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Mütter und Töchter| Kritik 9/10

Kinostart
28.04.2011



Handlung

Los Angeles. Drei Frauen. Drei Schicksale. Physiotherapeutin Karen (Annette Bening) leidet bis heute unter dem Verlust ihres Kindes, das sie als 14-Jährige nach einer ungewollten Schwangerschaft zur Adoption hatte freigeben müssen. Elizabeth (Naomi Watts) ist eine erfolgreiche, ambitionierte Anwältin, die alles unter Kontrolle hat und die Erinnerung an ihre Vergangenheit unter Arbeitswut und Sex, etwa mit ihrem aktuellen Chef Paul (Samuel L. Jackson) vergräbt. Lucy (Kerry Washington) wünscht sich nichts sehnlicher als ein Baby, doch sie und ihr Mann können keine Kinder bekommen. Sie entscheiden sich für eine Adoption, aber die schwangere Frau hat immer wieder Zweifel, ob die beiden die Richtigen sind. Drei Frauen und drei  Schicksale, die mehr miteinander verbindet, als zunächst angenommen.


Filmkritik | Mütter und Töchter

Der Film "Mütter und Töchter" feierte im September 2009 seine Premiere und lief bis Herbst 2010 in den meisten relevanten Filmmärkten. Es stellt sich also die Frage, warum ein solcher Film in Deutschland überhaupt noch in die Kinos gebracht wird? Doch nachdem Annette Bening die letzte Träne verdrückt und der Film die letzte Abblende vollzogen hat, kann sich jeder Zuschauer diese Frage selbst beantworten.

"Mütter und Töchter" folgt einer einfachen Prämisse, die sehr früh preisgegeben wird: Menschen finden sich und das Leben geht stets seinen Weg. Der Film geht der alten Frage nach, was für Einflüssen, Gefühlen und Gedanken Adoptivkinder und ihre Eltern, während ihrem Leben als Teil der Adoptionskette, ausgesetzt sind. Keine leichte Kost, trotz des unbeholfenen Filmtitels - der englische Originaltitel "Mother and Child" darf sich damit rühmen, etwas weniger plakativ und einfältig zu sein, schließlich steht die Mutterliebe im allgemeinen ohne geschlechtsspezifischem Schwerpunkt auf dem Prüfstand. Annette Bening spielt sich als sozial unfähige Außenseiterin erneut um Herz und Verstand - glücklicherweise ohne das von Klischees überfrachtete Bild eines Film-Halbautisten weiter zu fördern. Von Jahr zu Jahr wird die Tatsache, dass diese Frau noch keinen Oscar gewonnen hat, unerklärlicher. Naomi Watts, Kerry Washington und nicht zuletzt Samuel L. Jackson sorgen mit ihrem Spiel ebenfalls, dass man als Zuschauer Pudding in ihren Händen wird. Zumindest eine Erwähnung muss außerdem Cherry Jones finden, die als Schwester Joanne der US-amerikanischen Adoptionsbehörde - die mit ihren willkürlichen Regeln und Vorschriften Menschen mit einem Wimpernschlag für immer trennen oder zusammen schweißen kann - ein warmherziges Erscheinungsbild verleiht. Beinahe möchte man glauben, dass das Schicksal selbst seine Finger im Spiel hat und durch Schwester Joanne Einfluss nimmt.

Der Film ist eine US-amerikanisch-spanische Co-Produktion. Auch wenn dem Trailer die spanischen Wurzeln nicht sofort anzumerken sind, werden sie im Film selbst umso offensichtlicher. Es liegt nicht bloß an dem Latino-Ratpack Alfonso Cuarón, Alejandro González Iñárritu und Guillermo Del Toro, die sich als Produzenten dem Projekt von Regisseur und Autor Rodrigo García annahmen, sondern an dem allgegenwärtigen Einfluss von namhaften, spanischen Regisseuren wie Iñárritu selbst oder auch Pedro Almodóvar - dem Vater des einfühlsamen, feministischen Frauenfilms. Was man dem Film vorwerfen kann, ist sein pessimistisches Männerbild. Männer kommen und gehen, nur die eigenen Kinder bleiben einem für immer. Eine fragwürdige Lehre, die man aus dem Film ziehen könnte, wäre da nicht ein Lichtblick in Gestalt von Jimmy Smits, der sich nach glanz- und machtvollen Rollen nun als dickbäuchiger, in die Jahre gekommener Jedermann zeigt - und bewahrt "Mütter und Töchter" davor, in seinem Östrogen zu versinken.

"Mütter und Töchter" ist ein Werk, das man auf sich wirken lassen sollte. Es enthält einem die Erfüllung der eigenen Erwartungen und Sehnsüchte vor, bricht sie und löst sie ins Gegenteil gekehrt auf unerklärlicher Weise doch irgendwie ein. Diese schmerzhafte und doch erfüllende Ironie zeichnet diesen feinfühligen und emotional hoch intelligenten Film aus.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

Mütter und Töchter

© Universum Film

Kommentare


Klaus Oberhaus
09.05.2011, 16:17:01
Ohne Prüde zu sein bin ich nach wie vor der Meinung, dass ein guter Film ohne Bettszenen auskommt. Dieser Film besteht lediglich aus einer Aneinanderreihung von Bettszenen und nervigen Dialogen psychisch überlasteter Frauen. Nach Gut der Hälfte des Films habe ich das Kino verlassen und mir somit weitere 45 Minuten Langeweile ersparrt.

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Steckbrief
Regie
rodrigo garcía

Darsteller
Annette Bening, Cherry Jones, David Morse, David Ramsey, Elpidia Carrillo, Jimmy Smits, Kerry Washington, Lisa Gay Hamilton, Naomi Watts, S. Epatha Merkerson, Samuel L. Jackson, Shareeka Epps, Simone Lopez

Genre
Drama
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Spanien, USA

Alternativ- bzw. Originaltitel
Mother and Child




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