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Mit aller Macht| Kritik

Kinostart
1998



Handlung

Jack Stanton (John Travolta) hat ein hochgestecktes Ziel: Er will Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden, und dazu ist ihm (fast) jedes Mittel recht. Mit Unterstützung seiner Frau Susan (Emma Thompson) und seinem neuen Assistenten Henry Burton (Adrian Lester) stürzt er sich in einen Wahlkampf, bei dem nicht nur öffentlich schmutzige Wäsche gewaschen wird, um seinen Gegenkandidaten Fred Picker (Larry Hagman) auszubooten, sondern auch seine eigene nicht ganz saubere Weste ein paar Flecken mehr bekommt. Seiner ehemaligen Mitarbeiterin Libby Holden (Kathy Bates) ist seit langem bekannt, dass Jack kein Kind von Traurigkeit ist und einiges an Affären hinter sich hat. Als er jedoch öffentlich beschuldigt wird, eine Frau sexuell belästigt zu haben, tut sie das ihrige, um dem Skandal entgegenzuwirken...


Filmkritik | Mit aller Macht

Falls "Mit aller Macht" ein Hinweis darauf sein sollte, dass wir demnächst doch wieder bessere Filme im Kino sehen werden, als das in den letzten Wochen und Monaten der Fall war, nehmen wir dies mit Erleichterung zur Kenntnis. Der Film ist eine wohltuende Abwechslung im diesjährigen flauen Kinosommer und vielleicht als Zeichen zu werten, dass dieser nun endlich vorüber ist - höchste Zeit wäre es. Das Thema ist im Hinblick auf die noch nicht vergessene Clinton-Affäre brandaktuell und von Mike Nichols gut umgesetzt, wenn auch streckenweise ein wenig langatmig. Letzteres kann aber auch lediglich ein subjektiver Eindruck sein, der von extrem unbequemen Kinosesseln in Verbindung mit einer Minileinwand hervorgerufen wurde, die das Erlebnis "Kino" in diesem Fall doch etwas geschmälert haben.

Auch wenn man nicht unbedingt ein Fan von John Travolta ist, muss man ihm zubilligen, dass er Jack Stanton brillant und überzeugend spielt. Die Rolle des aalglatten Politikers, der notfalls auch einmal über Leichen geht, meistert er ebenso leicht wie die des frustrierten Museumswärters in "MAD CITY", der unversehens zum Geiselnehmer wird. Tanzen darf er in diesem Film zwar auch, aber nur ein einziges Mal und kontextbedingt. Er wird tatkräftig unterstützt von Emma Thompson in der Rolle der zukünftigen First Lady, die offensichtlich bereit ist, ihrem Gatten alles zu verzeihen, wenn er ihr diese verlockende Stellung verschafft. Schön, wenn man trotz aller Stürme und ehelichen Fast-Katastrophen noch in der Lage ist, die liebende Ehefrau zu spielen - ob das im umgekehrten Fall wohl genauso gewesen wäre?

Ein überraschendes Wiedersehen mit Ex-Dallas-Ekel Larry Hagman wird denjenigen Zuschauern beschert, die alt genug sind, um sich noch an diese TV Soap Opera aus den 80er Jahren zu erinnern. Es muss wohl sein Blick sein, der ihn nicht vom Image des Fieslings wegkommen lässt. Denn auch wenn Gouverneur Fred Picker sich zunächst als sympathisch und medienwirksam präsentiert, zeigt er nach und nach doch sein wahres Gesicht, nämlich das, das man von einem Politiker im allgemeinen erwartet. Oder glauben Sie noch an Märchen, vor allem, wenn diese während eines hitzigen Wahlkampfes erzählt werden?

Der heimliche Star des Films "Mit aller Macht" ist jedoch Kathy Bates als Libby Holden, die neben Henry Burton den Gegenpol darstellt zu den mehr oder weniger korrupten Politikern. Sie schafft es, beim Zuschauer wahre Anteilnahme am Geschehen zu erwecken, so dass man die ganze Zeit schwankt, ob man Stanton letztendlich den Wahlsieg doch noch wünschen sollte, auch wenn man eher den Eindruck hat, einen mit allen Wassern gewaschenen Emporkömmling vor sich zu haben. Sie verkörpert das tragische Element in dieser schwarzen Komödie, und sie tut es meisterhaft.

Schade um diesen gelungenen Film, der von den Sommerblockbustern wahrscheinlich auch anderswo in die Kleinstkinos abgedrängt wird, er hätte besseres verdient. Wer noch an ehrenwerte, aufrechte Politiker glaubt, sollte ihn meiden, wer einen sarkastischen Blick auf die nicht immer rosige Wirklichkeit vertragen kann, sollte sich jedoch nicht abschrecken lassen und vielleicht ausnahmsweise auf den großen Saal mit Panoramaleinwand verzichten. Je nach Qualität der Sessel können die ca. 140 Minuten Lauflänge unter Umständen jedoch zu Stresserscheinungen führen, wodurch sich Nebenwirkungen auf eine spätere Kritik nicht immer vermeiden lassen.


Filmkritik von Monika Hübner

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Steckbrief
Regie
Mike Nichols

Darsteller
Adrian Lester, Billy Bob Thornton, Caroline Aaron, Diane Ladd, Emma Thompson, John Travolta, Kathy Bates, Larry Hagman, Maura Tierney, Paul Guilfoyle, Stacy Edwards

Genre
Drama, Komödie
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan

Alternativ- bzw. Originaltitel
Primary Colors

Budget
65 Mio. US-Dollar

Einspielergebnis
52 Mio. US-Dollar (weltweit)



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