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New York Memories| Kritik 4/10

Kinostart
15.07.2010



Handlung

Rosa von Praunheims Erinnerungen an vierzig Jahre New York, der für ihn aufregendsten Stadt der Welt. Er berichtet von der schrillen Warhol-Zeit der 70er, vom Kampf gegen Aids in den 80ern, den hoffnungsvollen 90ern bis zum Schock des 11. September, der Wirtschaftskrise und neuen Träumen durch Barack Obama. Er trifft Anna und Claudia, die Stars seines Kinohits Überleben in New York, ist fasziniert von den jungen, hübschen Schwestern Lucie und Marie Pohl und von Isaac, der schon mit zwölf Jahren aller Welt verkündete, dass er kein Mädchen, sondern ein Junge sei. Es kommt zu Begegnungen mit schrillen und berühmten Persönlichkeiten wie Judith Malina und Klaus Pohl.


Filmkritik | New York Memories

Wer hätte das gedacht: Rosa von Praunheim und der Bayerische Rundfunk machen gemeinsam einen Film. Das einstige Enfant terrible der deutschen Filmemacherszene, der wie kein zweiter Schwulsein und Schrägsein in Deutschland so rigoros, lautstark, schrill und manchmal auch nervig thematisiert hat, ist handzahm geworden; der Kopfschmuck aus rosa Federn wurde gegen ein pinkfarbenes Rentnerhütchen eingetauscht. So spaziert der nunmehr Mittsechziger milde lächelnd durch die Stadt, die niemals schläft, und hängt nostalgischen Erinnerungen nach. Heraus gekommen ist dabei ein nett anzuschauender, allerdings höchst überflüssiger und langweiliger kleiner Film, der vor seiner Fernsehausstrahlung in die deutschen Programmkinos kommt.

New York ist neben Paris nach wie vor die Stadt, die von internationalen Filmemachern am begeistertsten beackert wird.  In dieser Saison beglückten uns bereits "New York, I love you" und "Ein Sommer in New York", auch die Filmhandlung von "Please Give" ist im Big Apple angesiedelt; Julie Delpy bastelt der derzeit an "2 Days in New York", der 2011 in die Kinos kommen soll. Nun also von Praunheim, der allerdings keinen Spielfilm, sondern eine Art filmischen Reise-Essay vorlegt. Gemeinsam ist diesen Streifen: Es geht ihnen gar nicht um New York, sondern um Manhattan, und darin wieder um einen kleinen, begrenzten Ausschnitt: das Manahattan der Künstler und der mehr oder weniger unangepassten akademischen Mittelschicht in Greenwich Village. Dass sie bei Praunheim teilweise schwul oder transgender sind, ist nur ein Teilaspekt. Insofern sind diese Filme, auch wenn sie sich – oder gerade dann -  in Maßen gesellschaftskritisch geben, allesamt ein bisschen verlogen und spiegeln vor allem ein Lebensgefühl wieder, wie es sich die Macher solcher Filme herbei fantasieren. Manhattan als Folie für die eigenen Befindlichkeiten. Dass sie derzeit auffällig geballt auf die Leinwand drängen, hat auch mit dem 11. September zu tun: Fast 10 Jahre nach 2001 ist wieder Normalität am Hudson eingekehrt, so die Botschaft. Wir möchten es gerne glauben.

Von Praunheim ("Die Bettwurst", "Nicht der Homosexuelle ist pervers", "Unsere Leichen leben noch") war nie ein großer Techniker oder gar Stilist, seine Filme lebten immer von der Botschaft, weniger von der Ästhetik. "New York Memories" ist bieder herunter gefilmt, leicht aufgepeppt mit den bekannten Praunheimschen Mätzchen, zusammen montiert mit alten 16 mm-Filmaufnahmen, die der bekennende New York-Fan Praunheim in seiner wilden Zeit in den 1960er und 1970er Jahren u.a. mit Andy Warhol gemacht hat. Dazu gibt es Rückblenden auf die von AIDS überschatteten 1980er Jahre, das Großreinemachen im "Sündenpfuhl" New York in den 1990ern durch den legendären Bürgermeister Giuliani und natürlich das Trauma 9/11. Dazu immer wieder nervende, ein wenig weinerlich wirkende Kommentare des Meisters aus dem Off wie etwa darüber, in New York den geilsten Sex seines Lebens gehabt zu haben. Wenn interessiert´s?  Auch nicht so prickelnd sind die Begegnungen mit in Manhattan lebenden Deutschen, die Praunheim interviewt. Die hat er schon einmal besucht, vor 20 Jahren, für seinen Film "Überleben in New York", der ein großer Erfolg wurde; jetzt trifft er sie wieder. Damals wie heute lautet die Botschaft: Die Mieten in New York City sind Horror, das Überleben hier ist ein ewiger Kampf und nur die Harten kommen in den Garten. Geschenkt, Herr von Praunheim. In Bielefeld ist das Leben auch kein Zuckerschlecken.


Filmkritik von mkrispien

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New York Memories

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Steckbrief
Regie
Rosa von Praunheim

Darsteller
Anna Steegmann, Barbara Epler, Eva Love, Issac Preiss, Jeff Preiss, Lucie Pohl, Marie Pohl, Michael Bloomberg, Roman Pitio

Genre
Deutscher Film, Dokumentation

Tags
New York
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Herstellungsland
Deutschland




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