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Morning Glory| Kritik 3/10

Kinostart
13.01.2011



Handlung

Als die engagierte Becky Fuller (Rachel McAdams), Fernsehproduzentin einer lokalen Nachrichtensendung, gefeuert wird, sieht es mit ihrer Karriere ebenso trostlos aus wie in ihrem nicht wirklich existenten Liebesleben. Zufällig stolpert sie über ein Jobangebot bei "Daybreak" – der letztplatzierten aller nationalen Morgenshows im amerikanischen Fernsehen – und nimmt sich vor, die Sendung ordentlich auf Vordermann zu bringen. Als erste Maßnahme holt sie den legendären TV-Anchorman Mike Pomeroy (Harrison Ford) an Bord. Dumm nur, dass der altmodische Nachrichtenmann es als unter seiner Würde empfindet, seine Zeit mit üblichen Morningshow-Standards wie Tratsch, Wetter, Mode oder Handwerkssachen zu verplempern. Und dass er sich kategorisch weigert, mit seiner neuen Kollegin, der ehemaligen Schönheitskönigin Colleen Peck (Diane Keaton), die überhaupt kein Problem mit dem üblichen Frühstücksfernsehen-Programm hat, zu arbeiten, macht die Dinge nicht einfacher. Der Zickenkrieg zwischen Mike und Colleen geht schließlich auch an Beckys zart erblühender Affäre mit ihrem Produzentenpartner Adam Bennett (Patrick Wilson) nicht spurlos vorüber. Und auf einmal muss sie ihre Beziehung, ihren Ruf, ihren Job und nicht  zuletzt die Show selbst retten.


Filmkritik | Morning Glory

Amerikanische Filmkomödien, die im Milieu der Macher von Trash-TV wie Frühstücksfernsehen angesiedelt sind, haben für Nicht-Eingeweihte einen gewaltigen Gähnfaktor. Interessiert es wirklich jemanden zu sehen, wie ein paar durchgeknallte Fernsehfuzzis viel Lärm um nichts veranstalten und Stürme in der Kaffeetasse und in der Shampooflasche veranstalten für eine Handvoll Dollar auf dem Bankkonto? Wenn das Drehbuch erstklassig ist, mit einem knackigen Plot, glaubwürdigen Charakteren und einer gehörigen Portion Sarkasmus, dann könnte es klappen. Ein hervorragener Regisseur und ein gut aufeinander eingespieltes Schauspielerteam können ebenfalls nicht schaden. Der bravouröse Geniestreich „Broacast News– Nachrichtenfieber“ von James L. Brooks machte es bereits 1987 vor, wie´s geht. Bei „Morning Glory“ von Roger Michell lässt das Sandmännchen grüßen.

Woran liegt es, dass der eine Film auch heute noch begeistert, während der andere zum Schlafmittel mutiert? Liegt es wirklich nur daran, dass Michell zuvor für Werke wie „Notting Hill“ verantwortlich zeichnete, während Brooks als einer der geistigen Väter der „Simpsons“ gilt? Zum Teil sicher, denn von Satire ist die weichgespülte Morgenglorie soweit entfernt wie New York City von Notting Hill. Daran kann auch das Schlachtross-Gespann Diane Keaton und Harrison Ford, die  in komödiantischer Höchstlaune sind,  aber mit der dünnen Story deutlich unterfordert, nichts ändern. Mit „Notting Hill“ hatte der Südafrikaner Michell einst eine runde, charmante Sache hingekriegt, die nichts anderes zu sein vorgab, als sie war: eine nette, in Maßen schmalzige romantic comedy mit leicht satirischem Einschlag und London als Kulisse.  Irgendwie lief dieser Film wie von alleine, und den Namen des Regisseurs musste man sich nicht unbedingt merken - ein Mega-Erfolg wurde der Streifen mit ihm oder ohne ihn. Vor allem da ihm ein britischer Kumpel ein idiotensicheres Erfolgs-Drehbuch maßgeschneidert hatte.

So simpel ging das Rezept bei „Morning Glory“ leider nicht auf. Regisseur  Michell, der nach „Notting Hill“ eine handvoll von der Kritik anerkannter, vom Publikum missachteter kleiner, sehr britischer Independent-Streifen gedreht hatte, ließ sich leider verführen, zum ersten Mal in seiner Karriere in das Haifischbecken Hollywood zu steigen. Da ging er dann gründlich baden, wurde vom schwachsinnigen Drehbuch der „Der Teufel trägt Prada“- Autorin Aline Brosh McKenna  im Stich gelassen und von dem seine Regieanweisungen völlig missachtenden amerikanischen Schauspielerteam in Fetzen gerissen. Vor allem Hauptdarstellerin Rachel McAdams („Sherlock Holmes“) scheint sich während der Dreharbeiten völlig vom Regiestuhl abgekoppelt zu haben und läuft komödiantischen Amok. Wenn das ein Versuch von Hollywood gewesen sein soll, die hinternwackelnde und schnuteziehende Kanadierin als neue Julia Roberts aufzubauen, so ging der Versuch gründlich schief. Zunächst einmal sollte die Actrice schauspielerische Disziplin lernen und nicht ungehemmt die Leinwand für die Präsentation ihrer doch sehr begrenzten schauspielerischen Mittel nutzen. Den unbedeutenden Kollegen an ihrer Seite, Patrick Wilson („Umständlich verliebt“), walzt sie gnadenlos nieder wie eine Dampfwalze. Was nicht nur tödlich für die berühmte Chemie ist, sondern auch jede romantische Anwandlung beim Zuschauer im Keim erstickt.
Derlei Mätzchen kann man den altgedienten Schlachtrössern Diane Keaton („Was das Herz begehrt“) und Harrison Ford („Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“) natürlich nicht vorwerfen, dazu sind sie zu sehr Profis. So richtig wollen die Funken zwischen sarkastischem Griesgram und überdrehter Zicke allerdings auch hier nicht sprühen. Und dass der ansonsten so geniale Jeff Goldblum („Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected“) in diesem lieblos herunter gedrehten Streifen auch noch mitspielt, es fällt nicht weiter auf.

Regisseur Michell wird hoffentlich seine Lektion gelernt haben: Amerikanisches Frühstücksfernsehen ist nicht die BBC, und wer in England mit lieben Kollegen gute Filme hinkriegt, schafft im Haifischbecken Hollywood nicht unbedingt die Seepferdchen-Prüfung. Und an der Themse wartet noch jede Menge guter Komödienstoff.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Morning Glory

© Paramount Pictures Germany GmbH

Kommentare


Andrea
12.01.2011, 22:51:22
Gähn, gähn, gähn und nochmals gähn. Lohnt noch nicht mal als DVD.

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Steckbrief
Regie
Roger Michell

Darsteller
50 Cent, Arden Myrin, Diane Keaton, Harrison Ford, Jeff Goldblum, Liam Ferguson, Lloyd Banks, Noah Bean, Patrick Wilson, Rachel McAdams, Tony Yayo, Ty Burrell, Vanessa Aspillaga

Genre
Komödie
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Herstellungsland
USA




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