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Real Steel| Kritik 6/10

Kinostart
03.11.2011



Handlung

Der Boxsport hat sich radikal verändert. Gigantische Stahlkolosse treten fortan im Ring gegeneinander an. Ein beeindruckendes Schauspiel und das Ende der Karriere des Boxers Charlie Kenton (Hugh Jackman). Fortan versucht er seine eigenen low-end Kampfmaschinen in Untergrund-Kämpfen zum Sieg zu führen. Ein frustrierendes Unternehmen... aber dann passiert das unerwartete.

Filmkritik | Real Steel

Es ist kein Geheimnis, dass Drehbuchautoren nur in zweiter Linie als Künstler wahrgenommen werden. Wenn überhaupt. Zu sehr prägen Adaptions-, Fortsetzungs- und Remakewahnsinn ihren Alltag und Ruf. Doch was hat das mit einem Film wie „Real Steel“ zu tun - mag man sich fragen - der weder das eine noch das andere zu sein scheint?

Real Steel“ repräsentiert nach außen hin das Bild eines modernen Sportlerdramas, angesiedelt in einer nicht all zu fernen Zukunft, wo die brutale Welt des Boxkampfsportes nicht mehr von Blut und Schweiß, sondern von Motorenöl und Batteriesäure geprägt wird. Eine nach wie vor unbarmherzige und brutale Showwelt, die die Masse euphorisch bejubelt. Inmitten dieses hart umkämpften Geschäfts befindet sich der von Hugh Jackman dargestellte Charlie Kenton, ein ehemaliger Boxstar, dessen Karriere schneller verglühte als seine Kopfwunden verheilten. Aus einer finanziellen Not heraus, muss sich dieser mit seinem verschmähten Sohn arrangieren und während der gemeinsamen Zeit merken die beiden, wie ähnlich sie sich doch sind und dass sie zusammen es von ganz unten nach ganz oben schaffen können. Klingt nach einer Geschichte, die den Zuschauer auf eine noch nie dagewesene Weise zu Tränen rühren vermag. Oder auch nicht. Denn betrachtet man das Storykonstrukt etwas distanzierter und blendet die Sci-Fi-Elemente aus, wirkt die Vater-Sohn-Beziehung plötzlich ungewöhnlich vertraut. Auch das Setting erscheint ohne die Roboter weniger frisch. Was ist passiert?

In erster Linie ist Sylvester Stallone passiert. Assoziationen an „Over the Top“ und seiner „Rocky“-Reihe drängen sich einem ins Gedächtnis. Rostige LKW-Trucks und Armdrückermeisterschaften wurden durch Hightech-Trucks und High-End-Boxkämpfe ersetzt. Rinderhälften durch Schrottteile, Philadelphias graue Tristesse durch ein goldenes Americana-Folkloregefühl. Sylvester Stallone durch Hugh Jackman. Echte Schweißperlen durch CG-Funken. Die Oberfläche wurde ausgetauscht, aber im Kern schlägt ein altes Sportlerherz. Es fand ein Generationswechsel im Publikum statt und dem wollten die Filmemacher Rechnung tragen. So verwundert es nicht, dass sich „Real Steel“ gezielt an die unbedarfte, film- und sportbegeisterte Jugend von heute richtet. Als klassische Underdogstory mit Vater-Sohn-Kern funktioniert der Film auf breiter Front und entfaltet eine universelle Kompatibilität. Überraschungen werden vergebens gesucht, stattdessen wird komplett auf die Stimmung gesetzt. Nur der Moment zählt, was durch Montagen, Zeitlupen und pathetische Filmmusik aus der Feder von Danny Elfman exzessiv ausgeschlachtet wird. Mit jeder verstreichenden Minute stimmt der Film ein immer glorifizierenderes Lied auf alte Tugenden wie Integrität, Zusammenhalt, Teamgeist und Familie ein. „Real Steel“ sieht sich als direkter Nachfahre eines alten Sportfilmgenres und vermischt dieses Erbe mit einer modernen, aber völlig jugendfreien Sportästhetik. Ganz im Sinne der überholten Vorfahren, sind auch die Frauenrollen entweder nur tot von Bedeutung oder völlig austauschbare Dekoration.

Funken sprühen in „Real Steel“ genug, aber keine vor Originalität. Doch warum Ambitionen suchen, wo nie welche beabsichtigt waren? Der Film ist ein als Original verkauftes Remake eines ganzen Genres. Dieses durfte zwar auch dank der Hilfe von Mister Stallone einige Revivals erleben und verschwand nie wirklich von der Bildfläche, aber verschließt sich letztendlich dem heutigen Zeitgeist, wie es seit jeher Rockys alte Schweißbänder taten.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

Real Steel

© Walt Disney Studios Motion Pictures

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Alternativ- bzw. Originaltitel
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