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Speed 2: Cruise Control| Kritik

Kinostart
1997



Das diesjährige Sommerloch, das mit "Con Air" begann, hat uns in dieser Woche "Speed 2: Cruise Control" beschert. Dieser Film, der allein schon durch seinen Titel an Jan de Bonts Regiedebüt und Überraschungserfolg Speed  von 1994 anknüpfen will, hat mit diesem jedoch nur noch die Hauptdarstellerin Sandra Bullock gemein.

Annie Porter (Sandra Bullock) ist wieder einmal zur falschen Zeit am falschen Ort. Mit ihrem neuen Freund Alex (Jason Patric) macht sie eine Kreuzfahrt auf einem Luxusliner, und ausgerechnet dieser wird von John Geiger (Willem Dafoe) gekapert. Geiger hat eine offene Rechnung mit der Schiffahrtsgesellschaft, die ihn entlassen hat, nachdem er krank wurde. Nun will er die Diamanten, die im Schiffstresor lagern, als kleine Entschädigung an sich bringen.

Das ist eigentlich schon alles, was es über die ziemlich dünne Handlung zu sagen gibt. "Speed 2" würde im Grunde ohne Dialoge auskommen, der Film lebt im wesentlichen von Bildern und der zugegebenermaßen beeindruckenden Soundkulisse. Ich kann auch nicht so recht nachvollziehen, warum er als Actionfilm gehandelt wird, denn abgesehen von ein paar wenigen Szenen, die im Tempo entfernt an de Bonts Regiedebüt Speed erinnern, folgt er eher dem typischen Muster der Katastrophenfilme der 70er Jahre. Im ersten Teil bekommt man eine Reihe Personen näher vorgestellt, die später im Film eine größere Rolle spielen werden. Danach nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Sandra Bullock war angeblich glücklich, daß sie diesmal richtig aktiv werden konnte, denn in Speed hatte sie bekanntlich die ganze Zeit hinter dem Steuer des Busses verbracht. Ich habe diese Aktivitäten jedoch vergeblich gesucht. Die meiste Zeit dient sie vor allem als dekoratives Beiwerk. Ihre einzigen wirklich aktiven Beiträge zum Geschehen bestehen darin, daß sie versuchen darf, eine Bombe zu entschärfen und ein paar Passagiere zu befreien, die hinter einer verschlossenen Brandschutztür gefangen sind. Nun wissen wir, daß sie mit einer Motorsäge umgehen kann. Beunruhigend ist, daß die Brandschutztüren auf einem Kreuzfahrtschiff aus Preßspan zu bestehen scheinen - Annie zersägt sie jedenfalls in Sekundenschnelle. Die Sache mit der Bombe geht natürlich schief, freundlicherweise zerlegt sie aber lediglich die Einrichtung, unsere Helden bleiben unverletzt, die werden schließlich noch gebraucht.

Jason Patric verbringt die meiste Zeit als Alex entweder damit, mit Annie zu flirten, anderen Passagieren zu helfen, oder er tummelt sich im und unter Wasser. Seine anfängliche Seekrankheit ist plötzlich wie weggeblasen, denn er muß nun ein ganzes Schiff samt Besatzung und Passagiere retten und vor den Machenschaften des bösen Geiger bewahren. Er zieht sich ganz gut aus der Affäre, aber man kann es Keanu Reeves nicht verdenken, daß er diese Rolle nicht spielen wollte.

Bliebe noch Willem Dafoe, der den Bösewicht spielt und die ganze Zeit krampfhaft versucht, so furchterregend auszusehen wie Frankensteins Monster. Es bleibt jedoch beim Versuch, ein ungepflegtes Äußeres ist eben nicht genug, um den Zuschauer von seinem psychopathischen Potential zu überzeugen. Bevor er wieder einmal versucht, uns weiszumachen, er sei gemeingefährlich, sollte er erst noch ein bißchen vor dem Spiegel üben.

Guten Gewissens empfehlen kann man "Speed 2" also eigentlich nicht. Wer jedoch Sinn für (meist unfreiwillige) Komik hat, der kann durchaus auf seine Kosten kommen. Vor allem der Showdown, in dem das Kreuzfahrtschiff zuerst einen Öltanker rammt und dann ein ganzes Dorf zerlegt, bietet in dieser Hinsicht ungeahnte Möglichkeiten. In diesem Zusammenhang bekommt man auch die wohl unnötigste Szene des ganzen Films zu sehen, die eigentlich hätte herausgeschnitten gehört. Wie in allen Katastrophenfilmen im letzten Jahr entgeht auch hier ein Hund auf wundersame Weise dem sicheren Tod. Da fragt man sich ernsthaft, was das soll. Wirklich komisch ist indessen ein Blick auf den Öltanker kurz vor der Kollision, wo sich ein paar Mannschaftsmitglieder gerade einen alten Film ansehen, in dem zwei Schiffe zusammenstoßen. Hätten sie aus dem Fenster gesehen, so wäre ihnen mit Sicherheit das riesige Schiff nicht entgangen, das mit über 16 Knoten die Stunde direkt auf sie zukommt.

Wer nun immer noch nicht genügend abgeschreckt ist und sich den Film dennoch ansehen will, der sollte sich auf jeden Fall ein Kino mit Großleinwand und einem guten Soundsystem aussuchen, um wenigstens die visuellen Effekte und den phantastischen Surroundton genießen zu können. In einem entsprechend ausgestatteten Saal hat man das Gefühl, alles würde um einen herum passieren, an lauten Stellen wie bei den Explosionen übertragen sich die Vibrationen zum Teil sogar auf die Sitzreihen. Trotz der beeindruckenden Special Effects von ILM ist "Speed 2" jedoch höchstens durchschnittlich und rechtfertigt kaum die hohen Produktionskosten. Für soviel Geld hätte man einen besseren, aufregenderen Film drehen können.


Filmkritik von Monika Hübner

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Steckbrief
Regie
Jan de Bont

Darsteller
Brian McCardie, Christine Firkins, Colleen Camp, Francis Guinan, Jan de Bont, Jason Patric, Mike Hagerty, Sandra Bullock, Temuera Morrison, Willem Dafoe

Genre
Action

Tags
Speed
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Herstellungsland
USA

Budget
160 Mio. US-Dollar

Einspielergebnis
164 Mio. US-Dollar (weltweit)

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