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Männer, die auf Ziegen starren| Kritik 8/10

Kinostart
04.03.2010



Handlung

Als Reporter Bob Wilton (Ewan Mcgregor) den Soldaten Lyn Cassady (George Clooney) kennenlernt, stolpert er über die Story seines Lebens. Cassady behauptet, zu einer geheimen Militäreinheit namens "New Earth Army" zu gehören, deren Mitglieder Gedanken lesen, durch Wände laufen und sogar Ziegen durch Angucken töten können. Nun ist der Gründer des Programms, Bill Django (Jeff Bridges), verschwunden und Cassady ist auf einer Mission, ihn zu finden. Fasziniert von den Geschichten seines neuen Freundes schließt Wilton sich an - und gerät in ein haarsträubendes Abenteuer.


Filmkritik | Männer, die auf Ziegen starren

Intelligente Hollywood-Komödien, die das Treiben der US-Army satirisch aufs Korn nehmen, sind rar wie Perlen in einer Auster. Oft kopiert und nie erreicht: Die Vietnamkrieg-Groteske "M.A.S.H." von Robert Altman aus dem Jahr 1970. Jetzt schenkt uns die George Clooney-Filmschmiede mit "Männer, die auf Ziegen starren" nach langer Zeit wieder einen durchweg vergnüglichen Brüller dieses Genres: ohne erhobenen Zeigefinger, dennoch mit einer kräftigen Dosis Militärkritik. Immer am Rand der Klamotte, aber nie billiger Klamauk. Eine Gratwanderung, die gerade bei Militärkomödien ungeheuer schwer zu halten ist. Regisseur Grant Heslov ("Good Night, and Good Luck") und Produzent George Clooney ("Good Night, and Good Luck", "Ocean’s Thirteen, "Up in the Air"), beide seit Jahren freundschaftlich und geschäftlich eng miteinander verbunden, gelang das Wagnis.

Das Verrückte an der Geschichte um Flowerpower-bewegte Hippie-Soldaten mit PSI-Ambitionen: sie ist nicht ausgedacht, sondern beruht auf Tatsachen: Der "New Age Battalion" und die "Jedi Warriors", die ohne Waffen, nur mit der Kraft ihrer Gedanken den Feind unblutig in die Knie zwingen sollten, war in den 1960er bis 1980er Jahren ein von der US-Army gefördertes und unter strengster Geheimhaltung betriebenes Projekt einer Gruppe von esoterisch bewegten Offizieren. Fernöstliche Meditationspraktiken, Kampfsport und Yoga spielten dabei tragende Rollen. Auch das Versuchslabor, indem übersinnliche Experimente mit Ziegen angestellt wurden, hat es gegeben. Irgendwann in den 1980ern verlief die Sache im Sande. Der britische Journalist John Rohnson, der darüber ein Sachbuch und eine dreiteilige TV-Dokumentation verfasste, lieferte die Vorlage für das Drehbuch. Und hier liegt der einzige Schwachpunkt des Films: Rohnsons Buch hat keinen Plot, sondern reiht verschiedene Episoden locker aneinander.

Drehbuchautor Peter Straughan, ebenfalls Brite, musste eine kinotaugliche Story um diese Episoden herum schreiben, und das gelang ihm nur bedingt. Plausibel und höchst vergnüglich wird es, wenn die Handlung in die Vergangenheit, mitten ins LSD-geschwängerte, abstruse Geschehen der Hippiezeit springt. Dann wird´s saftig, prall und überaus witzig. Der in der Gegenwart spielende Handlungsstrang, der die Hauptfigur Lyn Cassady (George Clooney) und den von Ewan Mcgregor ("Der Ghostwriter") verkörperten Journalisten Bob Wilton nach Kuwait in ein immer aberwitziger  werdendes Wüsten-Abenteuer schickt, verliert sich irgendwann im Beliebigen. Etwas abrupt versandet der Film in einem ironisch gemeinten, aber allzu - sorry - dämlichen Schluss. Brisante Themen wie  Golfkrieg, Geheimdienst, Islamistenhysterie, Guantanamo und das zweifelhafte Operieren privater paramilitärischer Sicherheitsdienste in Kriegsgebieten werden zwar angeschnitten, dann jedoch mit leichter Hand ad acta gelegt. Richtig böse und bissig wird´s nie. Das sollte allerdings auch nicht erwarten, wer Filme aus dem Hause Clooney kennt: politisch durchaus kritisch,  eher links als rechts, aber letztendlich unverbindlich. Das "andere" Hollywood zwar, aber halt doch Hollywood. Allzu hoch hängen sollte man diesen Film nicht und sich einfach an ihm erfreuen.

Clooney als Jedi-Krieger und späterer Ziegenbefreier ist zum Schreien komisch und beweist, dass die intelligente Komödie seine wahre Domäne ist. Der im Alter immer besser werdende Jeff Bridges ("Crazy Heart") erinnert in Höchstform an "The Big Lebowski"-Zeiten, und der bewährte Kevin Spacey ("Superman Returns", "21") gibt den fiesen Verräter mit sichtlich diabolischem Vergnügen. Das Zusammenspiel der drei Superstars harmoniert hervorragend, keiner versucht den anderen auszustechen. Nur Ewan Mcgregor bleibt seltsam konturlos - er hat aber auch die undankbarste, am wenigsten ausbaufähige Rolle. Insgesamt die bislang beste Komödie der Saison. Mit einem besseren Drehbuch hätte es ein Meisterwerk werden können.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Männer, die auf Ziegen starren

© Kinowelt Filmverleih

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Steckbrief
Regie
Grant Heslov

Darsteller
Ewan McGregor, George Clooney, Glenn Morshower, Jeff Bridges, Kevin Spacey, Rebecca Mader, Robert Patrick, Stephen Lang, Stephen Root, Tim Griffin, Waleed Zuaiter

Genre
Komödie, Krieg
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
USA

Alternativ- bzw. Originaltitel
The Men Who Stare At Goats




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