Handlung
Der Nachfolger von Jigsaw, Detective Hoffman (Costas Mandylor), ist immer noch nicht enttarnt. Abermals beginnt ein morbides Spiel, wo sich Opfer zwischen Leben und Tod entscheiden müssen. Doch gelten Jigsaws Spielregeln noch, oder handelt Hoffman längst auf eigene Rechnung? In der neu begonnenen "Spielrunde" macht sich Jigsaws Witwe Jill (Betsy Russell) auf die Suche nach der Wahrheit. Und auch Hoffmans Kollegen begreifen, dass sie mit dem FBI-Mann Strahm den Falschen verdächtigt haben. Doch was immer die Mitspieler auch herausfinden, es gibt immer einen, bei dem alle Fäden zusammenlaufen: Jigsaw!
Filmkritik | Saw VI
Splatterfilm à la carte, so könnte man Saw VI auch titulieren. Gleich zu Beginn des Films geht es fleischig zur Sache, als zwei Kredithaie freigebig Teile ihres Körpers von sich schneiden. Fast möchte man meinen, dass die Macher von Saw VI mit dem Horrorgenre einen Seitenhieb auf die Wirtschaftskrise und damit den ach so schnöden Kapitalismus platzieren wollen.
Leider muss man sagen, dass es auch entsprechend weiter geht. Opfer, die sich unter Zeitdruck aus einer hoffnungslosen Situation befreien müssen sind eine bereits bekannte Variante der Saw-Serie. Hier ist es nun der Krankenkassen-Manager William, der sich unter martialischen Umständen von vier Sprengsätzen entledigen muss. Wenig Neues also, das aber die Fans von Blut und Folter dennoch bei Laune halten wird, weil es spannungsgeladen und effektvoll präsentiert wird. Ebenso verhält es sich mit dem Ort der Handlung, einem stillgelegten Zoogelände. Auch hier haben die Macher von Saw VI entschieden, dass ein allzu häufiger Wechsel der Lokalität ihrer Story abträglich wäre. Dagegen könnte man halten, dass ein bisschen Abwechslung manchmal gut tut und das Plot entsprechend aufpeppen kann.
Jigsaw ist also mal wieder der, um den es sich eigentlich dreht. "Ich möchte ein Spiel spielen", sagt er und meint damit den psychopathischen Resozialisierungsprozess für seine Folteropfer. Saw VI springt hin und her zwischen blutigster Fleischereikulisse in Industriemanier und der Jagd nach dem wirklichen Verbrecher.
Saw VI ist definitiv blutig, geschmacklos, nervenzehrend und falls sich das überhaupt im Vergleich zu Nr. 1-5 noch steigern ließ, dann ist es Kevin Greutert gelungen. Aber das mühelose Anknüpfen an die Saw-Tradition macht sich eben doch auch bemerkbar. Zum einen lässt sich das an den deutlich mehr als bemüht wirkenden Rückblenden festmachen, in denen ein an den Rollstuhl gefesselter Jigsaw blass und farblos wirkt. So wird das Hauen und Stechen seiner Opfer konterkarrikiert und erscheint streckenweise unglaubwürdig. Auch die amerikanischen Zuschauer scheinen etwas Saw-müde geworden zu sein, denn zum Kinostart spielte Nr. 6 gerade mal etwas weniger als die Hälfte der sonst locker am ersten Wochenende erreichten dreißig Millionen Dollar ein.
Wer's blutig mag, der wird in Saw 6 nicht enttäuscht, aber man sollte eben auch bedenken, dass es sich hier wirklich um die sechste Ausgabe der Splatterproduktion handelt und das Spielchen nicht mehr ganz so taufrisch ist.
Filmkritik von Gastautor