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Shutter Island| Kritik 7/10

Kinostart
25.02.2010



Handlung

Auf Shutter Island steht eine Einrichtung für besonders kriminelle und geisteskranke Menschen. Hier kommen nur die hin, die kein anderes Krankenhaus im Land aufnehmen will. Nachdem die Gefangene Rachel Solando (Emily Mortimer) auf mysteriöse Weise von Shutter Island fliehen konnte, nimmt sich die Bundespolizei der Sache an und ermittelt in dem Fall. Doch keiner der Wärter kann sagen, wie die Frau von der Insel fliehen konnte, denn das nächste Ufer ist weit entfernt und das Wasser eiskalt. Nach kurzer Zeit hat der Polizist Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) den wagen Verdacht, dass viele der Insassen und der Angestellten etwas über diesen unheimlichen Ort wissen, doch keiner will etwas sagt, so als hätten sie Angst. Schon bald verfolgen Teddy grausame Tagträume und er weiß, dass wenn er das Geheimnis von Shutter Island entschlüsselt, er dieser Insel nie wieder verlassen kann.


Filmkritik | Shutter Island

Es gibt zwei Phasen im filmischen Schaffen des amerikanischen Regisseurs Martin Scorsese: die vor-Leo-Phase und die Leo-Phase. Mit "Shutter Island" hat die Leo-Phase ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Warum sich der Kult-Regisseur, der im Gespann mit dem Schauspieler Robert de Niro mit Filmen wie "Taxi Driver", "Raging Bull" und "Casino" Meilensteine der Filmgeschichte schuf, ausgerechnet Leonardo di Caprio ("Titanic", "Aviator", "Departed - Unter Feinden") als neue "Muse" erwählte, bleibt ein Rätsel. Zumindest für eingefleischte Fans der vor-Leo-Phase.  An den schauspielerischen Fähigkeiten Di Caprios kann es nicht liegen, die sind nach wie vor begrenzt. Und nur an den gemeinsamen italienischen Wurzeln auch wohl kaum. Vielleicht glaubt Scorsese tatsächlich, dieser Schauspieler, der eigentlich eher ein Darsteller ist, sei der kongeniale Umsetzer seiner Filmideen - vielleicht hat das Ganze aber auch irgendwie mit Hollywood zu tun. Scorsese, der einstige New Yorker Kultfilmer, ist schon lange im Mainstream und seinem Schielen nach dem Kassenerfolg angekommen.

Die Hinwendung zur großen Hollywood-Geste muss ja nicht unbedingt schlecht sein - wenn sich die Regie nicht nur auf handwerkliche Perfektion und billige Showeffekte verlässt, sondern gute, plausible Plots spannend in Szene zu setzen weiß. Genau das jedoch gelingt Scorsese nur bedingt. Sicher, inszeniert ist das alles perfekt, auf Hochglanz poliert und exakt ausgetüftelt bis ins letzte i-Tüpfelchen. Die Kameraarbeit von Oscar-Preisträger Robert Richardson ("Inglourious Basterds") ist genial. Vor allem, wenn sich Film Noir-Atmosphäre ausbreitet, sorgen die düsteren Licht- und Schattenspiele in klaustrophobisch beklemmenden Raumsituationen für Suspense von Feinsten. Eine filmhistorische Verbeugung vor dem genialen Techniker Stanley Kubrick ("The Shining"). Entschließt sich Scorsese jedoch, den Horror- und Psychothriller-Regisseur heraus zu kehren, wird es nichts als billiger Klamauk auf hohem Niveau, der irgendwann nur noch anödet. Das nervte bekanntlich bereits in der vor-Leo-Phase im Scorsese-Thriller "Kap der Angst", dem einzigen schlechten Scorsese-Film mit Robert de Niro. In "Shutter Island" kommt zu allem Übel der unerträglich aufdringliche und bombastische Score hinzu, der unter Anleitung des musikalischen Chefkochs Robbie Robertson, Scorseses Hauskomponist der Leo-Phase, zusammen gebraut wurde. "Shutter Island" ist der nichtssagendste Scorsese-Film seit langem.

Eine derart hollywoodesk aufbereitete Konfektionsware könnte eventuell Spaß machen, wenn der Plot a) stimmig wäre und b) ein Mindestmaß an Spannung bieten würde. Beides entfällt jedoch komplett. Inhaltlich ist das Skript nach einem Roman des Krimiautors Dennis Lehane eine wüste Mischung aus Psycho- und Polit-Thriller, Krimi und Gefängnisinsel-Drama (Alcatraz läßt grüßen...). Alles auf einmal geht aber nur selten gut, und den Holocaust als letzte Würze unter diesen Eintopf zu mischen, ist einfach nur geschmacklos. Weniger wäre da sicher mehr gewesen. Das Blödeste ist aber, dass ein halbwegs intelligenter Zuschauer recht früh spitz bekommt, wie hier der Hase läuft bzw. was es mit dem "U.S. Marshall" Leo auf sich hat. Di Caprio, dessen mimisches Können sich auf tiefe Sorgenfalten und angestrengte Gesichtsgrimassen reduziert, gönnt dem Zuschauer nicht das kleinste Fitzelchen wohligen Sich-Täuschen-Lassens. Daran können auch ein gewohnt dämonisch agierender Ben Kingsley ("Transsiberian", "Der Love Guru") als - fieser? -  Anstaltsleiter und ein böse guckender Max von Sydow ("Rush Hour 3", "Die Tudors") als vermeintlicher Arzt des Grauens nur wenig ändern. Schade. Ein Scorsese-Film ohne nervende "Muse" wäre mal eine nette Abwechslung.


Filmkritik von mkrispien

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Shutter Island

© Concorde Filmverleih GmbH

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