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Super 8| Kritik 8/10

Kinostart
04.08.2011



Handlung

Als sechs Teenager 1979 zu einer Super 8-Kamera greifen, um einen Film zu drehen, ahnen sie nicht, wie gruselig die Bilder sein werden, die die Kamera einfängt. Mitten in der Nacht an einer abgelegenen Zugstrecke wollen die Freunde gerade ein paar Szenen drehen, als sie Zeuge eines grausamen Vorfalls werden: Ein Pickup rast auf den Gleisen direkt auf einen entgegenkommenden Zug zu und prallt frontal mit ihm zusammen. Fassungslos starren die Teenager auf die rauchenden Trümmer, als ein unheilvolles, mächtiges Pochen in einem der Waggons ihnen Angstschauer über den Rücken jagt. Was auch immer sich dort den Weg nach draußen bahnen will, hat mit menschlicher Kraft nichts zu tun. Panik bricht aus, und die Super 8-Kamera wird Zeuge eines Vorfalls, den es später so nie gegeben haben wird...


Filmkritik | Super 8

Regisseur J. J. Abrams und sein Team sind Meister im viralen Geheimniskrämen. Ähnlich wie bei „Cloverfield“ vor drei Jahren, machten sie aus „Super 8“ einen wahren Mythos. Es hieß, es solle sich um eine persönliche Spielberg-Hommage handeln, die besonders den beiden Sci-Fi-Klassiker „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und „E.T. - Der Außerirdische“ ihren Respekt zolle. Im ersten Teaser Trailer ging es jedoch weit weniger friedlich zu Gange und insgeheim tuschelten die Fans, dass womöglich ein inoffizielles Prequel zu „Cloverfield“ in den Startlöchern stünde. Erst der richtige Trailer offenbarte die tatsächliche Natur des Films, dessen Ton und visuelle Sprache zweifelsfrei in Richtung romantisches Sci-Fi-Märchen tendierte.

Seiner Faszination, die Abrams gegenüber der alten 80er-Jahre Sci-Fi-Filme wie „E.T.“ oder „Explorers - Ein phantastisches Abenteuer“ hegte, wollte er auf seine Weise Ausdruck verleihen. Er startete den Versuch, ein eigenes Sternenmärchen mit dem Abenteuergeist der Goonies und dem Anspruch einer reifen Coming-of-Age-Geschichte, wie sie „Stand by me“ prägte, zu bündeln - ohne dabei jedoch zu vergessen, den modernen Sehgewohnheiten Rechnung zu tragen. Abrams versteht sich darauf, auch sein jüngeres Publikum ernst zu nehmen und es nicht mit Samthandschuhen anzufassen, darum geizt „Super 8“ nicht mit Blut und Schockeffekten, zumindest in Relation seiner FSK12-Alterseinstufung.

Trotz der Monsterthematik, ist „Super 8“ in erster Linie ein Werk über Jugendliche, die sich selbst finden müssen. Ihre Freundschaft, familiären Zwiste, ihre ersten zaghaften Liebeleien und ihren Vorstoß in die Pubertät sind die eigentlichen Konfliktherde. Die Konfrontation mit dem Außerirdischen wirkt dagegen wie schmückendes Beiwerk. Sie ist das auslösende Moment, die die Kinder zu Entscheidungen drängt, anhand derer sie mehr über sich selbst lernen. Dem Außerirdischen wird innerhalb von „Super 8“ weit weniger Aufmerksamkeit gezollt als beispielsweise in Spielbergs „E.T.“. Seine Flucht und der anschließende Kleinstadtterror ist ein reines Mittel zum Zweck und ließe sich ohne weiteres durch andere Konflikte wie eine Naturkatastrophe oder selbst Killertomaten ersetzen, ohne dass sich der Kern des Film wesentlich verändern würde. Der junge Hauptdarsteller Joel Courtney erinnert mit seiner Zerbrechlichkeit und romantischen Sensibilität an eine Mischung aus den Protagonisten aus „Stand by me“ und „Explorers“. Seine Entourage aus filmbegeisterten Träumern ist vermutlich die stärkste Hommage des ganzen Films an solche Jugendfilmklassiker, die ganze Generationen prägten. Elle Fanning beweist nach „Somewhere“ erneut, dass sie kurz davor steht, aus dem Schatten ihrer großen Schwester herauszutreten.

Trotz aller Dementi von Seiten der Filmemacher, bleiben die Parallelen zwischen „Cloverfield“ und seinem kleinen Cousin „Super 8“ offensichtlich. Auch wenn die Kerne beider Filme unterschiedlicher Natur sind, ähneln sie sich in Aufbau und Struktur frappierend. Die moderne Camcorder-Ästhetik wich einer 80er-Jahre Nostalgie und der Super-8-Kamera. Doch der Trick mit dem „Film im Film“ blieb bestehen, auf der einen Seite dokumentar, auf der anderen narrativ. Aus Twentysomethings wurden Teenager, aus einem randalierenden Riesenmonster ein randalierendes Alien - mit etwas Fantasie lässt sich selbst eine gewisse Ähnlichkeit der beiden Gattungen erkennen. Eine Frau wird in beiden Filmen zum Dreh- und Angelpunkt, die erst die Konfrontation zwischen Mensch und Kreatur ermöglicht und nicht zuletzt die ambivalente Darstellung des Militärs. Ob es sich um das ein und dasselbe Filmuniversum handelt, ist zweifelhaft - doch bleibt ihre Verwandtschaft unbestreitbar.

Mit „Super 8“ gelang J.J. Abrams ein herausragendes, zutiefst rührendes und nostalgisches Werk, das einem in die eigenen Kindheit zurück versetzt. „Super 8“ ist kein „Cloverfield“ - auch wenn die Parallelen nicht von der Hand zu weisen sind - viel mehr eine Symbiose aus cineastischer Coming-of-Age-Geschichte und einem modernen, unzimperlichen Sci-Fi-Märchen, das zum Träumen einlädt und ein Loblied auf Freundschaft, Toleranz und Vergebung anstimmt.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

Super 8

© Paramount Pictures Germany GmbH

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Steckbrief
Regie
J. J. Abrams

Darsteller
Amanda Michalka, Elle Fanning, Gabriel Basso, Joel Courtney, Joel McKinnon Miller, Kyle Chandler, Riley Griffiths, Ron Eldard, Ryan Lee, Zach Mills

Genre
Mystery, Sci-Fi, Thriller
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Herstellungsland
USA




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