Handlung
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sind männlich. Sie sind 18 Jahre alt. Sie haben sich Ihre Jungfräulichkeit gegen Ihren Willen bewahrt. Und als wäre das alles nicht schlimm genug, ist Ihre beste Freundin die perfekte Projektion all Ihrer feuchten Träume. Sie ahnen es schon: Diese hat natürlich wenig Verständnis für jegliche Begierde Ihrerseits, die über eine normale Freundschaft hinaus gehen könnte.
Damit sind Sie angekommen in der beschränkten Welt von Ian Lafferty (Josh Zuckerman), den Sie nun über 100 Minuten lang auf seiner Jagd nach seinem Internet-Babe namens „Ms. Tasty“ (Katrina Bowden) begleiten dürfen, die im 500 Meilen entfernten Knoxville offenbar nur darauf wartet, dem liebestollen Teenager zu Diensten zu sein.
Filmkritik | Spritztour
Das kommt Ihnen alles irgendwie bekannt vor? Sie vermuten bereits, dass sich die Sache völlig anders entwickeln wird, als geplant und dass aus der geplanten, schnellen „Spritztour“ eine verwickelte und verwirrende Odyssee durch den Mittleren Westen der USA wird? Dann haben Sie vermutlich schon reichlich Filme dieses Strickmusters gesehen und können sich die krude Mischung aus „American Pie“ und Pseudo-Roadmovie ohne große Bedenken sparen. Denn: Was in der Zusammenfassung schon schlimm klingen mag, wird auf der Leinwand geradezu grausam.
Man muss nun Jungfilmer und Drehbuchautor Sean Anders nicht zum Vorwurf machen, dass er sich ausgerechnet an der Genre-Bibel „American Pie“ fleißig bedient, denn schließlich sind ja alle Geschichten irgendwann schon einmal erzählt worden, aber die Art und Weise in der er dies tut, gibt den Begriffen „zotig“ und „schlüpfrig“ eine ganz neue Dimension. Eigentlich alles, was uns auf dieser wahrlich ungeilen und unappetitlichen „Spritztour“ begegnet, ist Klischee, wirkt konstruiert und wurde nur deshalb in den Plot eingefügt, um als spaßiger Effekt her zuhalten. Blödeleien, Absurditäten, Anzüglichkeiten und Niveaulosigkeiten geben sich im Sekundentakt die Klinke in die Hand. Personen tauchen auf, tun Dinge, die meist mit diversen Körperausscheidungen zu tun haben oder müssen platte, doppeldeutige Sätze vortragen, die den Schmuddelcharakter von „Spritztour“ stets aufrecht erhalten, um dann wieder im Nichts zu verschwinden.
„Spritztour“ scheitert primär gewiss nicht an den zwar gesichtslosen, aber zumindest bemühten Nachwuchsmimen, die sich durch die beschämend flache Handlung kalauern. Das Problem des Films liegt eher in seiner widerlich reaktionären Machart begründet. Natürlich wird am Ende alles gut - so wie wir es bereits am Anfang vermuten durften - und manch vermeintlicher Jungchauvi und Teeny-Sexprotz erweist sich zum Schluss als netter, erzkonservativer Vorzeige-Amerikaner. In der Zwischenzeit jedoch entfaltet „Spritztour“ seine bedenkliche Doppelmoral und prangert fast schamlos alles Andersartige an – egal, ob sich um Homosexuelle oder religiöse Minderheiten handelt. Wer darüber lachen mag, hat den Film wahrscheinlich sogar verdient.
Filmkritik von Gastautor