Pleasantville - Zu schön, um wahr zu sein - Filmkritik | kulthit.de 
Die Filmkritik Community!

Suche
Start » Filmarchiv » Filmkritik

Pleasantville - Zu schön, um wahr zu sein| Kritik

Kinostart
1998



Handlung

Die Geschwister David und Jennifer (Tobey Maguire und Reese Witherspoon) wollen eigentlich einen ganz normalen Samstagabend verbringen. Jennifer hat endlich ein Rendezvous mit einem umschwärmten Schulkameraden, David freut sich auf einen Serienmarathon seiner Lieblingsfernsehserie "Pleasantville". Bei einem Streit geht die Fernbedienung zu Bruch, doch von einem unvermittelt aufgetauchten Fernsehtechniker bekommen sie eine neue, die offenbar magische Kräfte hat: Die beiden finden sich plötzlich in "Pleasantville" wieder, in Gestalt von Bud und Mary Sue Parker, den Kindern der Fernsehfamilie. Die kleine Stadt ist eine heile (Fernseh)-Welt ohne jeglichen Einfluss von außen. Den Bewohnern ist noch nicht einmal bekannt, dass eine Welt außerhalb ihrer engen Grenzen existiert. Man schreibt das Jahr 1958, die Aufklärung der 60er und 70er ist noch Lichtjahre entfernt, die Zustände in der Stadt erscheinen zumindest ihren Bewohnern wie das Paradies. Es gibt keinen Streit unter den Menschen, es passieren keine Unglücke, und Frauen sind einzig und allein dazu da, dem Wohlbefinden der Männer zu dienen. Alle Welt ist zufrieden, bis die beiden Unruhestifter aus dem Jahr 1998 in ihre Schwarzweiß-Kulisse katapultiert werden...


Filmkritik | Pleasantville - Zu schön, um wahr zu sein

Es ist beruhigend zu sehen, dass es in Hollywood noch Drehbuchautoren gibt, die Phantasie haben und nicht nur fade Aufgüsse von bereits da gewesenen Ideen präsentieren. PLEASANTVILLE ist einer der originellsten Filme, die in letzter Zeit im Kino zu sehen waren. Neben seinem Potential, den Zuschauer zum Lachen zu bringen, steckt er voller Symbolik. Man könnte ihn auch "Die Vertreibung aus dem Paradies" nennen, wobei die Bezeichnung "Paradies" natürlich relativ ist. Für die Frauen ist diese heile Männerwelt ganz sicher kein Paradies, denn welche Frau von heute sieht schon ihren Lebensinhalt in der Herstellung von Hackbraten und im Sauberhalten einer Wohnung? Höchste Zeit für den berüchtigten Apfel, der ein bisschen Farbe in die Grautöne des Alltags bringt!

Die Männer versuchen indessen vergeblich, die Entwicklung aufzuhalten und gehen den Weg, den schon viele vor ihnen gegangen sind: Sie entdecken die Gewalt. Sie versuchen es mit Bücherverbrennungen und der Ausgrenzung derjenigen Mitbürger, die "anders" sind als sie selbst, nämlich in Farbe. Letztendlich müssen sie jedoch kapitulieren und einsehen, dass der Fortschritt sich nicht mehr aufhalten lässt.

Was beginnt wie eine Endlos-Seifenoper, wird schnell zur äußerst gelungenen Farce, und trotz des vorherrschenden Humors ist manches dazu angetan, den Zuschauer nachdenklich zu stimmen. Die zunehmende Veränderung der "heilen" Welt wird technisch dadurch umgesetzt, dass immer mehr Bereiche plötzlich farbig erscheinen. Besonders krass ist der Gegensatz von "Gewohntem" und "Neuem" bei den Gemälden des Fast Food Restaurant-Angestellten Mr. Johnson, die alsbald der Zensur zum Opfer fallen. Wer denkt da nicht unwillkürlich an die "entartete" Kunst im Dritten Reich? Ein solcher Farbenrausch ist unerwünscht, ebenso wie alles andere, was den gewohnten Gang der Dinge stören könnte. "Schlecht" ist auch die Emanzipation der Frau, verkörpert durch Buds Mutter Betty (Joan Allen), die zunächst versucht, die Veränderungen unter Make-up vor der Öffentlichkeit zu verbergen, schließlich aber doch dazu steht und ihrem Gatten entgegentritt, der nach wie vor nicht bereit ist, die Zeichen der Zeit zu akzeptieren. Denn wo kämen wir hin, wenn die Männer abends nach Hause kämen und ihr Essen stünde nicht auf dem Tisch?!

Ein Blick in die Abgründe der menschlichen Seele, originell und erfrischend umgesetzt, ein Highlight des Kinojahres 1999.


Filmkritik von Monika Hübner

Sag es weiter



Kommentare

Derzeit sind keine Kommentare vorhanden!

Einen Kommentar schreiben

Bitte beim Kommentieren auf Rechtschreibung und Grammatik achten!

Name
eMail (wird nicht veröffentlicht)
What is 5 + 72 =  
Bitte Sicherheitscode in das rechte Feld eintippen.




Steckbrief
Gastkritiken
Anzeige

Filmfacts
Herstellungsland
USA

Budget
60 Mio. US-Dollar

Einspielergebnis
49 Mio. US-Dollar (weltweit)



Benutzername

Passwort

Anzeige