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Soul Kitchen| Kritik 9/10

Kinostart
25.12.2009



Handlung

Es gibt Supermarkt-Pizza, Fischfrikadellen mit Kartoffelsalat, Hacksteak-Hawaii und überbackene Nudeln. Das "Soul Kitchen" in Hamburg-Wilhelmsburg glänzt nicht eben durch Feinschmeckerkost. Den Stammgästen aus dem Vorort aber schmeckt, was der Deutschgrieche Zinos (Adam Bousdoukos) durch die Friteuse jagt. Und außerdem läuft gute Musik in der alten Industriehalle, die sich Zinos mit dem alten Bootsbauer Sokrates (Demir Gökgöl) teilt: Soul, Funk und Rembetiko.

Zinos hat mit seinem Lokal alle Hände voll zu tun – zur Abschiedsfeier seiner Freundin Nadine (Pheline Roggan) kommt er viel zu spät. Nadine, eine kühle Schönheit aus gutem Hause, geht als "Zeit"- Korrespondentin nach Shanghai und feiert mit ihrer Familie in einem Edelrestaurant an der Elbe. Dort wird Zinos Zeuge, wie der Restaurantbesitzer (Peter Lohmeyer) seinen exzentrischen Koch Shayn (Birol Ünel) hinauswirft, weil der sich weigert, eine warme Gazpacho zuzubereiten.
"Es wird verkauft, was nicht verkauft werden kann: Liebe, Sex, die Seele!" schimpft Shayn zum Abschied – Zinos ist beeindruckt. Als er sich bei dem Versuch, alleine die Spülmaschine zu wuchten, den Rücken verrenkt, engagiert er Shayn als Koch. Doch damit handelt er sich ein Problem ein. Denn der neue Küchenchef kocht zwar fantastisch, vergrault aber die Stammgäste, die das alte Junk Food wiederhaben wollen. Jetzt lungert nur noch Zinos' Bruder Illias (Moritz Bleibtreu), der Freigang aus dem Knast hat, mit seinen beiden Halbwelt- Kumpeln (Cem Akin, Marc Hosemann) im "Soul Kitchen" herum.


Filmkritik | Soul Kitchen

Überraschung des Jahres: Fatih Akin meldet sich nach dem überspannten und langweiligen Kinokassen-Flop "Auf der anderen Seite" (2007) und ein paar nicht weiter erwähnenswerten Ausflügen als Schauspieler und Drehbuchator mit "Soul Kitchen" zurück an die vorderste Front deutscher Regisseure. Die Komödie um eine imaginäre Kneipe in einem Hamburger Arbeiter-Viertel und die multikulturellen Leiden und Freuden eines Grüppchens skuriller Typen von Griechen, Türken und Deutschen ist rundum gelungen und macht einfach Spaß. Der deutsch-türkische Regisseur aus Hamburg beweist, auch Humor made in Germany muss nicht zwangsläufig plump und sexistisch sein, darf aber gerne saukomisch, sexy und mit einem Schuss Akin-typischer Traurigkeit daher kommen. Nicht umsonst gab´s dafür in Venedig den Spezialpreis der Jury.

Vorweg: Natürlich ist Fatih Akin ein Märchenerzähler. Selbst der verkrachteste Student käme im Traum nicht auf die Idee, ausgerechnet im herunter gekommenen Hamburger Loser-Stadtteil Wilhelmsburg eine Soul-Kneipe aufzumachen, eine wie ein Model aussehende Auslandskorrespondentin namens Nadine ist ebenso wenig realistisch wie die Vorstellung, dass diese ehrgeizige Elfe einen mittellosen Chaoten wie Kneipenwirt Zino (leider etwas blass: Adam Bousdoukos) zum Gefährten hat. Und selbst der abgefahrenste Koch (in Höchstform: Birol Ünel) würde wohl nie Hamburgs Schickimickis nach Wilhelmsburg locken und das "Soul Kitchen", unterstützt von einer Kellner-Boyband, zu einem Szene-Restaurant hochkochen. Das macht aber alles gar nichts, tut dem Film sogar gut und verleiht ihm Charme. Dass Fatih Akin mit 1 zu 1-Abbildungen von Realität im Kino noch nie was am Hut hatte, ist hinlänglich bekannt. Das hat er schon 2004 mit seinem surrealistischen Drama "Gegen die Wand" bewiesen, das von Vielen als realistische Schilderung türkischer Migrantenschicksale fehlinterpretiert wurde, auch der im Ruhrgebiet spielende Film "Solino" um eine italienische Einwandererfamilie war kein Lehrstück in Realismus, sondern wie alle Filme des Hamburgers eine Parabel über das Leben.

Akin selber nennt "Soul Kitchen" einen Heimatfilm. Und das ist er im besten Sinne: nicht heimattümelnd, auch nicht volkstümlich, sondern sehr emotional und persönlich, stellenweise sentimental. Heimat ist da, wo das Herz schlägt und wo die Musik spielt, und nicht zwangsläufig in dem Land, aus dem Vater oder Mutter herstammen. Für die Menschen in dem Film und für Regisseur und Drehbuchautor Fatih Akin ist Heimat vor allem Hamburg, Jazz, Soul und Rock´n´ Roll. Der Hauptdarsteller spielt sich beinahe selber: einen in Hamburg aufgewachsenen Griechen mit norddeutschem Akzent. Adam Bousdoukos hat mit Akin gemeinsam das Drehbuch geschrieben, insgesamt überzeugt er mit dieser Leistung mehr als als Schauspieler. Eindeutige Stars des vom Briten Andrew Bird flott geschnittenen Films sind die Akin-Spezis Bürol Unel und Moritz Bleibtreu, die hier alle Register ihres komödiantischen Könnens ziehen. Traurig: Moritz´ Mutter Monica Bleibtreu ("Vier Minuten") hat hier als Nadines Oma einen allerletzten Leinwand-Auftritt vor ihrem Krebstod.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Soul Kitchen

© Pandora Film Verleih

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Steckbrief
Regie
Fatih Akin

Darsteller
Adam Bousdoukos, Anna Bederke, Birol Uenel, Monica Bleibtreu, Moritz Bleibtreu, Pheline Roggan, Udo Kier, Wotan Wilke Möhring

Genre
Deutscher Film, Komödie

Tags
Hamburg
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Deutschland




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