Handlung
Harvey Milk (Sean Penn) und Scott Smith (James Franco) leben in New York und sind ein glückliches Paar. Doch sie haben vom Leben in New York die Nase voll und suchen ein neues Heim an der Westküste.
Wir schreiben das Jahr 1972, die beiden Männer eröffnen in einem Arbeiterviertel von San Francisco ihren eigenen kleinen Fotoladen. Dank Milks Offenheit entwickelt sich das Geschäft zum Mittelpunkt des Viertels. So organisiert er schwule Straßenfeste und protestiert gegen die Diskriminierung in seinem Land. Als der Wahlkampf für den Stadtrat beginnt, will sich Milk aufstellen lassen und bekommt unzählige Helfer und Freunde dazu. Doch in dieser Zeit zerbricht die Beziehung zu seinem langjährigen Freund Scott. Mit Hilfe seines neuen Geliebten Jack Lira (Diego Luna) gewinnt Milk den Einzug in den Stadtrat und muss sich nun seinen politischen Gegnern stellen. So entpuppt sich der Stadtrats-Kollege Dan White (Josh Brolin) als Todfeind!
Filmkritik | Milk
Wer in gesellschaftskritischen und politischen Filmen zu Hause ist, wird die schauspielerischen Meisterleistungen eines Sean Penn spätestens in "Attentat auf Richard Nixon" kennen und lieben gelernt haben. Der vielseitige, amerikanische Schauspieler scheint nun seine Heimat im entsprechenden Genre gefunden zu haben und füllt dies auch in hervorragender Manier aus. Hinter seiner Leistung steht bisweilen doch die Handlung des Filmes ein wenig im Hintergrund, was gerade bei einer Biografie nicht immer wünschenswert ist.
Für den Zuschauer mag es zunächst etwas ungewohnt sein, sich an die amerikanische Westküste in den frühen Siebziger Jahren zu schlagen. Zu klischeehaft wirken manche Einstellungen, die Hollywood heute immer wieder von diesem Jahrzehnt erzeugt, so dass der Film zunächst nur schwer in die Gänge kommt. Die wahre Geschichte des Politikers Harvey Milk, der intensiv für Menschen- und Schwulenrechte Zeit seines Lebens kämpfte und entsprechend auch zum Ende des Films bei einem Attentat ums Leben kam, findet vor allem in der zweiten Hälfte des über zwei Stunden dauernden Films ausreichende Würdigung, die mit nur sehr geringen Mitteln des sonst so massenhaft verschütteten Hollywood-Pathos ersoffen wird.
Ein grundlegendes Interesse an politischen Inhalten, gesellschaftlichen Themen und sachlichen Biographien sollte der Kinobesucher also in jedem Fall mitbringen, wenn er sich "Milk" anschaut. Mit üblichen Hollywoodfilmen hat der Streifen nicht vieles gemeinsam, auch im Vergleich zu sonst glamorös in Szene gesetzten Biographien geht es bei "Milk" eher dezent zu. Ein passendes Szenario für alle, die sich zwei Stunden auf die durchaus spannende und kritische Story einstellen wollen. Für andere Kinobesucher, die eher Action und Spannung gewohnt sind, dürfte sich dieser Film eher etwas ziehen. Somit ist "Milk" also kein zweiter "JFK" und auch kein zweiter "Richard Nixon", sondern ein ernst zunehmendes Hollywoodwerk, dass trotz einzelner Längen in der ersten Hälfte ein Muss für alle Freunde des politischen Filmes sein sollte.
Filmkritik von Gastautor