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Mammuth| Kritik 8/10

Kinostart
16.09.2010



Handlung

Die letzten Jahre hat er im Schlachthof Schweine zerlegt – nun ist er Rentner. Und weil ihm wichtige Arbeitsnachweise von früher fehlen und ihm daheim die Decke auf den Kopf fällt, startet Mammuth (Gérard Depardieu) auf seinem alten Motorrad, einer Münch-Mammut aus den 70er Jahren, die ihm einst zu seinem Spitznamen verhalf, eine Reise zu seinen ehemaligen Arbeitsstellen. Dieser Trip führt den gutmütigen Riesen zurück in seine Vergangenheit und lässt ihn die traurige Wahrheit spüren, dass er von niemandem jemals wirklich ernst genommen wurde – bis heute. Als er aber seine junge Nichte, die hübsche Künstlerin Miss Ming (Miss Ming), wieder trifft, die ihm die Poesie und Schönheit des Lebens aufzeigt, beginnt er völlig neue Seiten am Leben und an sich selbst zu entdecken. Und Mammuth erinnert sich an seine erste Liebe Yasmine (Isabelle Adjani).


Filmkritik | Mammuth

Ein etwas anderer Road- und Lebenstrip stellt Benoît Delépine und Gustave Kerverns („Louise Hires a Contract Killer“, „Aaltra“ und „Avida“) neuester, avfranzösischer Filmstreich „Mammuth“ dar. Denn in den Hauptrollen befinden sich keine Geringeren als der makelhafte Leinwandliebling Gérard Depardieu (unter anderem bekannt aus „Bogus“, „Dumas“ und „Kommissar Bellamy“) und eine durchaus schöne aber vor allem einzigartige Münch Mammut aus dem Jahre 1973, die sicher so manchen Motorradfan ins Schwärmen bringen wird.

Doch nicht nur die hübsche Maschine weiß die Zuschauer zu begeistern. Auch Depardieu in seiner Rolle des leicht schrulligen Frührentners Serge, Yolande Moreau (bekannt durch „Call me Elisabeth“ und „Incognito“) als dessen schlecht gelaunte Gattin Catherine und die zahlreichen anderen Nebencharaktere, die durch das Produktionsteam durchweg positiv besetzt wurden, wissen zu überzeugen. Hinzu kommt eine liebevolle, ruhige und vor allem wunderbar skurrile Geschichte von Serges Reise in die Vergangenheit, die den Zuschauer trotz allem Realismus in jeder Filmminute gekonnt aus dem Alltag entreißt. „Mammuth“ ist also kein reiner Film für Motorradfans, sondern eher etwas für die ganze, anspruchsvolle Familie. Da sich Delépines und Kerverns Film – wie immer - jedoch überwiegend unterschwelligem, gewagtem oder sogar rotzigem Humor bedient, handelt es sich hierbei eindeutig nicht um eine Komödie für Jedermann.

Neben der Geschichte und den gelungenen Darstellungen der Schauspieler, bilden vor allem die sehr lebendige und doch irgendwie zu unruhige Kameraführung sowie die Szenensetzung zwei weitere Highlights des Films. Denn „Mammuth“ ist gespickt mit verwackelten, verschwommenen und vibrierenden 16mm-Aufnahmen, die den Zuschauer auf den zweirädrigen Namensgeber des Filmes bringen. Im nächsten Moment findet man sich jedoch wieder im „tristen“ Filmalltag wieder, der gefüllt ist von alltäglichen Situationen, die dennoch - aufgrund der gewissen Priese Überraschung und Absurdität - wie Szenen aus einer anderen Welt wirken. Und nicht selten lassen diese das Publikum erstaunt, ungläubig lachend, grübelnd oder schockiert zurück. Etwa wenn ein augenscheinlich unspektakuläres Wiedersehen zwischen zwei alten Freunden nicht bei einem entspannten Plausch endet, sondern vollkommen unerwartet im Bett.

Mammuth“ ist minimal absurd, leicht melancholisch, stets überraschend, teilweise schockierend und zutiefst amüsierend - und daher für Viele sicherlich jede einzelne, gesehene Filmminute wert. In Anbetracht der Wulst von schlecht gemachten und unschön überzogenen Möchtegern-Lebenssatiren handelt es sich hier eindeutig um den Komödienstoff, auf den viele anspruchvolle Filmfreunde gewartet haben. Die breite Masse bedient Delépines und Kerverns Werk aber eindeutig nicht. Die, die eher auf schnelle Gags, einen strammgezogenen Storyspannungsbogen und heldenhafte Charaktere hoffen, werden lange warten müssen.


Filmkritik von Gastautor

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