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Schwerkraft| Kritik 6/10

Kinostart
25.03.2010



Handlung

Frederik Feinermann (Fabian Hinrichs) ist ein aufstrebender junger Bankangestellter, dessen Leben in geordneten Bahnen verläuft. Als sich ein Bankkunde, dem Frederik freundlich den Kredit kündigt, vor seinen Augen die Kugel gibt, knallt in Frederik eine Sicherung durch. Er beschließt kurzfristig bei seinem alten Kumpel und Ex-Knacki Vince Holland (Jürgen Vogel) eine Ausbildung der besonderen Art zu absolvieren: zum Gangster. Zwar nicht staatlich anerkannt, aber mit einem großen Praxisanteil. Und tatsächlich: die zwei entwickeln sich zum unschlagbaren Team, dessen Geldbeschaffungsmaßnahmen innovativ, kreativ und gewalttätig sind. Irgendwo in Mitten der Gewalt scheint Frederik so etwas wie "sich selbst" wieder zu finden. Doch was als Spaß beginnt entwickelt sich zur Sucht und langsam zum bitteren Ernst. Beflügelt durch seine neue Karriere versucht er endlich auch seine alte Jugendliebe Nadine (Nora von Waldstätten) zurück zu gewinnen. Aber was sagt die zu seinem zweiten Bildungsweg?


Filmkritik | Schwerkraft

Seltsam ist es es schon, dass derzeit im jungen deutschen Film das Begehen von Banküberfällen nicht mehr als Verbrechen, sondern als Ausdruck der Selbstfindung mitteljunger Männer hochstilisiert wird, sozusagen als Ventil der Vor-Midlifecrisis. So war es schon bei dem wesentlich kühleren Film "Der Räuber" von Benjamin Heisenberg, so ist es auch bei der sich eher postpubertär-albern gebenden Gangsterkomödie "Schwerkraft" von Maximilian Erlenwein. Ist es ein Zufall, dass beide Regisseure Mitte 30 sind? Kaum anzunehmen. Jüngere haben andere Probleme und Ältere sind längst über die Abstrampelungsphase hinaus. Männer in der Midlifecrisis verlassen ihre gleichaltrigen Ehefrauen und suchen sich eine Jüngere zur Selbstbestätigung, Mittdreißiger kämpfen um die sich abnabelnden gleichaltrigen Damen mit der Waffe in der Hand. Cool. Aber eigentlich nur albern. In die Hose geht es sowieso, und die Damen interessiert das eh nicht, wie die Schlussszene von "Schwerkraft" nahe legt.

Erlenwein, der mit diesem Film sein Debut als Regisseur vorlegt, fing als Kamermann an und drehte später Dokumentationen, Werbe- und Musikfilme. Das merkt man "Schwerkraft" überdeutlich an. Der Film ist stilistisch aalglatt, rasend schnell geschnitten, die Musik aufdringlich und peitschend, die aberwitzige Geschichte wird atemlos und ohne Punkt und Komma voran getrieben. Die Dialogsätze knallen hin und her wie einst die Matchbälle von Steffi Graf und könnten vom Inhalt her auch in Werbespots für Bankdienstleistungen und Versicherungen oder ein Waschmittel gesprochen werden. Man lacht, sicher, ist aber nicht irgendwie interessiert. Alles wirkt beliebig und ziellos, ganz so, wie die sinnentleerte Mediengesellschaft heute zu sein scheint. Überhaupt kein Profil entwickeln die Figuren, die wie Abziehbilder von Fantasievorstellungen des Regisseurs daher kommen und in keiner Sekunde Glaubwürdigkeit besitzen. Erlenwein gesteht seinen beiden Protagonisten keine  gemeinsame Geschichte zu, er spannt sie ausschließlich zusammen, um die  hanebüchene Story irgendwie ins Laufen zu bringen.

Zu den Schauspielern: Jürgen Vogel ("Wickie und die starken Männer", "Boxhagener Platz") als Vince macht seine Sache wie meist gut, etwas überzogen, aber professionell. Ein Schauspieler ist er nicht, versteht es aber hervorragend, den immer gleichen Typ in immer anderen Filmen glaubhaften zu verkörpern. Das will im deutschen Film schon was heißen. Fabian Hinrichs ("Sophie Scholl - Die letzten Tage"), der jünger aussieht, als er ist, hat mit seinem pausbäckigen Lausbubengesicht als Frederik Feinermann im korrekten Bankeranzug natürlich die Lacher auf seiner Seite und empfiehlt sich  als Komödiant für inspiriertere Projekte. Und Eleonore Weisgerber als Frau Reicherts  bereichert den Film mit  "old school" in der Schauspielkunst und fällt damit irgendwie aus dem Rahmen.

Das Unangenehme an dem Film ist die undifferenzierte Anbiederung an die gewalttätige Berliner Antifa-Szene, die den gesamten Film zu tragen scheint. Warum Frederik Feinermann als "Mutprobe" vermummt und mit Baseballschläger bewaffnet eine Horde Skinheads zusammen knüppeln muss, erschließt sich nicht (oder vielleicht doch, aber das hätte dann wirklich ein Geschmäckle).  Allen, die jetzt Erlenwein als den neuen deutschen Tarantino feiern, sei zugerufen: Der eine kann´s, der andere probiert´s.


Filmkritik von mkrispien

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