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Mars Attacks!| Kritik

Kinostart
1996



Nach all den Schlagzeilen, die die Pathfinder-Mission gemacht hat, versucht Tim Burton auf seine Weise, uns davon zu überzeugen, dass es Leben auf dem Mars gibt: Sie existieren nämlich doch, die kleinen grünen Männchen. Sie bilden eine hochtechnisierte Zivilisation, die sich unter der Oberfläche des Mars entwickelt hat, weswegen sie trotz aller früheren Bemühungen von keiner unbemannten Sonde entdeckt wurden...

Der amerikanische Präsident (Jack Nicholson) traut seinen Augen nicht, als man ihm Satellitenbilder vorlegt, die eine Flotte von "fliegenden" Untertassen (oder "Radkappen", wie jemand sehr treffend bemerkt) zeigen, die sich auf unseren schönen blauen Planeten zubewegen. Professor Kessler (Pierce Brosnan), sein wissenschaftlicher Berater, versichert ihm, dass eine derart hochentwickelte Zivilisation, die die Raumfahrt beherrscht, nur friedliche Absichten verfolgen könne. Die Regierung schickt also ein Empfangskomitee in die Wüste von Nevada, wo man die Landung der Außerirdischen mit Spannung erwartet. Zunächst scheint auch alles friedlich zu verlaufen, die Vertreter der beiden Völker verständigen sich über einen Übersetzungscomputer, beide Seiten betonen ihre friedfertigen Absichten. Bevor es jedoch zur spirituellen Vereinigung der beiden Planeten kommen kann, lässt ein Passant eine Friedenstaube fliegen...

Niemand weiß, was genau den Umschwung im Verhalten der Marsianer bewirkt haben könnte: War es die Friedenstaube, die sie als Bedrohung interpretierten oder ertrugen sie einfach den Applaus nicht? Sie beginnen jedenfalls, wild mit ihren Strahlenwaffen um sich zu schießen, und aus dem friedlichen Empfang wird ein Schlachtfeld. Noch ist der Präsident auf Anraten Kesslers dazu bereit, dies als ein kulturelles Missverständnis zu bewerten; als die ungebetenen Besucher jedoch mir nichts dir nichts den amerikanischen Kongress verdampfen und Professor Kessler in einer ihrer Untertassen entführen, ist an friedliches Verhandeln nicht mehr zu denken...

Mars Attacks! versteht sich als Satire auf die Science Fiction-Filme der fünfziger Jahre, und in eben dieser trashigen Optik präsentiert sich der Film auch. Man sollte sich jedoch nicht täuschen lassen, die SFX von Industrial Light and Magic sind auch diesmal vom Feinsten, sie simulieren lediglich die Stop and Motion-Technik, über die man damals verfügte. Burtons fliegende Untertassen sehen genauso aus, wie man sich fliegende Untertassen normalerweise vorstellt, und die kleinen, grünen Marsmännchen bewegen sich mit abgehackten Bewegungen. All dies ist jedoch gewollt und keineswegs ein Hinweis darauf, dass man an den Special Effects etwa gespart hätte. Wer Ästhetik sucht in diesem Film, der sollte sich auf den Vorspann konzentrieren, in dem ein Ballett von fliegenden Untertassen sich auf die Erde zubewegt im Rhythmus von Danny Elfmans eindringlicher Musik, die von Anfang an eine besondere Atmosphäre schafft, wie es einer Filmmusik nur in den seltensten Fällen gelingt.

