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Repo Men| Kritik 3/10

Kinostart
03.06.2010



Handlung

In der neuen Welt haben sich zahllose Menschen mit hoch entwickelten künstlichen Organen ihr Leben verlängern lassen. Die Schattenseite dieser medizinischen Revolution, die von der so genannten Union vertrieben wird, findet sich wie gewohnt im Kleingedruckten. Wer die horrenden Raten für die verführerischen oder lebensnotwendigen Hightech-Organe nicht zahlen kann, bekommt Besuch von den perfekt geschulten Eintreibern, die auf direktem Weg zurückholen, was der Union gehört. Und das ohne jede Rücksicht auf Verluste, denn kaum einer überlebt die Rückhol-Operationen der "Repo Men".

Remy (Jude Law) ist einen der Fähigsten dieses Spezialistenteams, für den jeder gelungene Eingriff kaum mehr als ein Zahlungseingang auf seinem Konto ist. Doch nach einem Herzinfarkt bei einem seiner Aufträge erwacht er wie neugeboren mit dem Topprodukt seines Arbeitgebers in seiner Brust, aber auch mit einem Gewissen, das ihn seinen blutigen Job überdenken lässt, und einem gewaltigen Schuldenberg. Als er die Ratenzahlungen nicht mehr leisten kann, schickt ihm die Union seinen ehemaligen Partner, den gnadenlosen Repo-Man Jake (Forest Whitaker) hinterher, um ihm sein Herz wieder aus der Brust zu reißen. Aus dem Jäger wird ein Gejagter und gemeinsam mit seiner Ex-Frau Beth (Alice Braga), die ihm beibringt, wie man das System unterwandert, beginnt er seine atemlose Flucht durch eine bizarre Welt, in der es nur so wimmelt von seltsamen Freunden und skrupellosen Feinden.


Filmkritik | Repo Men

Mit unverkennbaren Anleihen bei "Matrix" und "Minority Report" deutete bei "Repo Men" bereits im Vorfeld alles in Richtung Mainstream Science-Fiction Spektakel. Man muss dem Film allerdings zugute halten, dass die Ambitionen wohl eigentlich auf Höheres abzielten. Denn nachdem das actionreiche Spektakel sich nach der ersten Hälfte, in den letzten 50 Minuten zur wahren Metzelorgie wandelt, scheint bewiesen, dass der gedankliche Pate bei Regisseur Miguel Sapochniks neuestem Film, niemand anderes als David Cronenberg sein kann.

In langen und fast schon genüsslichen Close-up Aufnahmen bekommen wir zu sehen, wie immer wieder menschliches Fleisch aufgeschnitten und säuberlich zertrennt wird. Der Cronenbergsche Einfluss macht sich insbesondere in einer schelmischen Sex Szene bemerkbar, welche fast ausschließlich aus Akten zärtlicher Gewalt besteht. Damit hat man dem Film jetzt aber fast schon zu viel Subversivität zugesprochen. Denn diese Szene spielt sich in einer hermetisch abgeriegelten Film-Welt ab und erst am Ende bekommen wir die finale Auflösung bzw. Rechtfertigung präsentiert, welche so dermaßen billig und beschämend ist, dass sie es schafft, dem Zuschauer rückwirkend den Spaß zu rauben, den er während des Film vielleicht gehabt haben mag.

Darüber hinaus kann man natürlich auch eine der inzwischen obligatorischen Action Sequenzen in Zeitlupe vorweisen, in welcher eine stattliche Anzahl von unbedarften Schlipsträgern auf bestialischste Weise dahin gerafft werden. Überhaupt scheint man es sich zum Ziel gesetzt zu haben, den allgemeinen Gewaltlevel noch einmal über die legendäre "Crank" Marke zu wuchten. Wenn man der Tragkraft seiner eigenen Geschichte nicht traut, muss man sich eben plakativer Mittel bedienen. Ein Tiefpunkt des modernen Kinos.

Auch die Begründung für die gerade skizzierte Szene, in der die Beteiligten ohne ersichtlichen Grund ihre Macheten auspacken, wird uns ganz am Ende geliefert und ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Menschen mit einem IQ über 20.

Es ist eine Schande, dass Jude Law ("My Blueberry Nights") ausgerechnet in diesem Film eine seiner interessanteren Performances der letzten Jahre abliefert. Mit dem sich zurück ziehendem Haaransatz und markigeren Linien im Gesicht scheint seine Leinwandpräsenz jedenfalls eher zu wachsen. Die grimmige Entschlossenheit, mit der er hier seinem Auftrag nachgeht, lässt ihn fast sogar als Actionhelden durchgehen. Forest Whitaker ("Der Letzte König von Schottland") dagegen wird als Side-Kick eher verheizt und wirkt ein wenig unterfordert.

Miguel Sapochniks hätte sich lieber auf das Erzählen seiner Geschichte verlassen sollen (die viel Spielraum für Parallen zur aktuellen Wirtschaftskrise bot), statt sich von einem Gewaltexzess zum nächsten zu hangeln. So steht unter dem Strich ein durchschnittlicher Science-Fiction Actioner mit dem garantiert schlechtesten Ende der Filmgeschichte.


Filmkritik von Gastautor

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Bilder / Fotos

Repo Men

© Universal Pictures International Germany GmbH

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Steckbrief
Regie
Miguel Sapochnik

Darsteller
Alice Braga, Carice van Houten, Forest Whitaker, Jude Law, Liev Schreiber, RZA, Sima Fisher, Tanya Clarke, Yvette Nicole Brown

Genre
Sci-Fi, Thriller
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Herstellungsland
Kanada, USA




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