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Nord| Kritik 7/10

Kinostart
07.01.2010



Handlung

Jomar raucht, schläft und trinkt ziemlich viel – mit Vorliebe hochprozentigen Alkohol. Seit ein Unfall seine Sportkarriere beendet hat, gibt er sich als Liftwärter in der verschneiten Einöde Norwegens seinem Selbstmitleid hin. Als Jomar erfährt, dass er einen vierjährigen Sohn hoch im Norden haben soll, begibt er sich mit seinem Schneemobil und einem Fünf- Liter-Kanister Alkohol als einzigem Proviant auf eine ebenso kuriose wie poetische Reise. Unterwegs durch atemberaubende Landschaften Richtung Polarkreis begegnen ihm allerhand seltsame Gestalten. Ein einsames junges Mädchen, ein lebensmüder Greis, ein fröhlicher Panzerfahrer und ein Junge mit originellen Trinkgewohnheiten weisen Jomar den Weg zurück ins Leben.


Filmkritik | Nord

Weites Land. Endlos ist die Prärie. Das sind Filmtitel, die in den Sinn kommen, wenn man vom Kinosessel aus dem „Helden“  auf seiner langen Reise zu den Klängen der Steelgitarre folgt. Doch wir sind in Skandinavien, Schnee bedeckt die Landschaft und der Cowboy auf dem Schneemobil ist ein depressiver Skiliftwärter mit massiven Alkoholproblemen. „Nord“ hat der norwegische Regisseur Rune Denstad Langlo seinen Debutfilm lakonisch betitelt. Der mit 78 Minuten für einen Kinofilm ungewöhnlich kurze Streifen ist Road Movie, Ode an die Entschleunigung, am Western geschulter Lonely Hero-Trip und Komödie zugleich. Langlo selber nennt ihn ein „antidepressives Off-Road Movie“. Die eigentliche Hauptrolle spielt die norwegische Landschaft. Und der Schnee. Der Regisseur hat vor „Nord“ Dokumentarfilme gedreht.

Vorweg: Wer im Kino Kurzweil sucht, sollte diesen Film besser meiden. Freunde schräg-trockenen skandinavischen Humors werden auf ihre Kosten kommen – wenn sie genügend Sitzfleisch haben. Es passiert die gesamten 78 Minuten Filmlänge über so gut wie nichts, außer dass ein fetter Alkoholiker um die 30 sich eines Tages vom Säuferlager erhebt und mit Schneemobil, Skiern, einem Kanister Schnaps und jede Menge Zigaretten durch die weiße Unendlichkeit gen Polarkreis zieht, um seinen unbekannten kleinen Sohn zu finden. Dabei tapert er von einer Trotteligkeit in die nächste, begegnet jede Menge seltsamen Käuzen, fackelt en passant seine Hütte ab, wird vorübergehend schneeblind und mehrfach vor dem Erfrieren gerettet. Schließlich findet er auf ungewöhnliche Weise sein Gleichgewicht wieder. Das ist dermaßen norwegisch-langsam und schratig-skandinavisch inszeniert, dass man die erste halbe Stunde genervt ist und dem stumpfsinnigen Jomar am liebsten in den Hintern treten will, um dann unbemerkt in den Sog dieser seltsamen kleinen Wallfahrt zu geraten. Am Ende ist der Zuschauer eins mit Schnee, mit Norwegen und ein bisschen auch mit Jomar.

Bis auf Hauptdarsteller Anders Baasmo Christiansen sind die Darsteller allesamt Laien. Christiansen, der auf der Bühne schon als Shakespeares Hamlet glänzte und in Norwegen ein bekannter Film- und Fernsehstar ist, liefert eine beeindruckende Leistung ab und erinnert in seiner physisch starken Leinwandpräsenz an Philip Seymour Hoffman („Capote“).  Bei der internationalen Filmkritik kam „Nord“ bestens an, sowohl auf der Berlinale als auch auf dem Tribeca Filmfestival in New York gab´s Preise.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Nord

© Alamode Filmverleih

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Steckbrief
Regie
Rune Denstad Langlo

Darsteller
Anders Baasmo Christiansen, Astrid Solhaug, Celine Engebrigtsen, Kyrre Hellum, Lars Olsen, Mads Sjøgård Pettersen, Marte Aunemo

Genre
Drama, Komödie

Tags
Berge
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Herstellungsland
Norwegen




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