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Shanghai| Kritik 8/10

Kinostart
15.09.2011



Handlung

1941, die alte chinesische Metropole Shanghai – eine Woche vor dem Angriff auf Pearl Harbor. Der amerikanische Geheimagent Paul Soames (John Cusack) ist gerade in Shanghai angekommen, um den Mord an seinem besten Freund aufzuklären. Prompt findet er sich in ein Netz von Verschwörung und Lügen verstrickt, welches die ganze Stadt überdeckt. Mit Hilfe der deutschen Diplomatengattin Leni Müller (Franka Potente) macht er die Bekanntschaft des gut vernetzten Gangsterbosses Anthony Lan-Ting (Chow Yun Fat) und dessen schöner Frau Anna (Gong Li). Bei seinen Nachforschungen nimmt er beide ins Fadenkreuz, wird aber gleichzeitig von dem japanischen Geheimdienstoffizier Tanaka (Ken Watanabe) beschattet. Es dauert nicht lange, und Soames und Anna finden sich in einer Affäre wieder, die sie alles riskieren lässt. Aus nationalen Loyalitäten werden emotionale, und in einem Wettlauf gegen die Zeit versuchen Soames und Anna, den Mordfall zu lösen und aus dem besetzten China zu entkommen, bevor die Stadt untergeht.


Filmkritik | Shanghai

„Shanghai“ weiß nicht so ganz, was er sein möchte. Es finden sich Elemente einer Romanze, eines Dramas und eines Mystery-Thrillers zu etwa gleichen Anteilen wieder. In der Regel ergeben solche Genre-Cocktails keinen gelungen Film, im Falle von „Shanghai“ jedoch scheint die Rechnung aufgegangen zu sein. Regisseur Mikael Håfström (bekannt durch „Zimmer 1408“ und „Entgleist“) hat aus den Genres das Beste herausgepickt, die einzelnen Elemente sind perfekt miteinander verwoben. Glücklicherweise wirkt nichts gezwungen oder überladen, diese Gefahr bestand jedoch durchaus. Denn allein mit Hinblick auf den zeitlichen Hintergrund – der Zweite Weltkrieg – drängen sich unwillkürlich Parallelen zu „Casablanca“ auf. Dass „Shanghai“ zudem für eine ähnliche Stimmung sorgt, tut sein Übriges. Dabei wirkt der Film jedoch in erster Linie eher wie eine künstlerische, moderne Verbeugung, weniger wie ein billiger Aufguss.

Es sind eher die ruhigen Momente, die „Shanghai“ ausmachen. So mancher junger Kinogänger mag mit der demzufolge vorherrschenden ‚Inaktivität‘ des Films überfordert sein. „Shanghai“ ist definitiv nicht der Mega-Blockbuster geworden, den man heutzutage von Hollywood kennt. Nach Explosionen oder Verfolgungsjagden braucht man gar nicht erst Ausschau zu halten. Glücklich ist der, der sich auch für weniger penetrante Unterhaltung begeistern kann. Der Film schafft es dennoch, den Zuschauer zu fesseln. Dies geschieht über die intelligenten und raffinierten Dialoge. Als Vergleich lässt sich an dieser Stelle ganz vorsichtig „Inglourious Basterds“ heranziehen. Ganz vorsichtig deshalb, weil in „Shanghai“ eindeutig der Spaß-Faktor fehlt, alles andere wäre kontraproduktiv gewesen.

Shanghai“ ist ein düsterer Film. Bedenkenlos kann man ihm zur Stilrichtung des Film noir zählen. An dieser Stelle soll nicht allzu viel mit Bezug auf die Handlung verraten werden, fröhlich geht es jedoch über weite Strecken nicht zu. Zur dichten Atmosphäre tragen unzweifelhaft auch die großartigen Schauspieler bei, dazu gehören – neben Hauptdarsteller John Cusack – große Stars des asiatischen Films, allen voran Chow Yun Fat und Gong Li, die spätestens mit „Die Geisha“ internationale Bekanntheit erlangten. John Cusack ist ihnen in der Fremde quasi schonungslos ausgeliefert. Ständig möchte man ihn warnen, ihm zurufen, dennoch kann man seine Beweggründe verstehen und möchte ihn unterstützen. Es ist beeindruckend, wie Regisseur Mikael Hofström es schafft, mit fast schon minimalistischen Mitteln den Zuschauer zu fesseln.

Shanghai“ kann dem Zuschauer erstklassige Unterhaltung bieten. Dazu sollte man jedoch in der richtigen Stimmung sein, um sich vollständig auf Film einlassen zu können. Am besten eignet sich hierfür wahrscheinlich ein verregneter Sonntagabend im Herbst. Sehr bedauerlich ist, dass dem Film kein finanzieller Erfolg vergönnt war. Dem Mainstream-Publikum war er anscheinend nicht laut genug.


Filmkritik von Gastautor

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