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Nothing Personal| Kritik 7/10

Kinostart
08.04.2010



Handlung

Die jungen Holländerin Anne (Lotte Verbeek) läßt ihr normales Leben hinter sich. Ihren Rucksack vollgepackt mit einigen elementaren Gegenständen wie Zelt und Schlafsack, tritt sie ihre Reise nach Irland an. Sie wandert durch die einsame Wildnis und fährt nur gelegentlich per Anhalter mit. Eines Tages trifft sie auf den gebildeten Eigenbrötler Martin (Stephen Rea) der ihr Essen anbietet. Sie machen einen Handel: Anne hilft Martin im Garten, dafür bekommt sie von ihm Essen und er stellt keine Fragen über ihr Leben. Schon bald beginnt sie ihre Mauern der Einsamkeit abzubauen und lernst sich selber kennen.


Filmkritik | Nothing Personal

In holländischer Landschaft, so erzählt die niederländisch-polnische Regisseurin Urszula Antoniak, hätte sie diesen Debut-Film niemals drehen können, "da ist immer irgendjemand". Im spärlich besiedelten Nordwesten Irlands gehen die Uhren noch anders, in einer archaischen Landschaft wie aus der Zeit gefallen. Diese Landschaft von Connamara ist in dem irritierend wortkargen und langsamen Film "Nothing Personal" ganz bei sich. Und ist neben den Menschendarstellern eine ebenbürtige Protagonistin in einem gegen den Zeitgeist gebürsteten kleinen Kunstwerk.

Der eigentliche Star des Films aber ist dieses unfassbare Haus, in dem sich längere Passagen vor allem im zweiten Teil dieser nur auf den ersten Blick biografielosen Beziehungsgeschichte der außergewöhnlichen Art entfalten. Ein Haus, wie es sich so mancher unverbesserliche Irland-Romantiker als Domizil für ein anderes Leben abseits vom Lärm der Zivilisation erträumen mag. Nur in einem solchen Haus wären die Einsamkeit und das sich Einigeln in wortkarger Zweisamkeit vermutlich zu ertragen, könnte eine derart radikale Geschichte nicht in den Wahnsinn, sondern zurück ins Leben führen. Das Verblüffende: Das Haus hat im Gegensatz zu den Menschen in diesem Film tatsächlich eine Geschichte: Es heißt "Illaunroe", liegt auf einer Insel in einem Fjord bei Galway und gehörte mal der Familie von Oscar Wilde. Der berühmte irische Dichter, dessen Romanverfilmung "Das Bildnis des Dorian Gray" derzeit in der xten Version über die Kinoleinwände flimmert, verbrachte hier mit seinem Bruder unbeschwerte Kinderjahre und hat dem Ort ein Gedicht gewidmet. Die Originaleinrichtung ist bis ins Detail erhalten und fügt sich harmonisch in den Film ein.

Natürlich ist der Film arg konstruiert, die Geschichte zwischen dem knarzigen Rotweintrinker und Schubert-Freund und der ruppigen holländischen Aussteigerin ein wenig an Haaren herbei gezogen, wenn auch die Auflösung im Rückblick plausibel erscheint. Und der extrem artifizielle Ansatz des Drehbuchs, mit seiner kuriosen Einteilung in fünf Kapitel und dem allzeit spürbaren, ein wenig aufdringlichen Gestaltungswillen seiner Regisseurin ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Auch der gewollt bedeutungsschwangere Einsatz von symbolbeladener Musik wie Schuberts "Winterreise" fördert nicht unbedingt das Vergnügen. Dennoch avancierte der mit 85 Minuten kurze Film - länger könnte man ihn auch kaum aushalten - zum Publikumsliebling auf dem Filmfestival von Locarno und anderswo und wurde auch außerhalb der Arthouse Cinema-Szene überraschend positiv aufgenommen. Vor allem in der holländischen Heimat, wo es in mehreren Kategorien das "goldene Kalb", den einheimischen Oscar gab, und in Deutschland lief und läuft der Film im Vergleich zu seiner Sperrigkeit gut. Nicht unerheblichen Anteil daran hat neben der Suggestionskraft Irlands die großartige niederländische Schauspielerin Lotte Verbeek, für die diese Rolle der Beginn einer großen Karriere bedeuten könnte. Dass die 27jährige Frau mit dem sprechenden Gesicht und den zurückgenommenen Gesten, die die Rolle der Streunerin Anne mit derartiger Leinwandpräsenz zu verkörpern weiß, bislang nur als Model und Fernseh-Kleindarstellerin tätig war, ist kaum zu glauben. Man wünscht ihr noch viele große Rollen in bedeutenderen Filmen. Ihr über 60jähriger Filmpartner, der sympathische nordirische Charakterschauspieler Stephen Rea ("Breakfast on Pluto", "V wie Vendetta") ist ein zurückhaltend-ebenbürtiger Partner und gewährt Miss Verbeek gentlemanlike den Vortritt.

Selten gab es in jüngster Zeit einen Film zu bestaunen, bei dem Ärger über die Selbstverliebtheit von Regie und Drehbuch und Freude über Schauspieler und mitspielende Landschaft derart auseinander klafften. Um einmal vom Dauerpalaver und Action in der Endlosschleife im allgegenwärtigen Mainstream-Kino abzuschalten, dazu taugt der Film allemal. Vielleicht liegt hier das Geheimnis seines überraschenden Erfolges.


Filmkritik von mkrispien

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Nothing Personal

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Steckbrief
Regie
Urszula Antoniak

Darsteller
Ann Marie Horan, Fintan Halpenny, Lotte Verbeek, Sean Mcronnel, Stephen Rea, Tom Charlfa

Genre
Drama

Tags
Einsamkeit
Gastkritiken
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Herstellungsland
Irland, Niederlande




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