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Rango| Kritik 7/10

Kinostart
03.03.2011



Handlung

Auch wenn man seine Augen unabhängig voneinander bewegen und dem Wort "Camouflage" eine völlig neue Bedeutung geben kann, heißt das noch lange nicht, dass man die Situation im Griff hat. Trotz seiner unbestrittenen Talente ist Chamäleon Rango weit davon entfernt, der Held zu sein, der er so gern wäre: cool, unberechenbar, selbstbewusst, geheimnisvoll. Der Alltag im Terrarium ist öde, und dass geht ihm völlig gegen den Kamm. Als er eher zufällig aus seiner Behausung entkommt, sieht er seine Chance gekommen. Rango begibt sich auf die abenteuerliche Suche nach seiner wahren Identität und strandet in einer Stadt im Wilden Westen. Dort wird das Chamäleon zum Sheriff ernannt...

Filmkritik | Rango

True Grit“ schaffte vor kurzem das undenkbare: Die erfolgreiche Wiederbelebung des Totesten aller totgesagten Genres, dem Western! Wenig später preschte die Nachricht durch den Äther, dass niemand geringeres als Quentin Tarantino - der aus seinem Faible für den Spaghetti Western noch nie einen Hehl machte - sich mit seinem nächsten Projekt ebenfalls dem Genre annehmen werde. Und nun folgt Gore Verbinski, den meisten für seine Piraten-Trilogie mit Johnny Depp bekannt, der ebenfalls seit frühster Kindheit ein großer Fan von Cowboys und Indianern ist. Bereits in „The Mexican“ nutzte er einige Elemente des Genres und selbst in seinen Piratenfilmen ließ er es sich nicht nehmen, das eine oder andere Zitat auf die alten Western-Meister einzubauen. Nun machte er aus seiner Leidenschaft einen ganzen Film - mit Unterstützung der Effektkoryphäen ILM, die mit „Rango“ ihren ersten Animationsfilm ablieferten.

Selten sah man einen so dreckigen und bewusst unniedlichen Animationsfilm, der – wie es sich für einen Spaghetti Western gehört – durch alle Poren einen herben, im wahrsten Sinne des Wortes animalischen Duft verströmt. Dem Regisseur lagen zwei Dinge am Herzen: Seiner Westernleidenschaft freien Lauf zu lassen und diese auch Kindern näher zu bringen. Auch ohne die Namen von Sergio Leone, Clint Eastwood - der in einer Szene zur Gottheit erhoben wird - Sergio Corbucci oder Ennio Morricone zu kennen, spürt der Zuschauer von Anfang an, dass dieser Film mit viel Liebe zum Detail produziert wurde. Nicht immer treffsicher, aber stets liebevoll. Hans Zimmer, der schon längst zum Haus- und Hofkomponisten von Verbinski ernannt wurde, nutzte die Gunst der Stunde, um endlich seinem großen Vorbild Morricone seine Ehrerbietung zu erweisen. Wer genau hinhört, erkennt zudem Rangos Verwandtschaft mit einem alten Wüstenklassiker der Coen-Brüder.

Was aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass die Atmosphäre von „Rango“ zwar von staubiger Wüstenluft erfüllt ist, aber der Rest des Films dem in keiner Weise gerecht wird. Die Charaktere wirken nach außen hin realistisch, offenbaren dann im Verlaufe des Films ihre Eindimensionalität. Der Bösewicht ist in Sekunden enttarnt, die Bürde von Rango ist die hundertste Version einer uralten Laier und da wäre noch Johnny Depp, der wie üblich Johnny Depp spielt. Die gesamte Handlung stinkt zudem nach moralischem, kindgerechten Retorteneintopf. Man stelle sich „Happy Feet“ vor, ohne Eis und Tanzeinlagen, dafür mit Wüstensand und Westernelementen und man ahnt, was einem erwartet. Um den Gaul beim Namen zu nennen: Der Film ist inhaltlich ein Spucknapf voller Rotz, hervorgewürgt aus dem tiefsten Hollywoodschlund.

Vergnügliche Genre-Reminiszenz kontra purer Rotz, was den nun? Irgendwie beides. Es ist schwer zu erklären, was den Reiz von „Rango“ ausmacht. Er hat das Glück den richtigen Ton zu treffen und gleichzeitig versteht er es, sich audiovisuell beim Zuschauer einzuschleimen. Aber vielleicht liegt es auch einfach am Genre selbst, das sich schon immer darauf verstand, inhaltliche Mängel mit der weiten Prärielandschaft und echten Männern - ähm, Reptilien zu übertünchen.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Rango

© Paramount Pictures International

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