Das Staraufgebot, das Tim Burton verpflichtet hat, ist beachtlich. Angeblich haben die Stars Schlange gestanden, um eine Rolle in Mars Attacks! zu bekommen, Jack Nicholson hätte sie - will man den Gerüchten Glauben schenken - am liebsten alle gespielt. Als einziger hat er zumindest zwei Rollen inne, nämlich die des amerikanischen Präsidenten sowie die eines Immobilienhais in Las Vegas. Beide spielt er mit unglaublicher Hingabe und völlig überzeugend. Wer sich Nicholson nicht als amerikanischen Präsidenten vorstellen kann, der eine Krisensituation meistert, der sollte sich unbedingt MA ansehen, er wird nicht enttäuscht werden. Das Endergebnis mag jedoch den einen oder anderen überraschen (oder in seiner Meinung bestätigen). Glenn Close als First Lady hat leider nur einige wenige kürzere Auftritte und tut sich vor allem durch die zur Schau gestellte Abscheu vor den ungewöhnlichen Besuchern hervor, die der Zuschauer ihr sicher nicht wirklich verdenken kann, denn besonders sympathisch wirken die Marsianer mit ihren riesigen, blumenkohlartigen Köpfen auf den schmächtigen Körpern sicher nicht. Wie recht sie mit ihrer Abneigung hat, wird spätestens beim Vorfall im Amerikanischen Kongress klar, in diesem Moment ist es jedoch schon zu spät für wirkungsvolle Gegenmaßnahmen und die Marsianer beginnen, die Welt systematisch zu zerstören. Dass sie dabei auch vor touristischen Sehenswürdigkeiten nicht Halt machen, wird niemanden verwundern, jedenfalls nicht, wenn er auch "Independence Day" gesehen hat. Ganz offensichtlich wissen die Aliens, wo sie die Menschen am empfindlichsten treffen können, unsere Marsianer haben jedoch im Gegensatz zu den fiesen Aliens aus ID4 Sinn für Kunst und Humor. Sie machen sich z.B. daran, Mount Rushmore zu verschönern oder lassen sich auch einmal vor explodierenden Gebäuden von einem Kollegen fotografieren. Was unter diesen Fotos im Familienalbum einmal für ein Text stehen wird, bleibt der Phantasie der Zuschauer überlassen.

Eine besonders fiese Behandlung lassen die Besucher den beiden Erdlingen angedeihen, die sie in ihre Untertasse verschleppt haben. Spätestens bei seiner Ankunft dort dürfte Kessler alias Pierce Brosnan sein Glaube in die Friedfertigkeit einer hochentwickelten Zivilisation vergehen: Die Experimente, die sie mit ihren Gefangenen anstellen, lassen zumindest den Vorwurf gegenstandslos werden, die Drehbuchautoren würden unter Phantasielosigkeit leiden. Auch die Art und Weise, wie man die Marsianer schließlich besiegt, entbehrt nicht einer gewissen Originalität, auch wenn es vielleicht nicht für alle Beteiligten ein Augen- bzw. Ohrenschmaus ist. Und dass die meisten der Stars in "Mars Attacks!" nur einen Kurzauftritt haben, bevor sie von den Marsmännchen mittels quietschbunter Strahlenpistole in ein entweder grünes oder rotes Skelett verwandelt werden, scheint diese nicht im mindesten gestört zu haben.
Wer sich den Film ansehen will, sollte über eine gehörige Portion schwarzen Humors verfügen, Tim Burtons skurrile, schräge Einfälle sind mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Da MA eine Parodie auf gängige Katastrophenfilme sein soll, verfolgt er auch deren Muster: In der ersten Dreiviertelstunde werden dem Zuschauer zunächst eine Reihe von Charakteren vorgestellt, die im weiteren Verlauf eine Schlüsselrolle einnehmen werden. Die einen mag dies langweilen, da zunächst (anscheinend) nicht allzuviel passiert, wer genau hinsieht, der wird jedoch auch in der ersten Hälfte des Films eine Fülle witziger Details entdecken, z.B. den Übersetzungscomputer, der im späteren Verlauf noch eine bedeutendere Rolle spielen wird. Die Ausstattung verrät in jeder Hinsicht die Liebe zum Detail, die trashige Optik ist gewollt und angemessen. Wenn man Mars Attacks als das sieht, als was es gedacht ist, nämlich als respektlose Parodie und nicht als Komödie im herkömmlichen Sinne, ist dieser Film eines der Highlights des Kinojahres 1997.


Filmkritik von Monika Hübner

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