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Source Code| Kritik 7/10

Kinostart
02.06.2011



Handlung

Eine Eilmeldung im Fernsehen: Kurz vor Chicago explodierte ein Personenzug – es gab keine Überlebenden. Wenig später erwacht Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) in genau diesem Zug – im Körper eines anderen Mannes und an der Seite der jungen Christina (Michelle Monaghan). Nach und nach begreift der Kampfpilot: Er ist im „Source Code“. Dank dieser Technologie kann Stevens den Körper eines anderen Menschen übernehmen – für acht Minuten vor dessen Tod. Sein Auftrag: Finde die Bombe und schalte den Bombenleger aus. Wieder und wieder durchlebt Stevens die Katastrophe und setzt das Puzzle mit Christinas Hilfe zusammen. Die Zeit drängt, denn ein weiterer, viel größerer Anschlag droht.


Filmkritik | Source Code

Es erstaunt, dass „Source Code“ in allen Längen und Breitengraden mit Jubel und Begeisterung aufgenommen wird, denn die Voraussetzungen richteten sich eigentlich gegen den Film. Schließlich ist er das Zweitlingswerk von Regietalent Duncan Jones, der früher dem Hauptberuf als „Sohn von David Bowie“ nachging, sich seit seinem beeindruckenden Filmdebüt „Moon“ jedoch endgültig von der väterlichen Brust lösen konnte. Mit einer solchen Erwartungshaltung tut sich ein Nachfolgeprojekt natürlich weitaus schwerer als ein unvorbelastetes Debüt. Jones blieb mit „Source Code“ seinem Lieblingsgenre treu und versuchte diesmal dem Subgenre des Zeitreisefilms mit einer Hitchcock-artigen Herangehensweise neue Seiten abzuringen. Kein leichtes Unterfangen, da es ein oft und ausgiebig beackertes Feld darstellt: „12 Monkeys“, „Die Zeitmaschine“, „Und täglich grüßt das Murmeltier“, „Zurück in die Zukunft“, „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“, „Terminator“, „Dr. Who“, „Zurück in die Vergangenheit“, alles exzellente Filme, die ihren Beitrag leisteten.

Was Duncan Jones mit „Source Code“ gelang, ist auf den ersten Blick mit „Moon“ vergleichbar. Dieser verband die nachdenklichen Gesellschaftskritiken eines Philip K. Dicks mit den kalten, klaustrophobischen Bildern eines Stanley Kubricks. Die Isolation und Hilflosigkeit, denen die Hauptfigur ausgesetzt ist, wird von Beginn an auch für den Zuschauer spürbar. Einen ähnlichen Weg beschritt der Filmemacher mit seinem Zeitreisethriller, der sich der klassischen Ausgangslage des wiederkehrenden Erlebnisses, einem nicht enden wollenden Teufelskreislauf bedient und mit den Grundzügen eines typischen Alfred Hitchcock Thrillers und seiner altbewährten Suspense-Regel von der tickenden Bombe unter dem Familientisch verbindet. Beides gipfelt in der Verzweiflung und den anarchistischen Impulsen des Protagonisten und in der alten Grundsatzfrage, ob der Zweck die Mittel heiligt. Die allgegenwärtige, tickende Zeitbombe und ihre unmittelbare Destruktivität hält die Spannungskurve auf einem Spitzenniveau. Auch die subtil eingeflochtene Liebesgeschichte zwischen der wie immer betörenden Michelle Monaghan und Jake Gyllenhaal trägt ihren Teil dazu bei. Das Drücken des emotionalen Resetbutton der Beiden verleiht der rastlosen Hatz Glaubwürdigkeit und zumindest eine innere Ruhe. Vergleiche zu Audrey Niffeneggers komplexen und wahrlich zeitlosen Liebesepos „Die Frau des Zeitreisenden“ drängen sich auf, aber kratzen bestenfalls an dessen Oberfläche.

Der Makel von „Source Code“ liegt in seiner völligen Linearität. Die Komplexität und auftretenden Zeitparadoxa, die man von Zeitreisegeschichten eigentlich erwarten würde, fehlt hier völlig. Seine Einfachheit verstärkt zwar die Spannungskurve und intensiviert die eigentliche Handlung, aber im letzten Drittel klafft dadurch auch ein Loch das Duncan Jones nicht mehr zu füllen vermochte. Die Nebenhandlung um die Herkunft und das Schicksal des leibhaftigen Colter Stevens ist zwar gekonnt eingefügt, aber täuscht nicht darüber hinweg, dass man als Zuschauer dem Film ständig um Nasenlänge voraus ist und von der Schlichtheit seiner letztendlichen Auflösung Ernüchterung erfährt. Vielleicht erkannte der Regisseur dieses Defizit und beendet darum seinen Film mit den beiden Liebenden im Kamerafokus und der Frage, nach der subjektiven Wahrnehmung von Raum, Zeit, Leben und Tod, die dem destruktiven, adrenalinhaltigen Thriller am Ende eine romantische, lebensbejahende Ironie verleiht. Ein nicht unbedingt harmonischer Abschluss, aber  zumindest ein wirkungsvoller Kontrast zum restlichen Film, der trotz aller Hoffnung Tod und Anarchie predigt.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

Source Code

© Kinowelt Filmverleih

Kommentare


19.11.2011, 18:46:24
Sehr cooler Film. Das Ende hat mich überhaupt nicht gestört. Klar, es war absehbar aber nichts desto trotz war der Film durchgehend spannend - Unterhaltung mit einer originellen Idee. Was will ich mehr. Und alles wurde an vielleicht 5 Sets gedreht. Genial. Ich glaube von Duncan Jones können wir noch einiges erwarten. Christopher Nolan ist ja noch auf ewig mit irgendwelchen schnöden Comicverfilmungen beschäftigt.
Christian Mazilu
13.10.2011, 21:50:35
Sehe ich genauso, jedoch ist das Ende sehr enttäuschend...Ist wieder alles gute heile Welt machen und es gibt ein Leben nach dem ausschalten des Stroms...ist völliger Blödsinn. Besser wäre gewesen, den Protagonisten sterben zu lassen mit dem Wissen, das ihn sein Vater liebt und das er sein Vaterland gerettet hat...für die wahre Liebe ist es eh zu spät, zumal er diese Frau auch wenn er 20 mal zurückgeschickt wurde gerade einmal 2 h kannte, wovon vielleicht 20 Min effektiv war...dünne Story von mir gibts ne glatte 4!
André Wagner
22.06.2011, 16:23:34
Schöne Rezension, nur eine Sache: das es in dem Film keine Zeitreiseparadoxa gibt, liegt daran, dass es in diesem Film keine Zeitreisen gibt. Es sind alternative Realitäten (die auch jedes mal ein wenig anders sind... unabhängig von den Handlungen der Hauptfigur und bei der zweiten Reise bemerkt er und kommentiert es auch, dass etwas anders ist), die der Vergangenheit stark ähneln.

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Steckbrief
Regie
Duncan Jones

Darsteller
Brent Skagford, Cas Anvar, Craig Thomas, Gordon Masten, Jake Gyllenhaal, Jeffrey Wright, Michael Arden, Michelle Monaghan, Russell Peters, Vera Farmiga

Genre
Mystery, Sci-Fi, Thriller
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Herstellungsland
Kanada, Frankreich, USA




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