Matrix - Filmkritik | kulthit.de 
Die Filmkritik Community!

Suche
Start » Filmarchiv » Filmkritik

Matrix| Kritik

Kinostart
1999



Wir haben es immer geahnt - oder etwa nicht? - Das ganze Leben ist ein Traum, die eigentliche Realität spielt sich ganz woanders ab, und das, was wir als real empfinden, ist nichts anderes als ein geniales Computerprogramm, innerhalb dessen wir wie Marionetten von Maschinen, den eigentlichen Herrschern der Welt, gelenkt werden. Einige wenige konnten sich aus dieser Scheinwelt befreien und erwarten nun ihren "Erlöser", eine Art neuen Messias, der die Menschheit von ihrem Joch befreien soll. Dieser präsentiert sich in Gestalt des Hackers Neo (Keanu Reeves), aber bis er selbst an seine Berufung glaubt, muß noch einiges geschehen, was den Film zwei Stunden lang am Leben erhält.

Während ich das mit viel Aufwand und Computereffekten inszenierte Spektakel auf der Leinwand verfolgte, beschlich mich das ungute Gefühl, einen kurzen Ausblick auf das Kinogeschehen des neuen, demnächst anbrechenden Jahrtausends zu erleben. Sollte dies die Art Film sein, die wir demnächst hauptsächlich im Kino zu sehen bekommen werden? Trotz der vielen gelungenen Effekte strahlt "Matrix" eine Sterilität und Unpersönlichkeit aus (falls man letztere überhaupt ausstrahlen kann), wie ich sie selten zuvor bemerkt habe. Technisch gesehen dürfte an diesem Film nicht viel auszusetzen sein, und die wenigsten Actionfilme haben eine durchgehend schlüssige Handlung, aber hier wurde für meinen Geschmack ein wenig zuviel gemixt. Am meisten störte vielleicht dieser "Hauch von Mystik", die Erwartung des neuen "Heilands", die trotz aller High Tech offensichtlich immer noch ein beherrschendes Thema des menschlichen Denkens ist. Daß man außerdem ein Orakel bemüht hat, dürfte wohl eine Auswirkung der offenbar noch immer nicht abgeebbten New Age-Welle sein. Die einen mögen es genial finden, ich fand es deplaziert, aber der Phantasie sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt.

Maschinen, die versuchen, den Menschen zu beherrschen, sind kein sonderlich neues Thema, auch wenn es hier bis zum Extrem getrieben wurde. Immerhin haben sie es für zwei Jahrhunderte geschafft, die Oberhand zu behalten. Sie sind noch cleverer: Indem sie aussehen wie eine Kreuzung zwischen einer Tarantel und einer Riesenkrake, spielen sie mit den Urängsten des Menschen - wirklich schlau, diese Blecheimer. Da fragt man sich irgendwann, ob das denn sein muß. Die Matrix selbst ist so etwas wie ein riesiges "Holodeck", wie wir es bereits von Star Trek her kennen, nur in weitaus größeren Dimensionen. Die Schauspieler spielen im Grunde keine besondere Rolle, die Charaktere wirken ebenso steril und persönlichkeitslos wie der Rest des Films. Die Fans von Nahkampfszenen werden allerdings auf ihre Kosten kommen, ebensowenig fehlt eine Zeitlupenballerei à la John Woo. Wer "Face/Off" gemocht hat, dem wird vielleicht auch "Matrix" gefallen.

Wie originell dieser Film wirklich ist, muß jeder für sich selbst entscheiden. Zu dumm, daß er erst ab 16 freigegeben ist, da damit das Hauptpublikum womöglich draußen bleiben muß. Untermalt ist das Spektakel von Techno-Musik, die hauptsächlich Leute unter 20 ansprechen dürfte. Wer älter ist, ergreift spätestens kurz nach Beginn des Abspanns die Flucht, wenn die hämmernden Rhythmen unerträglich werden. Von harmlosen Geschichten wie die Abenteuer eines Indiana Jones müssen wir uns wohl verabschieden, bleibt zu hoffen, daß Komponisten wie John Williams nicht arbeitslos werden, weil man sie für hoffnungslos angestaubt hält.


Filmkritik von Monika Hübner

Sag es weiter



Kommentare

Derzeit sind keine Kommentare vorhanden!

Einen Kommentar schreiben

Bitte beim Kommentieren auf Rechtschreibung und Grammatik achten!

Name
eMail (wird nicht veröffentlicht)
What is 7 * 8 =  
Bitte Sicherheitscode in das rechte Feld eintippen.




Steckbrief
Regie
Wachowski Brüder

Darsteller
Carrie-Anne Moss, Gloria Foster, Hugo Weaving, Joe Pantoliano, Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Matt Doran, Paul Goddard, Robert Taylor

Genre
Action, Sci-Fi

Tags
Kampfsport
Gastkritiken
Anzeige

Filmfacts
Herstellungsland
USA, Australien

Budget
63 Mio. US-Dollar

Einspielergebnis
463 Mio. US-Dollar (weltweit)



Benutzername

Passwort

Anzeige