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Please Give| Kritik 6/10

Kinostart
08.07.2010



Handlung

Der tägliche Wahnsinn einer New Yorker Familie: Kate (Catherine Keene) betreibt seit Jahren mit ihrem Mann Alex (Oliver Platt) einen Laden für Vintage-Möbel in Manhattan. Sie beginnt plötzlich, sich mit Gewissensbissen zu plagen, da sie die Möbel allesamt aus den Nachlässen von Verstorbenen kauft. Kates Tochter Abby (Sarah Steele) indessen steckt mitten in der Pubertät, hat massive Probleme mit Pickeln und wünscht sich gleichzeitig nichts sehnlicher als eine teure Designerjeans, die ihre Mutter ihr aber nicht kaufen möchte. Kate gibt lieber den Obdachlosen vor ihrem Haus größere Summen. Außerdem planen Kate und ihr Mann die Wohnung gleich nebenan noch dazu zu kaufen. Doch das Ganze ist nicht so einfach: Hier wohnt noch eine alte Dame, Andra (Ann Morgan Guilbert), die von ihren Enkelinnen Rebecca (Rebecca Hall) und Mary (Amanda Peet) versorgt wird. Kate steht vor einem Dilemma: Wie kann man es schaffen, ein guter und großzügiger Mensch zu sein und auch selbst ein gutes Leben zu führen, wenn sich Armut, Obdachlosigkeit und ganz existenzielle Nöte direkt vor ihrer Tür abspielen?


Filmkritik | Please Give

Mittlerweile scheint es sich ja doch bei einigen Verleihfirmen herum gesprochen zu haben:  Grundkenntnisse im Englischen haben deutsche Kinobesucher, und nicht alles muss krampfhaft und schief übersetzt werden. Und so durfte diese kleine amerikanische Wohltätigkeits-Komödie ihren kurzen und knackigen Titel behalten: "Please give".

Keine Frage, es ist ein New York-Film, und zwar einer von der Sorte, in dem schlecht angezogene und ebenso schlecht frisierte 40 Somethings der akademischen Mittelschicht in Appartements und Straßen von Manhattan beständig um sich selber kreisen, intellektuelle Bauchnabelschau betreiben und dabei unentwegt quatschen. Dauergelaber auf hohem Niveau als Überlebensstrategie und Ablenkungsmanöver von der eigenen Bedeutungslosigkeit. Außerhalb von Big Apple könnten solche Filme unmöglich spielen, und erfunden hat sie natürlich Stadtneurotiker Woody Allen ("Whatever Works - Liebe sich wer kann"). Wer derlei küchenpohilosophische Tragikomödien mit Lizenz zum Totquatschen nicht mag, wird auch mit "Please give" wenig anfangen können. Auch wenn es Nicole Holofcener ("Freunde mit Geld"), ein New Yorker Eigengewächs und als Filmemacherin die wohl konsequenteste Erbin des Allenschen Ansatzes, in Sachen Zynismus ein wenig zahmer angeht und ihren Figuren vor allem das verwehrt, was die Woody Allen-Figuren zum Kult werden ließ: die schwarze Doppelbödigkeit.

Die Stärke des Films ist zugleich seine Schwäche: Es ist ein Ensemblefilm, der vom flotten und präzise aufeinander abgestimmten Zusammenspiel der allesamt gut bis sehr gut agierenden Darsteller lebt. Ein Star ist nicht darunter, auch wenn Hauptdarstellerin Catherine Keener ("Der Solist", "Wo die wilden Kerle wohnen") als Kate mehrfach Oscar-nominiert und in den USA eine gefragte Schauspielerin ist. Das macht "Please give" zu einer runden, redlichen Sache ohne Star-Allüren, aber auch zu einer langweiligen: Vor allem Keener schafft es nämlich nicht auch nur ansatzweise, so etwas wie Interesse an der Figur aufkommen zu lassen. Weder Wut, noch Mitleid, noch Verachtung oder gar Zuneigung stellen sich beim Zuschauer ein: Ihre Seelennöte um Obdachlose, Luxusjeans und den ewigen Kampf gegen den inneren Raffke lassen kalt, und wenn im Kino die Lichter angehen, hat man die Figur, die Schauspielerin und den ganzen Film schnell wieder vergessen.  Langweilig ist auch, dass der Zuschauer von Anfang an weiß, wie der Hase läuft und die Figuren wie aus einem Setzkasten für Film-Charaktere herüber kommen: Der dickliche Ehemann und Familienvater Alex (Oliver Platt, "Frost/Nixon", "2012") wird nach einer Affäre in den Schoß der Familie zurück kehren; die kratzbürstige Tochter (eine erfrischende Neuentdeckung für die Leinwand: Sarah Steele, "Spanglish") ist eigentlich eine ganz Liebe und kriegt natürlich am Ende ihren Willen; und Muttern findet  aus dem ganzen Dilemma für sich einen Kompromiss, bei dem sie ihr Gesicht bewahren kann und hat sich dabei nicht einen Finger breit verändert.

Der Rest der Figuren sind sowieso nur Stichwortgeber, die die Handlung voran treiben, allen voran die mit trockener Bösartigkeit immer die Wahrheit sagende greise Nachbarin Andra (Ann Morgan Guilbert, einigen vielleicht noch bekannt als verschrobene Oma Yetta Rosenberg in der Sitcom "Die Nanny"). Hier hätte die Regisseurin die Chance gehabt, mit dem zugespitzten Ausbau dieser Figur etwas Pep in die banal vor sich hin plätschernde Geschichte zu bringen. Sie verschenkt die Chance, indem sie auch diesen Charakter der Ensemble-Disziplin unterordnet und die alte Dame genauso vorhersehbar und im Grunde uninteressant agieren lässt wie die Kollegen. Sehr gut gelungen sind Nicole Holofcener die Auslotungen der Räume, die sie mit nahezu penibler Gründlichkeit ausstattet und wie Bühnenbilder inszeniert. Jeder Sessel, jeder Vorhang und selbst jedes Sofakissen erzählt hier eine Geschichte. Und nur in diesen Räumen funktioniert das im Grunde törichte Geplapper seiner Bewohner. In der einzigen Szene, die in einer Naturlandschaft spielt, verstummen die Menschen. Eine kleine, fein gesetzte Botschaft; allerdings zu wenig, um einen ganzen Kinofilm lang zu fesseln.


Filmkritik von mkrispien

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Steckbrief
Regie
Nicole Holofcener

Darsteller
Amanda Peet, Ann Morgan Guilbert, Catherine Keener, Elise Ivy, Elizabeth Keener, Josh Pais, Oliver Platt, Rebecca Hall, Reggie Austin, Sarah Steele, Scott Cohen, Thomas Ian Nicholas

Genre
Drama, Komödie
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Herstellungsland
USA




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