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Splice| Kritik 2/10

Kinostart
03.06.2010



Handlung

Den beiden genialen Chemikern Clive (Adrien Brody) und Elsa (Sarah Polley) gelingt im Zuge ihrer Genforschungen das Undenkbare: Die Erschaffung eines geklonten, menschen-ähnlichen Hybrid-Wesens. Eigentlich ein guter Grund zum Feiern, doch Gefahr droht, nicht nur von legaler Seite. Ihr geheimer Schützling entwickelt sich schneller und ganz anders als erwartet, so dass die beiden Wissenschaftler irgendwann nur noch um ihr Leben kämpfen können.


Filmkritik | Splice

Endlich wissen wir, wie das Böse in die Welt kommt: vor allem mit weiblicher DNA. Wenn Frauen beruflichen Ehrgeiz entwickeln statt Haus und Herd zu hüten, den Ehemann in unweiblichem Forscherdrang auch noch übertrumpfen wollen, keine Kinder gebären, sondern im Labor herum fuhrwerken und zu allem Überfluss auch noch gleichgeschlechtliche Neigungen entwickeln – ja, dann ist der Unmoral in der Welt Tür und Tor geöffnet und Eva entfesselt den selbst verschuldeten Armaggedon. So lautet die unverblümte Botschaft des Sci-Fi-Horror-Streifens "Splice", der in das anstehende Sommerloch im Kino einfällt wie ein saurer Regen. Wenn der Film nicht so offen, nahezu dreist misogyn wäre, könnte man sogar über ihn lachen: so kindisch nehmen sich die ehelichen Scharmützel zwischen Petrischale und Ehebett aus, so albern hüpft das "Monster" als schick designte Mischung aus Supermodel, Schwein und Känguruh durch die Kulissen und seinen "Adoptiveltern" gelegentlich an die Wäsche. Dass das im Verlauf der Filmhandlung immer weiblicher und gleichzeitig blutrünstiger werdende Wesen DREN (Nerd umgedreht) genannt wird, ist da nur noch eine wohl lustig gemeinte Dreingabe. All das nervt und entlarvt den kanadischen Regisseur Vincenzo Natali ("Cube", "Paris, je t’aime"), der auch das Drehbuch im wesentlichen verantwortet, als erzkonservativen, wissenschafts- und frauenfeindlichen Reaktionär.

Dass der Film optisch dabei durchaus originell, handwerklich perfekt gefilmt und vom Design her bei allem Grauen äußerst geschmackvoll daher kommt, ist weniger ein Verdienst des Regisseurs, sondern von Kamera, Requisite und jenen Spezialisten, die aus der Französin Delphine Chanéac, diversen Prothesen, viel Schminke und dem Computer ein bizarr die Sinne verwirrendes Edel-Monster geschaffen haben. In der Fachsprache des Filmemachens heißt das "Creature Design". Einschlägige Genre-Vorbilder aus früheren Zeiten wie etwa Boris Karloff in den "Frankenstein"-Filmen oder Jeff Goldblum in "Die Fliege" sehen dagegen ganz schön alt aus. Bei der optischen Ausgestaltung von "Splice" ist eindeutig die Handschrift des mexikanischen Mit-Produzenten und Regisseurs Guillermo del Toro ("Hellboy", "Hellboy 2 - Die goldene Armee") und dessen Spaß an abgefahrenen Freak-Figuren erkennbar. Auch die monochrome Farbgestaltung, ein Markenzeichen von del Toro, greift "Splice" auf, was dem Film optisch insgesamt gut bekommt, die zweifelhafte Botschaft allerdings künstlerisch hübscht und geschickt übertüncht.

Regisseur Vincenzo Natali, der seit seinem Riesenerfolg mit "Cube" nahezu in der filmischen Versenkung verschwunden war, hatte die Drehbuchidee zu "Splice" (auf Deutsch soviel wie  Zusammenfügen oder –kleben, nicht nur in der Genetik) nach eigenem Bekunden über zehn Jahr in seiner Schublade schmoren lassen. Und genauso verstaubt wirkt sie auch, die Botschaft wie ein verfilmtes Pamphlet des Vatikans aus den 1980er Jahren. Die Kritik an maßlosem Forscherdrang und an der Geldgier der Pharmakonzerne, die aktuell ist und über die sich durchaus kritisch debattieren ließe, auch im Kino, kommt allzu naiv und mit dem Holzhammer verabreicht daher. Die angedeuteten Parallelen zur Euthanasie-Politik der Nazis (Stichwort: Vergasen von "unwertem Leben") sollen wohl satirisch gemeint sein, wirken allerdings peinlich und plump. Und dass zwei Forscher derart einsam, ganz ohne Team, ihrem frevelhaften Handwerk nachgehen können, das hat dann doch mehr mit Frankenstein zu tun als mit moderner Wissenschaft unserer Tage. Die Figuren des Clive Nicoli (sichtlich unterfordert und um Ironisierung der Rolle bemüht: Adrien Brody, "Der Pianist", "Darjeeling Limited", "Predators") und seiner Gefährtin mit dem sicher nicht zufällig sehr deutschen Namen Elsa Kast (übermotiviert-verkrampft und eine Art Sigourney Weaver für Arme: die unbekannte Kanadierin Sarah Polley) belauert der Regisseur, wie schon die Charaktere in "Cube", wie zwei Laborratten in einer Versuchsanordnung. Das Ende versinkt in einer Gewaltorgie – mit einem dämlichen Wink mit dem Zaunpfahl zu einem möglichen Teil 2.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Splice

© Senator Entertainment AG

Kommentare


susu
12.03.2012, 03:14:32
Hart ausgedrückt, aber im grunde wahr.
Dem kann es wohl kein Film recht machen^^
naja, mir hat er gefallen, war positiv überrascht, hatte eigendlich mit einem alien-veschnitt gerechnet, aber hatte doch eine handlung und sehr gute effekte.
manches mag wohl plump in gesicht geklatscht worden sein, aber man kann ja nicht alles haben^^
im großen und ganzen geb ich dem film eine 6 von 10 ^^

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Steckbrief
Regie
Vincenzo Natali

Darsteller
Abigail Chu, Adrien Brody, Amanda Brugel, Brandon McGibbon, David Hewlett, Delphine Chanéac, Sarah Polley, Stephanie Baird

Genre
Horror, Sci-Fi, Thriller

Tags
Genetik
Gastkritiken
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Herstellungsland
Frankreich, Kanada, USA




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