuerchen verursacht.

An den Schauspielern liegt es nicht, dass diese kleine Komödie derart aus den Fugen gerät und der Multi-Kulti-Eintopf partout nicht munden will. Sie spielen allesamt gut gelaunt und mit viel Spaß an der Sache. Allen voran der indische Schauspieler Vijay Raaz als verliebter Filmset-Koch Rajah, in seiner Heimat einer der gefragtesten Darsteller und auch in Deutschland gelegentlich in typischen "Inder-Rollen" fürs Fernsehen gecastet. Gerade aus dem Umstand, dass er kein indischer Adonis ist wie etwa der schöne Shah Rukh Khan ("Mein Name ist Khan") und er seine Liebste mit Kochkunst und Charakter statt mit Charme erorbern muss, bezieht der Schauspieler seine darstellerische Finesse. Das weist ihn als wirklichen Könner nicht nur in Bollywood aus. Und das versöhnt dann doch etwas mit dem arg konstruierten, streckenweise hirnrissigen Plot. Partnerin Lavinia Wilson als Berner Gastwirtin auf exotisch-erotischen Abwegen überzeugt ebenfalls und strapaziert nicht das Klischee vom Schweizer Bauerntrampel. Ganz fein und mit intelligenten Zwischennuancen legt sie ihre Rolle an und vermeidet falsche Töne. Kaum zu glauben, dass die aparte Münchnerin mit dem amerikanischen Papa bislang in Deutschland nur in deutschen Tatorten und ähnlichen Produktionen zu sehen war. Können und Charisma reichten für weitaus mehr.

An Kamerafrau Daniela Knapp ("Die fetten Jahre sind vorbei") liegt es ebenfalls nicht: Die in Berlin lebende Österreicherin gibt ihr bestes und weiß vor allem das Kulinarische in jeglicher Form mit Biss und Sinn für ironische Winke mit dem Kamera-Zaunpfahl prall und lustvoll einzufangen. Schön gelungen sind auch die lustigen indischen Tänze in bunten Gewändern vor postkartenartiger Alpen-Kulisse, die an Bollywood erinnern sollen. Dazu wird auch manchmal gesungen. Alles schön schräg und durchaus witzig. Der Schwarze Peter für das letztendliche Scheitern des Films gebührt dem hanebüchenen, verquasten Drehbuch, für das Regisseur Oliver Paulus vorrangig verantwortlich zeichnet. Vor allem, wenn der Schweizer das Schweizerische hervor kehrt  und er die kernigen Oberberner Stammtischler und nicht nur ku(h)linarisch unterbelichteten und von Vorurteilen beseelten Bergler wie im depperten Bauerntheater aufspielen lässt, wird´s peinlich. Zusammen kriegt der Filmemacher die beiden Hälften Bern und Bollywood nicht, und was charmant, wenn auch sehr konstruiert, begann, endet in zerfahrenem Klamauk. Für den Streifen, der schon 2008 in die Schweizer Filmtheater kam, gab es dennoch reichlich Filmfestival-Preise, in Locarno und anderswo. In die deutschen Kinos kommt "Tandoori Love" mit Verspätung in hochdeutsch synchronisierter Fassung.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Tandoori Love

© Arsenal Filmverleih

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Steckbrief
Regie
Oliver Paulus

Darsteller
Lavinia Wilson, Martin Schick, Max Rüdlinger, Peter Glauser, Rene Blum, Shweta Agarwal, Tamal Raichowdhury, Verena Zimmermann, Vijay Raaz

Genre
Komödie, Romantik
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Herstellungsland
Schweiz




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