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She, a Chinese| Kritik 7/10

Kinostart
04.02.2010



Handlung

Mei (Lu Huang) lebt ein monotones Leben in einem kleinen, ländlichen Dorf in China. Ihr Leben besteht aus ihrer Arbeit in einem Billardsalon und ihren Eltern, denen sie gelegentlich bei der Arbeit auf dem Feld und auf einer Müllhalde hilft. Bis auf ihren heiß geliebten mp3-Player ödet sie alles an und deshalb entschließt sie sich, in die nächst größere Stadt zu gehen. Dort verliebt sie sich in Spikey (Wei Yi Bo), der gelegentlich für die lokale Mafia arbeitet und von einem Leben in London träumt. Als Spikey bei einem Auftrag tödlich verletzt wird, fährt Mei mit seinem gesparten Geld nach London und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser bis sie den 70-Jährigen Engländer Mr. Hunt (Geoffrey Hutchings) kennen lernt und ihn heiratet. Ein neues Leben beginnt, doch das Glück währt nicht lange. Mei fühlt sich fremd und vernachlässigt und wird immer unzufriedener. Sie beginnt eine Affäre mit dem indischen Einwanderer Rachid (Chris Ryman) und verlässt ihren Ehemann. Es scheint, als hätte Mei nun doch ihre wahre Liebe gefunden.


Filmkritik | She, a Chinese

Dieser Film ist keine leichte Kost. Nicht nur nach den Maßstäben des erzählenden Mainstream-Kinos, sondern selbst nach denen des experimentierfreudigeren Arthouse-Cinemas. Den Titel will die junge Regisseurin Xiaolu Guo als Hommage an den französischen Filmemacher Jean-Luc Godard und dessen Werk "Die Chinesin" verstanden wissen. Und wer mit dessen verkopften und handlungsarmen Filmen nichts anzufangen weiß, mag eines von "She, a Chinese" als letztes erwarten: Unterhaltung und Humor. Genau das aber bietet dieser kleine, sehr persönliche Film bei aller Sprödigkeit – wenn man sich auf seine Ästhetik einlässt.

Ihre Herkunft als Dokumentarfilmerin kann die Regisseurin, die auch als Romanautorin tätig ist, nicht verleugnen: Die an Filmhochschulen in Peking und London ausgebildete Xiaolu Guo legt mit "She, a Chinese" ihren ersten Spielfilm vor. Bis dahin ließ sie aufmerken durch mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Dokumentarfilme, die sich mit der Stadt-Land-Problematik im modernen China und anderen gesellschaftlichen Konflikten ihrer Heimat beschäftigen. Auch in ihrem Spielfilm erzählt sie nicht, sondern zeigt - in spröden Bildern, mit knappen Dialogen, unterbrochen von kurzen Szenen der Gewalt und der ebenso gewalttätigen Liebe. Was im Kopf der jungen Frau vor sich geht, man weiß es nicht. Kaum eine Regung oder Emotion spiegelt sich in ihrem Gesicht, das als Projektionsfläche einer ganzen Generation herhalten muss. Auch das viel beschworene unverbindliche Lächeln, hinter dem Chinesen angeblich ihre wahren Gefühle verbergen,gönnt sie uns nicht. Weinen und lachen sieht man die junge Frau selten.

Die junge Mei (überzeugend: Huang Lu) ist bockig, verschlossen, gelangweilt, neugierig und wirkt unendlich einsam; darin und in ihrer als Übellaunigkeit getarnten Verletzlichkeit wirkt sie wie eine typische Vertreterin ihrer Generation auf der Suche nach sich selbst, nicht nur in China. Ihr Hauptinteresse gilt ihrem iPod. Wenn Mei in London als Werbefigur für ein Chinarestaurant im Pandakostüm verloren und trotzig in die Kamera blickt, möchte man sie am liebsten in den Arm nehmen. Doch kommt es ganz dicke, schiebt Xiaolu Guo mit trockenem Humor rasch eine konterkarierende Schrifttafel ins Bild. Und das ist dann doch weit jenseits von Godard und sehr erfrischend. Professionell auf die Sprünge halfen dem noch ein wenig wackelig auf den Beinen stehenden Film-Baby zwei Briten: Andrew Bird, Haus-Cutter von Fatih Akin (u.a. bei "Gegen die Wand", "Soul Kitchen"), und Musikproduzent und Komponist John Parish (u.a. für PJ Harvey und Tracy Chapman). Sein punkrockiger und rebellischer Original-Soundtrack tut dem Film gut.

Die Regisseurin erzählt in diesem Film auch ein wenig ihre Geschichte: Von den politisch aktiven Elten zu den bäuerlichen Großeltern aufs Land abgeschoben, wuchs sie "ohne Liebe" auf, erzählt sie. Mit 17 floh sie nach Peking, Jahre später nach London. Heute lebt sie abwechselnd in England, Frankreich und Deutschland. "She, a Chinese" ist eine britisch-französisch-deutsche Koproduktion, öffentlich gefördert von Filmförderinstituten in allen drei Produktionsländern. In Deutschland wurde der  Film besonders unterstützt, fand einen Verleih und ist derzeit in deutsch synchronisierter Fassung in renommierten Arthouse-Kinos zu sehen. Auf dem Filmfest von Locarno gab es 2009 den Goldenen Leoparden.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

She, a Chinese

© Neue Visionen Filmverleih & Camino Filmverleih

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Steckbrief
Regie
Guo Xiaolu

Darsteller
Chris Ryman, Geoffrey Hutchings, Hsinyi Liu, Huang Lu

Genre
Drama

Tags
China, England
Gastkritiken
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Herstellungsland
Großbritannien, Deutschland, Frankreich




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