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Mein bester Feind| Kritik 8/10

Kinostart
01.09.2011



Handlung

Wien, 1938: der jüdische Galeristensohn Victor Kaufmann (Moritz Bleibtreu), der Arbeiter Rudi (Georg Friedrich) und Victors Freundin Lena (Ursula Strauss) sind unzertrennlich. Nur insgeheim neidet Rudi dem Freund Frau und Finanzen. Eines Tages tauscht Rudi seine Arbeiterkluft gegen die SS-Uniform und verrät seinen Nazi-Kumpels ein brisantes Geheimnis: die Kaufmanns besitzen einen echten Michelangelo! Was Rudi nicht weiß – auch zwei Fälschungen sind im Umlauf. Rudi beschlagnahmt, was er für das Original hält, schickt die Kaufmanns ins KZ und verlobt sich mit Lena. Doch gerade als der Michelangelo dem Duce geschenkt werden soll, entdeckt man das Geheimnis: die Italiener sind empört. Rudi sammelt Victor im KZ ein – er soll ihn nach Berlin zu den etwas anderen Verhörmethoden bringen. Als das Flugzeug abstürzt und Rudi verletzt am Boden liegt, schnappt sich Victor Rudis Uniform. Mit vertauschten Rollen geht es nun zur Kommandozentrale, aber dorthin ist auch Lena unterwegs, um ihren Verlobten zu besuchen... Die Jagd nach dem echten Michelangelo ist eröffnet!


Filmkritik | Mein bester Feind

Moritz Bleibtreu in einer Tragikomödie ist heutzutage keine wirkliche Schlagzeile mehr wert. Selbst wenn es sich um eine österreichisch-luxemburgische Koproduktion handelt und ein Regiekaliber wie Wolfgang Murnberger das Zepter schwingt. Aber wenn sich der Film einem der dunkelsten Kapitel der österreichischen Geschichte widmet, auf Grundlage eines Romans mit dem Titel „Wie es Victor Kaufmann gelang, Adolf Hitler doch noch zu überleben“ und das Ganze zur beschwingten Wiener Holocaust-Verwechslungskomödie avanciert, dürfte der Köder am Haken hängen.

Somit war die Neugierde auf diese Holocaustkomödie groß - und tatsächlich: „Mein bester Feind“ sollte sich entgegen des ernsthaften und heiklen Settings als eine der amüsanteren Überraschungen der diesjährigen Berlinale entpuppen. Wolfgang Murnberger („Der Knochenmann“) schaffte es ähnlich wie Roberto Benigni mit „Das Leben ist schön“, dem Holocaust eine Leichtigkeit zu verleihen, die scheinbar mühelos mit der erdrückenden, geschichtsträchtigen Grundstimmung balanciert. Es war ein riskantes Unterfangen, den Film als Holocaustdrama zu beginnen, in der Mitte als klassische Verwechslungskomödie weiter zu führen und im letzten Akt einen süffisanten Heistplot zu konstruieren, den der Zuschauer mit diabolischer Freude verfolgt. Doch der eigentliche Clou besteht darin, dass Murnberger den Nazis und dem Holocaust den Rhythmus und das Tempo eines beschwingten Wiener Blues verpasste. Dazu der typische Wiener Dialekt und man konnte fast den Wiener Kaffee durch die Leinwand riechen. Um diese Leichtigkeit nicht zu gefährden, nahm sich der Film einige Freiheiten und reduzierte das Grauen des zweiten Weltkriegs. So wurde beispielsweise auf die Darstellung der Vernichtungslager, Exekutionen oder Wiens Bombardierung verzichtet. Doch der Regisseur machte nicht den Fehler, den Krieg zu verharmlosen. Der Schrecken ist ständig präsent und es gilt der alte Grundsatz: Nur weil es nicht gezeigt wurde, bedeutet es nicht, dass es nicht passiert ist.

Natürlich muss sich der Film eine der ältesten aller Filmfragen gefallen lassen: Geht das nicht zu weit? Dürfen Filmemacher den Holocaust zwar als drohender Schatten erwähnen, ihn aber bewusst ausklammern? Dürfen sie ihn und den zweiten Weltkrieg als Schauplatz für eine Verwechslungskomödie missbrauchen? Dürfen sie so schonungslos durch den Krieg zappen als wäre es bloß eine fiktive Filmmontage? Selbst wenn es so gekonnt und ausgewogen passiert wie in „Mein bester Feind“? Die Frage muss sich jeder selbst beantworten, denn im Endeffekt bietet der Film nicht mehr als Unterhaltung. Keine Vergangenheitsbewältigung, keine neuen Ansätze oder Sichtweisen. Nur reine Unterhaltung. Dafür eine von der Art, die mit offenen Armen zum Schmunzeln und zum Lachen einlädt. Nicht auf Kosten der Opfer, sondern der karikierten Besatzer, des Faschismus, der Uniform und des blinden Eifers. Nur so konnte eine solche Gratwanderung funktionieren. Ein gewagtes, aber gelungenes Unterfangen, das irgendwo zwischen „Der Dritte Mann“, „Arsen und Spitzenhäubchen“, „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ und unter einer großen Portion Schlagobers zu finden ist.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bester Feind, Mein

© Neue Visionen Filmverleih

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