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Nanga Parbat| Kritik 5/10

Kinostart
14.01.2010



Handlung

Zwei Brüder. Ein Berg. Ihr Schicksal. Die Brüder Reinhold und Günther Messner setzen sich als Kinder das Ziel, irgendwann den Nanga Parbat, den über 8.000 Meter hohen "nackten Berg" im Himalaya, zu besteigen. Im Jahre 1970 ist es für die damals 23 und 25 Jahre alten Brüder dann soweit. Unter der Führung des Expeditionsleiters Dr. Karl Maria Herrligkoffer (Karl Markovics) will eine Elite internationaler Bergsteiger den Gipfel erobern. Die Route führt über die legendäre Rupalwand, die höchste Steilwand der Erde. Nach einer Schlechtwetterwarnung entscheidet sich Reinhold (Florian Stetter) den Gipfel alleine zu erreichen. Günther (Andreas Tobias), der weniger Erfahrung besitzt, folgt seinem älteren Bruder. Doch er wird höhenkrank und mit dem Abstieg beginnt der Kampf ums Überleben. Nur Reinhold kehrt lebend ins Tal zurück.


Filmkritik | Nanga Parbat

Vor kurzem hat der Kinofilm "Nanga Parbat" in München, der Heimatstadt des Regisseurs Joseph Vilsmaier, seine erfolgreiche Premierenvorstellung feiern können. Gedreht wurde das Bergsteigerdrama für ein recht bescheidenes Budget von sieben Millionen Euro, manch ein "Event"-Movie der privaten TV-Kanäle weist hier ein höheres Budget auf. Den Kameramännern Helmfried Kober und Joseph Vilsmaier gelingen in "Nanga Parbat" zahlreiche visuell beeindruckende Passagen. Dass ein Großteil der Spiel- und Stuntszenen tatsächlich nicht an Originalschauplätzen, sondern in den Tiroler Alpen gedreht wurden, dürfte dabei wohl nur wenigen Zuschauern auffallen. Die Verbindung der am Nanga Parbat gedrehten Totalen und Panoramen mit dem in Europa gedrehten Material gelingt meist gut, lediglich die Dynamik des Filmschnitts lässt leider zu wünschen übrig. Manche Szenen wirken auf Grund dessen unnötig behäbig.

Das dramaturgisch durchaus gelungene Drehbuch von Reinhard Klooss und Sven Severin verarbeitet die realen Ereignisse leider allzu sehr aus der Perspektive der Bergsteiger-Legende Reinhold Messner, der auch sehr stark in die Produktion als Berater involviert war. Er war an vielen Drehtagen anwesend, unter anderem auch an einigen Originalschauplätzen im Himalaja. Auch auf vielen Kinoplakaten wird offensiv mit dem berühmten Alpinisten und der Botschaft "Der neue Film von Joseph Vilsmaier in Zusammenarbeit mit Reinhold Messner" geworben.

In der Literatur wird der Nanga Parbat häufig "deutscher Schicksalsberg" genannt und diese Bezeichnung hat nicht zufällig einen seltsamen Beigeschmack, denn dieser Begriff wurde in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geprägt, als die Propaganda in Deutschland nach Wegen aus der nationalen Identitätskrise suchte und unter anderem im alpinen Bergsport fand. In den größtenteils noch unbezwungenen 8000ern des Himalajagebirges sollte "deutsche Tüchtigkeit" im Sinne einer Identitätsfindung für die Nation genutzt werden. Diese dramatische Überhöhung des Bergsteigens führte zahlreiche Expeditionen zum Nanga Parbat, von denen die meisten scheiterten und viele Menschenleben kosteten.

Prägnant besetzt ist in "Nanga Parbat" die Person des Expeditionsleiters Karl Maria Herrligkoffer mit dem österreichischen Charakterdarsteller Karl Markovics. Dem legendären Alpinisten und Organisator Herrligkoffer gelang im Jahre 1953 als Leiter einer Expedition immerhin die erfolgreiche Erstbesteigung des "deutschen Schicksalsberges" Nanga Parbat, und auch in den Jahren zwischen 1953 und der schicksalshaften Expedition im Jahre 1970 organisierte und leitete er zahlreiche erfolgreiche Expeditionen, bei denen er jedoch nie selbst die Gipfel erklomm, sondern sich auf die Logistik, Vorbereitung und natürlich auch die Finanzierung der Unternehmungen konzentrierte. In "Nanga Parbat" kommt Herrligkoffer denkbar schlecht weg und wird beinahe dämonisiert. An dieser einseitigen Charakterzeichnung lässt sich auch in "Nanga Parbat" eine immer wieder an den Filmwerken Joseph Vilsmaiers geäußerte Kritik festmachen. Filmkritiker werfen dem erfolgreichen Regisseur eine zu starke historische Reduktion seiner auf wahren Begebenheiten beruhenden Filmstoffe vor.

Deutlich aufgewertet wird der nur streckenweise überzeugende Film durch den außergewöhnlichen und innovativen Score des Oscar-prämierten Filmkomponisten Gustavo Santaollala ("Brokeback Mountain" und "Babel"), der auch ohne dazugehörendes Bild sehr hörenswert ist.
Filmkritik von Gastautor

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Bilder / Fotos

Nanga Parbat

© Senator Film Verleih

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Steckbrief
Regie
Joseph Vilsmaier

Darsteller
Andreas Tobias, Florian Stetter, Jule Ronstedt, Karl Markovics, Lena Stolze, Markus Krojer, Michael Kranz, Steffen Schröder, Volker Bruch

Genre
Biografie, Deutscher Film, Drama

Tags
Berge
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Herstellungsland
Deutschland




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