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Me Too - Wer will schon normal sein?| Kritik 8/10

Kinostart
05.08.2010



Handlung

Daniel (Pablo Pineda) ist es gewöhnt, dass andere ihm wenig zutrauen und ihn verstohlen verschämt anschauen. Er hat ein klitzekleines Chromosom zu viel - Daniel ist mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen. Jetzt, mit 34 Jahren, hat er ein Studium mit Auszeichnung abgeschlossen. Das hätte wirklich niemand für möglich gehalten! Voller Energie, Lust und Freude beginnt er seinen neuen Job und trifft doch wieder auf alte Vorbehalte bei Freunden, Kollegen und selbst bei seiner Familie. Als sich zwischen seiner Kollegin Laura (Lola Dueñas) und ihm eine intensive Freundschaft entwickelt, sind alle völlig verunsichert. Die Ablehnung, auf die ihre Freundschaft stößt, führt diese beiden rebellischen Seelen noch enger zusammen: sie verlieben sich – unerwartet und überraschend für sie selbst und unvorstellbar für alle Anderen. Vorurteile, Ressentiments und eingefahrenen Verhaltensweisen werden kräftig durchgeschüttelt.


Filmkritik | Me Too - Wer will schon normal sein?

Filme in denen Menschen mit geistigen Behinderungen dargestellt werden, verfügen in der Regel über eine auffällige Gemeinsamkeit. Sie alle werden von talentierten Schauspielern und ihren beeindruckenden Leistungen getragen und ermöglichen es so dem Zuschauer für einen kurzen Moment in der Haut von kognitiv beeinträchtigen Menschen Platz zu nehmen.

"Me Too" folgt einem anderen Ansatz, bei dem kein gefeierter Schauspieler sondern ein Unbekannter namens Pablo Pineda im Mittelpunkt steht. Nicht irgendein Unbekannter sondern ein Mann, der mit Trisomie 21, dem sogenannten Down-Syndrom, geboren wurde. Und die Unterschiede sind erstaunlich. Einen Film zu sehen, in dem der Hauptdarsteller die Behinderung nicht spielt, sondern viel mehr der Kamera offenbart, eröffnet dem Zuschauer komplett neue Einsichten. Und um alle Zweifel auszuräumen, Pinedas Down-Syndrom öffnet zwar die Tür in den Film, aber letztendlich wird man von seiner Rolle und seinem Schauspiel ergriffen. Die Darbietung von Lola Duenas sorgt dafür, dass ein genügend starkes Gleichgewicht herrscht. Es ist eine beeindruckende Leistung von ihr, einem solch dominanten Gegenpart standhalten zu können.

Je weiter der Film voranschreitet, desto mehr kristallisiert sich eine alte Weisheit heraus. Normalität gibt es nicht und wenn, dann nur auf subjektiver Ebene. Erst wenn man hinter die Fassade blickt erkennt man, dass keineswegs nur die Figur von Daniel mit seiner offensichtlichen Behinderung der Norm widerspricht sondern auch Laura, die durch ihre Vergangenheit gebrandmarkt ist. Der Film stellt einen Kontrast zwischen geistiger und emotionaler Behinderung her. Daniel, auf der einen Seite sehnt sich danach Liebe zu schenken und geliebt zu werden. Er schluckt die täglichen Erniedrigungen und kämpft dagegen an, nicht wie ein Bürger zweiter Klasse behandelt zu werden. Zusehends leidet jedoch sein Selbstvertrauen und seine Lebensfreude unter diesem Druck. Bei Laura steht die Welt im Vergleich dazu Kopf, sie wird aufgrund ihres attraktiven Aussehens zwar akzeptiert, kann aber damit nicht umgehen. Emotionen und besonders Liebe sind für sie Fremdwörter. Sie kompensiert ihre Leere durch ziellose Bettgeschichten und das Erhaschen von männlicher Aufmerksamkeit. Seiten einer Borderline-Persönlichkeit offenbaren sich bei ihr und in Anbetracht ihrer bis zuletzt unausgesprochenen Vergangenheit erschliesst sich dem Zuschauer ihre emotionale Isolation.

Der Zuschauer erfährt aus erster Hand, was es heisst durch Trisomie 21 beeinträchtigt zu sein. Nicht bloß durch Daniel, sondern auch durch einige Nebencharaktere, die zeigen, wie man als Behinderter ständig wie ein Kind behandelt und bevormundet wird.

Der Trailer von "Me Too" erweckt den Eindruck eines zwar ernsthaften, aber auch lebensfrohen Liebesfilms, der einer aussergewöhnlichen Beziehung eine Chance gibt. In einer perfekten Welt stünde ihre Liebe über allem. In der Realität würde jede Chance auf eine gesunde Beziehung im Keim erstickt werden. Und das ist vielleicht die alles entscheidende Frage, auf die der Film hinausläuft. Ist einer solchen Liebe zumindest im Film eine Zukunft vergönnt? Die Auflösung des
Film bietet keine leichtfertigen Antworten, nur Liebe.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

Me Too - Wer will schon normal sein?

© Movienet Film GmbH

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Steckbrief
Regie
Antonio Naharro, Álvaro Pastor

Darsteller
Ana Pellegrina, Consuelo Trujillo, Daniel Parejo, Isabel Garcia Lorca, Joaquín Perles, Lola Dueñas, Lourdes Naharro, María Bravo, Pablo Pineda, Pedro Alvarez Ossorio, Susana Monje

Genre
Drama
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Spanien

Alternativ- bzw. Originaltitel
Yo, también




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