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Miral| Kritik 3/10

Kinostart
18.11.2010



Handlung

Ein Land. Drei Frauen. Ein gemeinsamer Traum. Um Miral (Freida Pinto) rankt sich die ungewöhnliche, berührende Geschichte zweier Generationen, die zusammen das Schicksal eines ganzen Volkes widerspiegeln: Palästina. Neben Hind (Hiam Abbass), Nadia (Yasmine Al Masri) und Miral spielt das Land mit seinem Licht, seinen Farben und seinen Gerüchen die Hauptrolle, wobei es nur eine Botschaft gibt: endlich Frieden.


Filmkritik | Miral

Der Regisseur dieses Films, Julian Schnabel, ist eigentlich Maler, ein ziemlich berühmter und einer der teuersten der Welt. Seit den 1990-er Jahren leistet sich der New Yorker Independent-Filme, die international bei Cinéasten gute Kritiken ernteten. Am liebsten verfilmt er ungewöhnliche Lebensgeschichten und heimste mit "Schmetterling und Taucherglocke" über einen ganzkörpergelähmten Journalisten 2007 eine Oscar-Nominierung ein. Jetzt wagte sich der aus einer jüdischen Familie stammende Schnabel an die konfliktreiche Geschichte der Palästinenser und Israelis. Ein heißes Eisen, an dem sich der Filmemacher gründlich die Finger verbrannte.

Vorweg: Schnabel, seit Jahren bekannt als scharfer Israel-Kritiker, hat eine palästinensische Lebensgefährtin. Die Schriftstellerin hat ein Buch über ihre Kindheits- und Jugendjahre als Palästinenserin in Israel verfasst und schrieb auch das Drehbuch zum Film ihres Lebenspartners. Professionelle Beratung nahmen die Beiden dabei offenbar nicht in Anspruch. Das Skript ist dramaturgisch dermaßen zerfahren, schwer an bedeutungsschwangeren, aber letztendlich inhaltsleeren Dialogen und befleißigt sich derart eines rigorosen-antiisraelischen Feldzuges, dass es schmerzt. Der mündige Zuschauer will im Kino nicht belehrt und in eine bestimmte politische Richtung gezwungen werden, sondern sich selber ein Bild machen. Das wird jedoch von Maler-Regisseur Schnabel in Sachen Palästina knallbonbon bunt, politisch ohne Abstriche im Recht und mit durchweg schönen oder mit edlen Motiven gesegneten Menschen gezeichnet; Israel wird grundsätzlich in Schwarzweiß als Aggressor präsentiert, kommt nur in alten Wochenschau-Schnipseln vor oder in Gestalt einer sadistisch prügelnden Gefängnisaufseherin. Die Menschen in Israel, ihre Geschichte oder was sie letztendlich dazu bewog oder auch zwang diesen Staat zu gründen, kommen im Film allenfalls als Störfaktor vor. Ihre Sicht der Dinge zumindest verstehen zu können, auch wenn man Israel politisch kritisch gegenüber stehen mag, diese Gelegenheit gibt der Film dem Zuschauer nicht. Der Appell zum Frieden auf beiden Seiten am Schluss des Films wirkt dabei wie politisch korrekt angepappt. Ein Geschmäckle, von der Leinwand herunter propagandistisch bearbeitet zu werden, bleibt.

Übel stößt auch auf, dass der offenbar schwer verliebte Filmemacher das teils fiktionale, teils autobiografische Schicksal seiner jungen und schönen Gefährtin derart penetrant in den Mittelpunkt rückt und völlig verkitscht im Stil von Bollywood inszeniert. Dazu trägt Hauptdarstellerin Freida Pinto bei, eine indische Schönheit, die durch den Mega-Erfolg "Slumdog Millionär" einem internationalen Publikum bekannt wurde und die optisch Rula Jebreal, der Drehbuchautorin und Schnabel-Freundin, verblüffend ähnelt. Wie diese eigentlich nicht schauspielernde, jedoch sehr leinwandpräsente indische Elfe glamourös durch Krieg und Frieden auf Palästinensisch gleitet, hin und her gerissen zwischen ihrem edelmütig-moderaten Vater Jamal (Alexander Siddig, "Syriana") und ihrem politisch radikalen Geliebten Hani (Omar Metwally, "Machtlos"), das ist an Kitsch kaum zu ertragen. Die wüsten optischen und kameratechnischen  Sperenzchen des Maler-Regisseurs im Verein mit seinem französischen Kameramann Eric Gautier ("Vorsicht Sehnsucht"), die zu der eher konventionell erzählten Geschichte nicht so recht passen wollen, machen es auch nicht besser.

Die heimliche Heldin des Films, die real existierende, 1994 verstorbene Schulleiterin Hind Husseini, die in Jerusalem ein Waisenhaus und eine Schule für palästinensische Kinder mit auch jüdischen Schülern sowie ein College für Mädchen gründete, gerät dabei nach dem Willen des Drehbuchs leicht in den Hintergrund. Doch da ist ja noch die wunderbare Hiam Abbas ("The Limits of Control"), eine arabische Schauspielerin mit israelischem Pass, die dieser international geehrten Ikone des  palästinensischen Bildungswesens ein eindringliches Gesicht gibt. Abbas, eine der wenigen arabisch-israelischen Schauspielerinnen mit internationalem Erfolg, ließ schon in ihrer feinen Frauenstudie in "Ein Sommer in New York" aufmerken. Mit "Miral" dürfte die aparte Schauspielerin, die in diesem Film Mut zur ungeschminkten Natürlichkeit beweist, endgültig im Olymp hochkarätiger Charakterdarstellerinnen angekommen sein.

Positiv an diesem insgesamt misslungenen Filmwerk ist der ehrenwerte Ansatz, die Geschichte und das Leid der Palästinenser einmal nicht aus der Sicht von Politikern und Kämpfern, sondern aus der der Frauen zu zeigen. Mitprodudziert hat diese internationale Pathé-Produktion mit französischer, italienischer und indischer Beteiligung übrigens Israel.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Miral

© Prokino Filmverleih GmbH

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Steckbrief
Regie
Julian Schnabel

Darsteller
Alexander Siddig, Freida Pinto, Hiam Abbass, Makram Khoury, Omar Metwally, Ruba Blal, Shredi Jabarin, Vanessa Redgrave, Willem Dafoe, Yasmine Al Masri

Genre
Drama
Gastkritiken
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Herstellungsland
Frankreich, Israel, Italien, Indien




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