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Precious - Das Leben ist kostbar| Kritik 9/10

Kinostart
25.03.2010



Handlung

"Precious - Das Leben ist kostbar" ist die berührende Cinderella-Story über ein afroamerikanisches Mädchen mit etwas breiteren Hüften als üblich. Zutiefst gedemütigt, aber voller Energie, bietet sie dem Leben die Stirn. Hinter ihrer Fassade brodelt die Fantasie eines Mädchens, das mit wahnwitzigem Humor und stolzer Aufmüpfigkeit gewappnet ist. Precious (Gabourey Sidibe) ist wie ein funkelnder Diamant: klar, hell und unglaublich hart. Mutig und kompromisslos, ein modernes Märchen über ein Mädchen, das vor Lebenslust, Hoffnung und Schmerz fast zu platzen scheint.

"Precious - Das Leben ist kostbar" ist ein Film mit einer schwarzen Seele und dem funky Sound direkt aus den Straßen Harlems der 1980er Jahre. Eine wilde Reise aus der Dunkelheit ans Licht. Manchmal muss ein Film ganz unten beginnen, um mit einem absoluten Hochgefühl enden zu können!


Filmkritik | Precious - Das Leben ist kostbar

Das Bemerkenswerteste an diesem Film ist seine nahezu unfassbare Präsenz an raumfüllenden Frauenkörpern. Gigantischen, dicken, zumindest vollschlanken oder normalgewichtigen Frauenkörpern. Selbst die Schlankste in diesem Reigen weiblicher Körperpräsenz ist noch um etliche Kleidergrößen von Hungerhaken á la Hollywood entfernt. Wie muss die dem Schlankheitswahn verfallene Traumfabrik über ihren Schatten gesprungen sein, um einen solchen Film in die Welt hinaus zu schicken!  Nach allem, was man weiß, war es wirklich ein Kraftakt: Wenn sich Oprah Winfrey, berühmte schwarze US-Talkmasterin und selber stets im Kampf mit den Pfunden, sich des "Babys" nicht massiv-mütterlich angenommen hätte, wer weiß, ob wir es in Europa zu sehen bekommen hätten.

Über die Rassenproblematik im Zusammenhang mit diesem Film ist viel geredet worden, vor allem in den USA. Vor allem die schwarze Community warf dem Regisseur Lee Daniels, Produzent von "Monster´s Ball" und auf dem Regiestuhl bislang ein Unbekannter, gar Rassismus vor: Wieder einmal seien schwarze Amerikaner als fette, faule, dumme Sozialschmarotzer oder Verbrecher gezeichnet worden. Ein schwerer Vorwurf gegenüber einem Mann, dessen Hautfarbe selber schwarz ist. Es sind wohl die komplizierten amerikanischen Rassen- und Klassenverhältnisse, die wir in Europa so nicht kennen und die an dieser Stelle nicht zu erörtern sind. Eines ist klar, der Film zeigt das zwar alles, zeigt aber auch, dass sich seit den 1980er Jahren, in denen die Romanvorlage "Push" der schwarzen Autorin Sapphire angesiedelt ist, das schwarze Amerika gewandelt hat und selbstbewusster geworden ist. Bildungsbereitschaft und der Wille, aus den Ghettostrukturen auszubrechen, gehören dazu. Daher gewährt der Film, anders als der Roman, seiner Hauptfigur nach allem Elend am Ende einen kleinen Hoffnungsschimmer.  Insofern passt "Precious" hervorragend in die neue "Yes we can"-Kultur eines Barack Obama. Ob der Film wirklich gezielt als politische Propaganda inszeniert wurde, sei dahin gestellt. Ein bisschen Sozialkitsch, den transportiert er schon. Und das Engagement von Lehrerin und Sozialarbeiterin für dieses eine dicke, ungebildete, missbrauchte und AIDS-kranke Mädchen, das grenzt schon an ein Wunder. Sapphire will es während ihrer eigenen Zeit als Sozialarbeiterin so erlebt haben.

Inszeniert ist  "Precious" recht konventionell, mit einer flott, manchmal tänzerisch gehandhabten Kamera. Getragen wird der Film vor allem von seinen weiblichen Hauptfiguren, allen voran dem Naturtalent Gabourey Sidibe, die einfach phänomenal ist. Die von der Straße weg gecastete Psychologiestudentin spielt die Rolle der Precious mit einer derartigen Präsenz, dass es an die Grenzen des Erträglichen geht. Dabei spielt sie nicht eigentlich, sondern drückt alles über ihr stoisches Gesicht und ihren massigen Körper aus, der allen Missbrauch, alle Gewalt, alle Demütigungen zum weiteren Aufbau dieser Massen in sich aufzusaugen scheint. Ihr Körper ist nicht ihr Schutzschild, sondern angehäuftes Leid. Erst wenn Lehrerin Miss Rain (etwas zu glamourös: Paula Patton) und Sozialarbeiterin Mrs. Weiss (überraschend überzeugend: Mariah Carey ohne Makeup) diesen Panzer knacken, bricht aller Schmutz und Dreck wie eine Eruption aus diesem geschundenen Geschöpf.  Da wurden im Kino die Taschentücher gezückt.

Eine Sternstunde der Schauspielkunst gönnt uns die ebenfalls gewichtige Mo´Nique, bislang bekannt als Darstellerin im Fersehen und in billigen Komödien-Klamotten ("Bierfest", "Welcome Home, Roscoe Jenkins"). Wie sie die missbrauchende, gewalttätige Mutter Mary gibt, macht sprachlos. Ein Ausbund von Vulgarität, Gemeinheit und Gewalttätigkeit, bei dem doch immer wieder der eigene Schmerz und die eigene Verletzlichkeit durchschimmern. So etwas war auf der Hollywood-Leinwand lange nicht mehr zu sehen, zu recht gab es für diese überragende Leistung den Oscar als beste Nebendarstellerin. Man hätte sich nur gewünscht, dass das Drehbuch ein wenig mehr die Vergangenheit dieser verbitterten Teufelin beleuchtet hätte. Von nichts kommt auch in einem solchen Fall nichts. Aber für psychologische Feinheiten nimmt sich "Precious" kaum Zeit, dafür ist er von seiner Anlage und "Botschaft" her zu plakativ. Dieser Film wollte packen, und das tat er. Um es nicht zu vergessen: Musiker Lenny Kravitz gibt sein Bestes als verständnisvoller Krankenpfleger John.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Precious - Das Leben ist kostbar

© PROKINO Filmverleih GmbH

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Steckbrief
Regie
Lee Daniels

Darsteller
Aunt Dot, Chyna Layne, Gabourey Sidibe, Lenny Kravitz, Mariah Carey, Mo’Nique, Paula Patton, Sherri Shepherd, Stephanie Andujar

Genre
Drama
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
USA

Alternativ- bzw. Originaltitel
Based on the Novel Push by Sapphire




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