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Marcello Marcello| Kritik 1/10

Kinostart
10.06.2010



Handlung

Italien, 1956. Auf der malerischen Insel Amatrello hält ein alter Brauch die jungen Männer auf Trab: Um sich ein Date zu sichern, sollen die Burschen am achtzehnten Geburtstag jedes Mädchens Geschenke präsentieren, und zwar nicht dem Geburtstagskind, sondern dessen Vater. Dieser allein entscheidet, wer die Tochter zum ersten Rendezvous ausführen darf. Der achtzehnjährige Marcello (Francesco Mistichelli), Sohn eines Fischers, hält von dieser Tradition wenig bis gar nichts – bis er zum ersten Mal die zauberhafte Elena (Elena Cucci) erblickt. Die Tochter des Bürgermeisters ist soeben nach langjähriger Abwesenheit auf die Insel zurückgekehrt und soll nun auch traditionsgemäß verkuppelt werden. Während bereits wertvolle Zeit verrinnt und die Konkurrenz um Elena wächst, hat Marcello endlich die perfekte Geschenkidee. Aber an das Geschenk zu kommen, ist gar nicht so einfach. Schon bald sieht er sich in Tauschgeschäfte mit dem ganzen Dorf verwickelt, denn jeder will etwas, was der andere hat. Marcellos Mission wächst zu einer Art Versöhnungsprozeß unter den gesamten Dorfbewohnern heran.


Filmkritik | Marcello Marcello

Die Vorgeschichte zu diesem Film ist so kurios, dass sie nicht unerwähnt bleiben sollte; vielleicht wirft sie auch ein Licht darauf, warum dieses Sommerlüftchen so hanebüchen und so lau daher weht: Am Anfang stand das Debüt-Drehbuch eines englischen ehemaligen Punkmusikers und heutigen Komponisten für Werbemelodien vorranigig fürs deutsche Fernsehen. Das Skript wollte keiner lesen. Da frisierte es der Autor zum romantischen Italien-Roman um und landete damit vor allem in Deutschland einen veritablen kleinen Erfolg, besonders auf den Kulturseiten von Frauenzeitschriften. Irgendwann geriet das Werk in die Hände eines Schweizer Regisseurs, der gemeinsam mit einem italienischen Profi-Skriptschreiber das Baby gründlich bearbeitete. Gedreht wurde mit „echten“ Italienern an ebenso echten Schauplätzen im Land, wo die Zitronen blühen. Produziert wurde in der Schweiz und in Deutschland. In Italien wurde das bereits vor ein paar Jahren abgedrehte Filmchen so gut wie nicht zur Kenntnis genommen, in der Schweiz eher am Rande; jetzt soll „Marcello Marcello“ deutsche Kinogängerinnen betören. Dann, wenn sich die Damen von ihren Fußball WM-TV-Machos ein wenig vernachlässigt fühlen. Ob´s gelingt, bleibt fraglich. Der englische Jungautor heißt übrigens Mark David Hatwood , der Schweizer Regisseur Denis Rabaglia („Azzurro“). Beide Namen muss man sich nicht unbedingt merken.

Was an dem Streifen am Anfang belustigt, dann nur noch nervt und ärgert, ist die geballte Ladung Italien-Klischee, die uns Rabaglia/Hatwood zumuten. Ob Vespa, Macho-Väter, kuriose Dorfpriester, durchgeknallte Alte, glutvolle junge Damen und Wäsche vor dem Fenster  - es fehlt an nichts. Eigentlich wartet man nur noch darauf, dass in jedem Moment Don Camillo und Peppone um die Ecke biegen und eine tobsüchtige Sophia Loren Wassereimer über zu aufdringlichen Canzonensängern ausleert. Die aufdringliche Filmmusik  des deutschen Hans Zimmer-Mitarbeiters Henning Lohner („Tortuga – Die geheimnisvolle Reise der Meeresschildkröte“) ist noch nervtötender, als es eine 1950er Jahre-Italo-Schmonzette wie „Volare“ jemals sein könnte. Dieser Film verursacht körperliche Schmerzen.

Dass der Schweizer Regisseur aus dem Wallis vom Videoclip-Filmen herkommt, ist diesem hektisch inszenierten filmischen Knallbonbon überdeutlich anzumerken. Wie ein angestochenes Schwein jagt die fahrige Wackelkamera seinen Hauptdarstellern beim immer gleichen und langweiligen Rundendrehen durchs Dorf. Die Geschichten und Dramoletten, die sich während dieser Tour de Force am Wegesrand entpuppen, sind durchweg aufgeblasen und künstlich mit Bedeutung hochgedopt. Das rührt nicht, das bewegt nicht, das nervt und nervt bis zum herbei gesehnten und vorhersehbaren Ende. Die ganze dumme Geschichte, herum konstruiert um ein kurioses Geschenk, das den Plot als MacGaffin in Bewegung hält, könnte eventuell wenigstens Spaß machen – wenn die Schauspieler gut wären. Die sind aber allesamt so schlecht, dass wir ihre Namen besser ganz rasch wieder vergessen. Neben dem seifig-glotzäugigen Jungmimen Francesco Mistichelli als Marcello und der vergeblich auf Unschuld vom Lande machenden Seifenoper-Schönheit Elena Cucci als seine Angebetete zerrt vor allem die Riege der überambitioniert agierenden, krampfhaft originell sein wollenden Nebenfiguren an den Nerven. Allesamt recht unbekannte italienische Fernsehseriendarsteller, die hier vermutlich die Chance ihres Lebens witterten: endlich einmal in einem richtigen Film mitzuspielen. Die Begeisterung am eigenen Spiel gerät zum grotesken Overacting. Einzig der routinierte, aus internationalen Produktionen bekannte Roberto Bestazzoni („Die Passion Christi“) als Professor Pizzuti hält, ganz Profi, den Ball flach. Übrigens: Eine Insel namens Amatrella gibt es nicht. Darauf einen Ramazotti!


Filmkritik von mkrispien

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Marcello Marcello

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Steckbrief
Regie
Denis Rabaglia

Darsteller
Alfio Alessi, Antonio Pennarella, Elena Cucci, Francesco Mistichelli, Gianfelice Imparato, Luca Sepe, Luigi Petrazzuolo, Renato Scarpa, Roberto Bestazzoni, Rosa Masciopinto, Teresa del Vecchio

Genre
Komödie, Romantik
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Herstellungsland
Deutschland, Schweiz




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