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Mahler auf der Couch| Kritik 3/10

Kinostart
07.07.2010



Handlung

Im Sommer 1910 sucht Gustav Mahler (Johannes Silberschneider) den Rat von Sigmund Freund (Karl Markovics). Denn das alternde Musikgenie plagt rasende Eifersucht: Ein Liebesbrief hat ihn wie ein Schlag getroffen - an ihn adressiert, aber für seine Frau Alma (Barbara Romaner) bestimmt. Der Absender, ein gewisser Walter Gropius (Friedrich Mücke), beschreibt darin seine Affäre mit Alma in allen Einzelheiten. Mahler ist zerstört. Was weiß dieser Jüngling schon von ihm und seiner geliebten Alma, von zwei Menschen, die die Musik auf ewig verbunden und erfüllt hat? Mahler, der gefeierte Weltstar, bekommt keine vernünftige Note mehr aufs Papier. Der Besuch bei Freud soll helfen und fördert ganz Erstaunliches zu Tage. Die dramatischen Details einer gewaltigen Liebe.


Filmkritik | Mahler auf der Couch

Sie zog wie ein Sturmtief durch die europäische Künstlerszene; ihr späterer Liebhaber Oskar Kokoschka malte sie als "Windsbraut"; ihren ersten Ehemann, Komponist Gustav Mahler, trieb es auf die Psychoanalyse-Couch von Sigmund Freud. Und ihren letzten Gatten, Dichter Franz Werfe, quälte sie wie eine Domina bis zum Lebensende: die Muse, Gattin und Freundin berühmter Männer Alma Mahler–Werfel, geborene Schindler (1879-1964). Sie hat sie alle überlebt und wurde 84. Jetzt haben Percy Adlon und sein Sohn Felix einen Film zu ihrem Leben gemacht. Anlass: Der 150.Geburtstag des Wiener Musikgenies Gustav Mahler.

Um es vorweg zu sagen: Wer sich mit dem Treiben der Wiener Künstler-Schickeria um die Wende zum 20. Jahrhunderts nicht so gut auskennt, hat von dem Film wenig Gewinn:  Zu wenig wird erklärt, zu viel an Vorwissen voraus gesetzt. Anders als "Geliebte Clara" (2008) von Helma Sanders-Brahms über Clara Schumann, einer anderen berühmten Komponisten-Gattin, bietet "Mahler auf der Couch" kein stromlinienförmiges Biopic, sondern assoziiert ziemlich munter drauf los, der Psychoanalyse-Technik darin nicht ganz unähnlich. Zumindest gründlich informieren sollte man sich vor dem Filmbesuch schon, und selbst dann bleiben viele Irritationen. Denn der Film weiß nicht, was er sein will: klamaukiges Komödienstadl, brav abgedrehte Biografie fürs Bildungsfernsehen (der Film wurde mit Fernsehgeldern  produziert und wird dort auch zu sehen sein), experimentelles Kino oder Dokumentation: Alles zusammen geht aber nicht gut und der überanstrengte Zuschauer schaltet innerlich schnell ab, hat genug von der ohne Grund zuckenden Digitalkamera, den rasenden Fahrten über Betten und Berge und den stilistischen Mätzchen, die auch auf das Konto der ein wenig zu selbstverliebten Kamera von Benedict Neuenfels ("Anonyma – Eine Frau in Berlin", "Villalobos") gehen.

Aber da sind ja noch die Schauspieler, und auch da ist der Rezensent eher zwiegespalten: Bis auf den um Seriosität bemühten Freud-Darsteller Karl Markovicz ("Die Fälscher") wurden die Hauptdarsteller vom Adlon-Gespann auf der Bühne des Münchner Volkstheaters entdeckt, und genauso spielen sie auch - schrill, überzogen, ein bisschen schmierenkomödiantisch und allzu laut, was vor allem leider für die bislang nahezu unbekannte Barbara Romaner ("blindlings") gilt: Im Ehestreit mit Gatte Gustav (wie aus einem Wien-Comic entsprungen: Johannes Silberschneider, "Jud Süss - Film ohne Gewissen") schreit und gestikuliert sie wild herum. Während Clara Schumann-Darstellerin Martina Gedeck ("Jud Süß – Film ohne Gewissen", "Der Baader Meinhof Komplex"), der Romaner auf den ersten Blick verblüffend ähnlich sieht, im Ehekireg mit Robert nur mit dem Heben einer Augenbraue Emotion ausdrückt, greift die Sütirolerin als Alma Mahler tief in die komödiantische Trickkiste und leistet sich mimische Entgleisungen. Im Fernsehen mag das angehen, auf der großen Leinwand wirkt´s nur peinlich. Der Berliner Friedrich Mücke ("Friendship!") bleibt blass als Liebhaber und späterer zweiter Ehemann Walter Gropius.

Irgendwie passt nichts zusammen in dem Film. Der hochdramatische Score (Original-Sound von Gustav Mahler) nicht zum albernen Treiben der Figuren, die sich betont hochkünstlerisch gebenden Bilder nicht zur bieder erzählten Geschichte und ihrer Botschaft: Eigentlich war Alma ein nettes Wiener Mädl mit Musiktalent, der dominante Gatte verbot ihr das Komponieren und so wurde sie aus Frust zur Femme Fatale. Abgesehen davon, dass Biografien derart komplizierter Persönlichkeiten nie so einfach gestrickt sind – diese Geschichte hätte man auch weniger überspannt erzählen können. Um  den nunmehr 75 Jahre alten Percy Adlon, der seine große Zeit in den 1980er Jahren mit den Marianne Sägebrecht-Komödien "Zuckerbaby" und dem internationalen Erfolg "Out of Rosenheim" (in den USA als "Bagdad Café" im Kino) hatte, war es in den letzten Jahren still geworden. Die erste Gemeinschaftsarbeit mit Sohn Felix O. Adlon ("American Shrimps") enttäuscht.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Mahler auf der Couch

© Kinowelt Filmverleih

Kommentare


jejoma
19.05.2011, 00:50:44
super geschrieben

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Steckbrief
Regie
Felix O. Adlon, Percy Adlon

Darsteller
Barbara Romaner, Eva Mattes, Friedrich Mücke, Johannes Silberschneider, Karl Fischer, Karl Markovics, Lena Stolze, Mathias Franz Stein, Max Mayer, Nina Berten

Genre
Biografie, Drama
Gastkritiken
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Herstellungsland
Deutschland




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