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Renn, wenn Du kannst| Kritik 8/10

Kinostart
29.07.2010



Handlung

Benjamin (Robert Gwisdek) sitzt im Rollstuhl. Er ist intelligent, lustig und verzweifelt. Liebe kommt für ihn nicht in Frage, das erklärt er zumindest seinem neuen Zivi Christian. Christian (Jacob Matschenz) nimmt das Leben leicht: Er wird ein halbes Jahr bei Ben bleiben und dann seiner Wege gehen. Annika (Anna Brüggemann) studiert Cello, doch das Musikstudium und der gnadenlose Zwang zur Perfektion lasten schwer auf ihr. Sie fährt jeden Tag mit dem Fahrrad an Benjamins Wohnung vorbei, und er schaut ihr jeden Tag vom Balkon aus sehnsüchtig hinterher. Doch erst als sie eines Morgens mit Christian kollidiert, lernen die drei sich kennen und werden Freunde. Zu dritt erschaffen sie sich eine Welt aus Sehnsucht und Fantasie. Doch natürlich wollen beide Jungs mehr von Annika als nur Freundschaft. Annika kann sich nicht entscheiden. Sie mag Christian und seine Verspieltheit, aber eigentlich fühlt sie sich eher Ben verbunden. Was für alle drei wie ein Spiel beginnt, wird für Ben eine Reise zu seinen größten Ängsten, in Abgründe, aus denen er allein nicht mehr herausfinden wird.


Filmkritik | Renn, wenn Du kannst

Das Leben ist nicht immer einfach. Nein, manchmal ist es sogar ein richtiges Miststück. Jedenfalls vermittelt das Dietrich Brüggemanns Debüt „Renn, wenn Du kannst“ - und zwar auf äußerst tragisch-amüsante Art und Weise.

In Brüggemanns Werk dreht sich auf den ersten Blick alles um den gehbehinderten Protagonisten Ben (Robert Gwisdek, unter anderen bekannt aus „13 Semester“). Denn seitdem dieser vor sieben Jahren bei einem Unfall im Rollstuhl sitzt, hat er mehr als nur den Nutzen seiner Beine verloren. Nein, dem zeitweise zugegeben ziemlich unsympathischen Charakter sind auch seine Lebenslust, seine Toleranz und sein Feingefühl abhanden gekommen. Genau aus diesem Grund sorgt er beim Zuschauer mit dem einen oder anderen, mitmenschenfeindlichen Spruch auch eher für derbes Stirnrunzeln, als für Verständnis und Mitleid.

Wer jetzt aber glaubt, dass es sich bei „Renn, wenn Du kannst“ um ein typisches Drama handelt, welches die sozialen und menschlichen Probleme von Behinderten beleuchtet, der irrt sich gewaltig. Denn die augenscheinliche Sozial- und Gesellschaftsproblematik ist nur die Spitze des Story-Eisbergs. Wenn man genauer hinsieht, stellt man fest: Es geht viel weniger um Ben, sondern eher um das Leben, was sich um diesen herum abspielt. Es geht um die ziemlich verdrehte Dreiecksbeziehung, die dieser zu seiner schönen Nachbarin Annika (Anna Brüggemann, schrieb auch das Drehbuch) oder seinem Zivi Christian (Jacob Matschenz) pflegt. Denn die Eine beobachtet er seit Jahren heimlich durch sein Fernrohr, den Anderen behandelt er wortwörtlich wie den letzten Dreck. Und das ganze Lebens- und Beziehungsschiff droht zu sinken, als Christian und Annika – und so auch zwangsläufig Ben - sich näher kommen...

Renn, wenn Du kannst“ erfüllt nur auf den ersten Blick die Klischees eines jeden 08/15 Dramas. Auf den zweiten weiß das gute Stück äußerst respektlos, und dennoch unglaublich amüsant und unterhaltsam, durch seine knallharte Ehrlichkeit zu überzeugen. Brüggemann und seine Darsteller geben streckenweise wortwörtlich „einen Scheiß“ darauf, ob die Charaktere und ihre Problemchen beim Publikum menschlich ankommen oder auch wirklich verstanden werden. Also ist nicht immer alles nachvollziehbar, aber es ist eindeutig gut so, wie es ist...

Denn so ist nun einmal das Leben: Wir können es nicht immer verstehen. Vor allem, wenn wir selber nicht wirklich betroffen sind. Und auch wenn beim Genuss von „Renn, wenn Du kannst“ das eine oder andere Mal Unverständnis und Ungläubigkeit vorherrscht, hinterlässt dieses Werk eindeutig einen äußerst angenehmen Nachgeschmack. Und das Gefühl, dass hinter jeder noch so harten Schale, ein weicher Kern stecken kann.


Filmkritik von Gastautor

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Steckbrief
Regie
Dietrich Brüggemann

Darsteller
Amelie Kiefer, Anna Brüggemann, Christian Ehrich, Daniel Drewes, Franziska Weisz, Jacob Matschenz, Jörg Bundschuh, Leslie Malton, Michael Sens, Robert Gwisdek

Genre
Deutscher Film, Drama
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Herstellungsland
Deutschland

Alternativ- bzw. Originaltitel
Run If You Can




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